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15.08.2015

00:48 Uhr

Kayla Mueller

US-Geisel wurde von IS-Führer vergewaltigt

Schreckliche Gewissheit für die Eltern der amerikanischen IS-Geisel Kayla Mueller: Vor ihrem Tod wurde sie vom Chef der Islamisten-Miliz gefoltert und vergewaltigt. Das berichtet jetzt eine jesidische Mitgefangene.

Beten für Kayla Mueller: Die junge Frau, die von der Terrormiliz Islamischer Staat gefangen gehalten wurde, starb vermutlich bei einem Bombenangriff in Syrien. Jetzt wurden Details ihrer monatelangen Gefangenschaft bekannt. Reuters

Kayla Mueller

Beten für Kayla Mueller: Die junge Frau, die von der Terrormiliz Islamischer Staat gefangen gehalten wurde, starb vermutlich bei einem Bombenangriff in Syrien. Jetzt wurden Details ihrer monatelangen Gefangenschaft bekannt.

WashingtonDer IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi hat laut US-Geheimdienstinformationen mehrmals die amerikanische Geisel Kayla Mueller vergewaltigt. Dies haben Geheimdienstmitarbeiter der Familie der getöteten 26-Jährigen im Juni mitgeteilt. Mueller wurde demnach eine Zeit lang von einem Kommandeur der Terrormiliz, Abu Sajjaf, und seiner Frau Umm Sajjaf gefangen gehalten. Al-Bagdadi habe die Entwicklungshelferin als „Ehefrau“ genommen und sie bei mehreren Besuchen sexuell missbraucht, berichtete eine 14-jährige Jesidin, die mit Mueller in Gefangenschaft lebte und im Oktober 2014 flüchtete.

Die Nachricht ist die jüngste von etlichen Horrormeldungen über Taten der Terrormiliz Islamischer Staat. Zuletzt übernahm der IS die Verantwortung für die Enthauptung der kroatischen Geisel Tomislav Salopek.

Die 14-jährige Jesidin ist in den kurdischen Teil des Irak geflüchtet, wo sie im November 2014 mit US-Soldaten gesprochen hatte. Die Geheimdienste bestätigten ihre Angaben und leiteten sie an die Eltern von Mueller weiter.

„Sie sagten uns, dass er sie geheiratet habe, und wir wussten alle, was das bedeutet“, sagte Kaylas Vater Carl Mueller am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Am Freitag wäre Kayla Mueller 27 Jahre alt geworden. Ihr Tod wurde im Februar vermeldet.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Ihre Mutter Marsha Mueller fügte hinzu: „Kayla hat diesen Mann nicht geheiratet. Er hat sie in seinen Raum gebracht und sie missbraucht und sie kam weinend zurück.“ Umm Sajjaf habe während eines Verhörs bestätigt, dass Al-Bagdadi die junge Amerikanerin „besessen“ habe. Ein mit dem Fall vertrauter US-Beamter bestätigte den Fall. Zunächst hatte die britische Tageszeitung „The Independent“ darüber berichtet.

Abu Sajjaf war im Juni im Osten Syriens bei einem Einsatz der Delta Force, einer US-Eliteeinheit, getötet worden. Er hatte beim IS eine führende Rolle bei illegalen Öl- und Gasgeschäften sowie Militäroperationen inne.

Mueller war den Informationen zufolge mit drei anderen Frauen gefangen gehalten worden, die allesamt Jesidinnen waren. Sie alle wurden zu Sex gezwungen. Nachdem sich Al-Bagdadi in seinem Raum in Abu Sajjafs Anwesen an Mueller vergangen habe, sei sie weinend zu ihren Mitgefangenen zurückgekehrt und habe berichtet, was passiert sei. „Kayla versuchte, diese jungen Mädchen zu schützen“, sagte ihre Mutter. „Sie war wie eine Mutter für sie.“

Mueller stammte aus Prescott im US-Staat Arizona und wurde im August 2013 gemeinsam mit ihrem Freund Omar Alchani im syrischen Aleppo entführt. Alchani wurde nach zwei Monaten freigelassen. Der IS behauptet, Mueller sei während eines jordanischen Luftangriffs nahe Rakka, der De-facto-Hauptstadt der Terrormiliz, getötet worden. Die USA bestätigten ihren Tod, allerdings nicht die Umstände.

Von

ap

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