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17.05.2013

15:09 Uhr

Kehrtwende in Frankreich

Paris will Steuerflüchtlingen Hintertür öffnen

VonThomas Hanke

Lange verfemt, doch nun auch unter Frankreichs sozialistischem Präsidenten Hollande in Vorbereitung: Die Rückschleusung von flüchtigem Vermögen. Die Regierung verspricht sich zusätzliche Einnahmen in Milliardenhöhe.

Der französische Präsident Francois Hollande während seiner Pressekonferenz am Freitag. Die Pläne für Steuerflüchtlinge wurden erst einige Stunden später bekannt. Reuters

Der französische Präsident Francois Hollande während seiner Pressekonferenz am Freitag. Die Pläne für Steuerflüchtlinge wurden erst einige Stunden später bekannt.

ParisNoch vor ein paar Wochen schwor der französische Budgetminister Bernard Cazeneuve Stein und Bein: Niemals wieder werde es eine spezielle Abteilung für Steuerflüchtlinge geben, die mit dem Fiskus Bedingungen für ihre Rückkehr ins Vaterland aushandeln. Unter Nicolas Sarkozy, dem konservativen Vorgänger des heutigen Präsidenten Francois Hollande, hatte solch ein Büro gearbeitet. Es war recht erfolgreich: Rund sieben Milliarden Euro an Fluchtkapital von 4000 reichen Franzosen sollen die 17 Finanzbeamten in die Republik zurückgeholt haben, wo nun brav Steuern dafür gezahlt werden.

Doch weil das Büro direkt beim damaligen Finanzminister Eric Woerth angesiedelt war und seine engsten Mitarbeiter die Verhandlungen führten, wollten die Gerüchte nicht verstummen, hier werde den millionenschweren Freunden der Regierung an Recht und Gesetz vorbei eine schonende Legalisierung von Schwarzgeld erlaubt. Entnervt von den ständig geäußerten Verdachtsmomenten übelster Vetternwirtschaft schloss Woerths ebenfalls konservativer Nachfolger Francois Baroin vor fast drei Jahren die Rückkehr-Pforte.

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Verständlich, dass die Sozialisten sie nicht wieder öffnen wollten. Das schien schon deshalb ausgeschlossen, weil Cazeneuves Vorgänger Jerome Cahuzac als überführter Schwarzgeld-Besitzer aus dem Amt gejagt wurde.

Der oberste Steuereintreiber war selber ein fleißiger Steuerhinterzieher. Als Schönheitschirurg zu Millionen gekommen, hatte der wortgewaltige Politiker einen guten Teil seines Vermögens in der Schweiz gebunkert. Cazeneuve klingt zwar so ähnlich wie Cahuzac, doch die beiden haben von Typ und Ausstrahlung her wenig miteinander gemein. Und Cazeneuves Job ist es, die äußerst peinliche Affäre Cahuzac möglichst schnell in Vergessenheit geraten zu lassen.

Kommentare (3)

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bjarki

17.05.2013, 15:48 Uhr

Der Kommunismus ist dumm.

gugginga

22.05.2013, 12:14 Uhr

sie könnten aber auch ganz einfach ihr Geld in Israel anlegen, denn diese Steueroase läßt sich nicht so leicht einschüchtern, wetten, dass die nicht mal ins Gerede kommt!

aronGaertner

23.05.2013, 15:58 Uhr

Jetzt haben sie aber was verraten : Guter TIP

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