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18.07.2014

13:34 Uhr

Kein Ticket bekommen

Passagiere entgehen Absturz von Flug MH17

298 Menschen sind beim Absturz von Flug MH17 über dem Osten der Ukraine gestorben. Einige Reisende hatten hingegen unglaubliches Glück. Sie kamen zu spät oder wichen auf einen anderen Flieger aus.

Tragischer Flugzeugabsturz

Indizien sprechen für Russlands Schuld

Tragischer Flugzeugabsturz : Indizien sprechen für Russlands Schuld

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Den HaagSie wollten Geld sparen oder bekamen einfach kein Ticket mehr – und entgingen so dem sicheren Tod auf dem Flug MH17 der Malaysia Airlines. Mehrere Passagiere wollten eigentlich mit der Maschine fliegen, die über dem Osten der Ukraine vermutlich abgeschossen wurde. Mindestens zwei Familien und der niederländische Radprofi Maarten de Jonge können bei all der Trauer um die 298 Toten ihr eigenes Glück kaum fassen.

So wollte Barry Sim unbedingt mit der Unglücksmaschine von Amsterdam nach Kuala Lumpur fliegen, für die seine Frau Nour Azaani und sein drei Monate altes Baby bereits Tickets hatten. „Ich habe also mein Reisebüro gebeten, mich auf denselben Flug wie meine Familie zu buchen“, erzählte Barry der niederländischen Zeitung „Algemeen Dagblad“.

Aber für den Flug MH17 am Mittag gab es keinen Platz mehr und also buchte er sich auf den Abendflug ein – und die Tickets für seine Frau und sein Baby ebenfalls um: „Wir wollten nicht getrennt reisen.“ Seine Gedanken sind jetzt bei den Familien der vielen Opfer, auch wenn er selbst „erleichtert“ ist und sich „gesegnet“ fühlt, dass er und seine Familie nicht an Bord von MH17 waren.

Offene Fragen nach dem mutmaßlichen Boeing-Abschuss

Wer war es?

In dem seit Wochen andauernden Konflikt in der Ostukraine gibt es drei beteiligte Seiten: die prorussischen Rebellen, die prowestliche Führung in Kiew sowie Russland. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach von einem „terroristischen Akt“. Er warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben – wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Moskau wiederum gibt Kiew die Schuld an der Eskalation der Lage in der Ostukraine.

Kann man die Täter überführen?

US-Experten gehen davon aus, dass es eine Boden-Luft-Rakete war, die das Flugzeug in der Reiseflughöhe von 9100 Meter traf. Anhand von Satelliten-Aufnahmen lasse sich bislang nicht feststellen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde. Fachleute von Militär und Geheimdienst sind aber nach US-Medienberichten dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln.

Wer hat die Waffen für einen solchen Angriff?

Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Allerdings dürften alle getroffenen Maschinen deutlich niedriger als die Boeing 777-200 geflogen sein. Nach unbestätigten Berichten haben die Aufständischen behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben. Das in den 80er-Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System Buk (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen.

Wieso flog MH 017 über das Konfliktgebiet?

Der Überflug von Konfliktgebieten wie etwa der Ostukraine durch Passagiermaschinen ist nach Angaben der Vereinigung Cockpit nicht unüblich. Das Vorstandsmitglied Markus Wahl sagte der Nachrichtenagentur dpa, so werde zum Beispiel im täglichen Betrieb der Irak und Afghanistan überflogen. Selbst im eskalierten Nahost-Konflikt fliegen internationale Fluggesellschaften weiterhin Tel Aviv an, obwohl die Stadt seit Tagen massiv mit Raketen aus dem Gazastreifen angegriffen wird. Manche sind da vorsichtiger: „Korean Airlines“ teilte laut Itar-Tass mit, seit Monaten nicht mehr über die Ostukraine zu fliegen.

Wer leitet die Untersuchung zur Aufklärung des Vorfalls?

Rein rechtlich ist es Aufgabe der ukrainischen Regierung, den Vorfall auf ihrem Staatsgebiet aufklären zu lassen. Allerdings ist die prowestliche Führung in Kiew selbst in den seit Monaten andauernden Konflikt im Osten des Landes involviert. Wohl auch deshalb haben US-Präsident Barack Obama, die Bundesregierung und auch die Nato eine internationale Untersuchung gefordert. Wer diese leiten könnte, ist noch unklar.

Auch der 29-jährige Radprofi Maarten de Jonge entging der Katastrophe: „Im letzten Moment habe ich beschlossen, einen Flug am Sonntag zu nehmen, weil er 300 Euro billiger war. Es gab nur noch einen freien Platz, den ich sofort reserviert habe“, berichtete er in verschiedenen niederländischen Medien. „Es hat mir also das Leben gerettet, dass ich Geld sparen wollte.“

Eine andere Familie, die über Kuala Lumpur zu einer Beerdigung nach Australien reisen wollte, kam zu spät zum Flughafen, um noch Tickets für den Flug MH17 kaufen zu können. „Es ist ein bisschen unwirklich“, sagte die Frau, mit einem kleinen Mädchen mit blonden Locken im Arm, dem Lokalfernsehsender AT5. „Ich kann es kaum glauben.“

Von

afp

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