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02.06.2013

21:27 Uhr

„Keine Dringlichkeit“

EZB dürfte eine Zinspause einlegen

Zuletzt senkten die Notenbanker der EZB den Leitzins auf ein rekordniedriges Niveau. Bei ihrer kommenden Sitzung wird allerdings keine weitere Senkung erwartet. Die OECD warnt indes vor Untätigkeit.

Die Euro-Skulptur in Frankfurt am Main vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). dpa

Die Euro-Skulptur in Frankfurt am Main vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB).

BerlinNach der historischen Zinssenkung vom Mai wird die EZB im Juni voraussichtlich eine Pause einlegen. Die große Mehrheit der von Reuters befragten Experten rechnet trotz der hartnäckigen Rezession in der Euro-Zone nicht damit, dass die Notenbanker am Donnerstag den Leitzins unter das bereits rekordniedrige Niveau von 0,5 Prozent senken werden.

"Dazu besteht derzeit keine Dringlichkeit, da wichtige Frühindikatoren wie etwa der Ifo-Index gestiegen sind", meint Chefvolkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Die Europäische Zentralbank (EZB) setze auf eine allmähliche Erholung im zweiten Halbjahr, auch wenn sie ihre Prognose von einem Prozent Wirtschaftswachstum für 2014 wohl nach unten korrigieren müsse.

Die Industrieländergruppe OECD hat die Notenbanker jedoch gemahnt, die Hände jetzt nicht in den Schoß zu legen. Die zusehends spärlicher fließenden Darlehen in der Euro-Zone sind Ausdruck einer Kreditklemme, unter der Mittelständler in fast ganz Südeuropa leiden. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy rechnet damit, dass die EZB gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank noch vor dem EU-Gipfel Ende Juni einen Plan vorlegen wird, wie deren Not gelindert werden kann.

Mit der Zinspause dürfte auch ein umstrittenes Instrument zur Bekämpfung der Kreditklemme in Südeuropa nicht zum Einsatz kommen: eine Strafgebühr auf geparktes Geld bei der Zentralbank. Momentan liegt der sogenannte Einlagezins bei null Prozent. Mit einer Absenkung in den negativen Bereich würde sich die EZB auf sehr unsicheres Terrain wagen.

Dänemark hat mit dem negativen Zins bereits Erfahrungen gemacht. Dort schlugen Banken die höheren Kosten prompt auf die Kreditzinsen drauf. Ein solcher Effekt gilt für die Euro-Zone als kontraproduktiv, da die EZB ja gerade die Darlehensvergabe ankurbeln möchte. EZB-Direktor Jörg Asmussen hält dementsprechend nichts von dem Strafzins: "Einige sehen die Diskussion eher offen, ich sehe es weniger offen."

Im Direktorium bröckelt offenbar ohnehin die Unterstützung für die Pläne von EZB-Chef Mario Draghi, den Südeuropäern nach der jüngsten Zinssenkung noch stärker unter die Arme zu greifen. Presseberichte, wonach einzelne Notenbanker eine weitere Lockerung der Geldpolitik mit unkonventionellen Mitteln ablehnen, will die EZB nicht kommentieren.

Kommentare (1)

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03.06.2013, 01:15 Uhr

Der nächste Zinsschritt sollte eher aufwärts sein.

Jedenfalls hat sich im April die Ausweitung der Geldmenge leicht beschleunigt.

Ein einzelner Monat sollte zwar nicht überbewertet werden. Aber eine Geldmengenausweitung von 2,5% p.a. bei Nullwachstum wäre langfristig nicht zu rechtfertigen.

Und negative Realzinsen auch nicht.

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