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29.12.2013

14:24 Uhr

„Keine Einmischung in Syrien“

Assad maßregelt Papst Franziskus per Post

An Weihnachten hat Papst Franziskus zu Frieden in Syrien aufgerufen. Die Antwort aus Damaskus kam prompt. In einem Brief verbat sich Machthaber Assad jede Einmischung. Versöhnlich gab er sich in einem anderen Punkt.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad sagt: „Die Chancen sind groß, dass ich kandidiere.“ ap

Syriens Machthaber Baschar al-Assad sagt: „Die Chancen sind groß, dass ich kandidiere.“

DamaskusDer syrische Machthaber Baschar al-Assad hat sich in einem Brief an Papst Franziskus gegen jegliche äußere Einmischung in den Bürgerkrieg in seinem Land verwahrt. Er bekräftigte zugleich die Bereitschaft des Regimes, an der Friedenskonferenz teilzunehmen, die am 22. Januar in der Schweiz beginnen soll. Zugleich sei aber „die Bekämpfung des Terrorismus, der auf die Bürger abzielt, der entscheidende Faktor für die Herbeiführung einer friedlichen Lösung“, hieß es in dem Schreiben, aus dem die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Sonntag zitierte.

In der Sprachregelung des Assad-Regimes sind grundsätzlich alle Rebellen „Terroristen“. „Um den Terrorismus abzustellen, ist es erforderlich, dass jene Länder, die sich an der Unterstützung der bewaffneten terroristischen Gruppen beteiligen, damit aufhören, diesen Gruppen militärische, logistische und ausbildungsmäßige Hilfe zu gewähren“, hielt der Brief weiter fest. Assad spricht darin seine „Anerkennung“ über die Haltung des Papstes in Hinblick auf den Konflikt in Syrien aus.

Der Vatikan hatte den Erhalt des Briefes bereits am Samstag bestätigt – allerdings ohne auf dessen Inhalt einzugehen. Papst Franziskus hatte in seiner Botschaft am ersten Weihnachtstag in einem starken Appell zu Frieden in Syrien und in Afrika aufgerufen.

Assads Streitkräfte gehörten zu den stärksten der arabischen Welt

Truppenstärke

In der Theorie verfügen die Streitkräfte über 178.000 Soldaten, davon 110.000 beim Heer, 36.000 bei der Luftabwehr, 27.000 bei der Luftwaffe und 5000 bei der Marine. 2009 wurde die Truppenstärke noch auf 325.000 Mann geschätzt, davon 220.000 beim Heer. Überläufe, Desertionen und Verluste hätten die Zahl reduziert, schreiben die IISS-Experten. Einige Brigaden seien auch "verschwunden", weil sie als politisch wenig verlässlich betrachtet worden seien.

Paramilitär und Miliz

Neben den regulären Truppen verfügte Machthaber Baschar al-Assad 2009 über geschätzte 108.000 paramilitärische Kräfte, die meisten von ihnen in der Miliz der Baath-Partei. Die Einheiten spielen im Kampf gegen die Aufständischen eine große Rolle. Wie hoch deren Zahl gegenwärtig ist, kann das IISS nicht einschätzen.

Struktur

Das Heer verfügt regulär über sieben Panzerdivisionen, drei Divisionen Panzergrenadiere, zwei Divisionen Spezialeinheiten und eine Division der Republikanischen Garde, die für Damaskus zuständig ist. Als besonders effizient gelten die Spezialkräfte und die Republikanische Garde, ihre Mitglieder gehören wie Assad den Alawiten an. Zusammengenommen wird die Zahl der Elitesoldaten auf 50.000 geschätzt.


Ausrüstung

Das Material der Streitkräfte stammt überwiegend aus Russland oder noch aus der Sowjetunion. Vor den Kämpfen verfügte das Heer über 4950 Panzer. Die Zahl sei inzwischen deutlich reduziert, schätzt das IISS. Das Kommando für das beachtliche Raketenarsenal befindet sich in Aleppo im Norden des Landes. Die Marine hat zwei Fregatten zur Verfügung. Bei der Luftwaffe gibt es zwar noch 365 Kampfjets. Ein großer Teil der Luftflotte sei aber vermutlich nicht richtig einsatzbereit, heißt es in der Bestandsaufnahme des Instituts. Von den Kämpfen am wenigsten geschwächt sei vermutlich die Luftabwehr. Die Kapazität wird auf tausende Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion geschätzt, darunter auch einige modernere Waffen.

Unterdessen kommt das Land nicht zur Ruhe: Am Samstag warfen syrische Regierungstruppen offenbar sogenannte Fassbomben aus Helikoptern auf einen Markt und ein Krankenhaus in der nördlichen Metropole Aleppo ab. Dabei wurden mindestens 25 Menschen getötet, unter ihnen zwei Frauen und sechs Kinder, wie die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London mitteilten.

Bei den „Fassbomben“ handelt es sich um Fässer, die mit Sprengstoff und Nägeln gefüllt sind und aus Hubschraubern abgeworfen werden. Sie entfalten eine breite Streuwirkung und töten deshalb immer wieder viele Zivilisten. Die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad setzen sie neuerdings zunehmend in den von den Rebellen kontrollierten Teilen Aleppos ein.

Von

dpa

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