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14.12.2016

15:52 Uhr

Keine Hoffnung in Aleppo

„Wir wollen raus“

Die Busse für den Abzug von Kämpfern und Zivilisten aus Aleppos Rebellengebieten standen schon bereit – herausgebracht aber wurde trotzdem niemand. Woran ist das ausgehandelte Abkommen gescheitert?

Den Menschen fehlt es an Trinkwasser und Nahrung. Viele fürchten sich vor neuen Massakern. Reuters

Ost-Aleppo

Den Menschen fehlt es an Trinkwasser und Nahrung. Viele fürchten sich vor neuen Massakern.

AleppoDie Hoffnung für die geschundenen Menschen in Aleppos belagerten Rebellengebieten sollte nur kurz währen. Am Dienstagabend verkündeten Opposition und Syriens enger Verbündeter Russland noch, die verfeindeten Parteien hätten sich auf einen Abzug der Kämpfer und Zivilisten aus dem Osten der Stadt geeinigt. Die Rettung von Zehntausenden Menschen, die seit Monaten eingeschlossen sind, schien nahe. Die grünen Busse des staatlichen syrischen Transportunternehmens fuhren vor, um die Menschen wegzubringen, die Frontscheiben geschmückt mit dem Porträt von Machthaber Baschar al-Assad.

Doch sie warteten vergeblich. Schon vor Sonnenaufgang zeichnete sich ab, dass sich die Umsetzung des Abkommens verzögert. Dann meldeten Aktivisten plötzlich neues Feuer auf Ost-Aleppo. „Es gibt seit dem Morgen heftigen Artilleriebeschuss“, berichtete Mohammed Abu Dschaafar, Leiter der forensischen Abteilung in den Rebellengebieten, per Audionachricht. „Und wir hören Flugzeuge am Himmel.“ Es dauerte nicht lange, da fuhren auch die grünen Busse zurück in ihre Depots.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

An dem gescheiterten Abkommen zeigt sich wieder einmal, wie schwierig es ist, in dem fast sechs Jahre dauernden Konflikt Kompromisse durchzusetzen. Auf beiden Seiten sind zu viele Konfliktparteien mit unterschiedlichen Interessen im Spiel. Ausgehandelt etwa wurde das Abkommen unter der Ägide Russlands, dem Verbündeten der Regierung, und der Türkei als Unterstützer der Rebellen. Beide übten offenbar Druck auf ihre Schützlinge aus – doch selbst das reichte nicht.

Die gewöhnlich gut informierte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von schweren Differenzen zwischen dem Regime und Russland. Syrien fühlte sich offenbar von Moskau bei dem Abkommen übergangen und gedrängt sowie um den militärischen Sieg in Aleppo gebracht, der kurz bevorstand.

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Zwar sind einige Viertel der Stadt anders als von Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin behauptet weiterhin unter Kontrolle der Rebellen. Doch eine völlige Eroberung Aleppos dürfte nur eine Frage der Zeit sein. „Wir hoffen, dass wir sie (die Rebellen) jetzt endgültig liquidieren können“, erklärte der Politiker Fares al-Schehabi, der für Aleppo im syrischen Parlament sitzt.

Regimegegner beschuldigten zugleich den schiitischen Iran, das Abkommen durch neue Forderungen zum Scheitern gebracht zu haben. Dabei soll es um die Orte Fua und Kafraja im Nordwesten gehen, in denen vor allem Schiiten leben und die von Rebellen belagert werden.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.12.2016, 17:26 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

TRAUTMANN

Danke

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