Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.08.2012

17:27 Uhr

Keine neuen Hilfen

Athen strapaziert Europas Nerven

Zwar wird in Berlin nicht mehr ausgeschlossen, dass Athen den Euro aufgibt. Doch die Bundesregierung lehnt neue Hilfsprogramme ab. Die griechische Regierung versucht das Land mit einem neuen Sparprogramm zu retten.

Ein Tempel in Athen: Kann Griechenland im Euro bleiben? dapd

Ein Tempel in Athen: Kann Griechenland im Euro bleiben?

Berlin / Athen Für Griechenland geht der Kampf gegen die Staatspleite in die womöglich letzte Runde - aber die Bundesregierung lehnt weitere Zugeständnisse in der Euro-Krise ab. Den Griechen sollen weitere 2,5 Milliarden Euro in der Kasse fehlen. In Berlin wird nicht mehr ausgeschlossen, dass Athen die gemeinsame Währung aufgibt. Umstritten ist, welche Folgen das für Deutschland hätte.

Am Sonntag reiste der griechische Außenminister Dimitris Avramopoulos nach Deutschland. Er wollte das Treffen von Regierungschef Antonis Samaras mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag vorbereiten, dem die Griechen große Bedeutung beimessen. Am Donnerstag kommt Frankreichs Präsident François Hollande zu einem Krisentreffen nach Berlin.

Die Konjunkturentwicklung in den Euro-Krisenländern

Griechenland

Für Europas Krisenland Nummer 1 fehlen aktuelle Daten für die vierteljährliche Veränderung. Zahlen, die die Veränderung zum gleichen Quartal des Vorjahres widerspiegeln, sehen indes düster aus: Um 6,2 Prozent hat die griechische Wirtschaftsleistung innerhalb eines Jahres abgenommen. Die Daten sind allerdings nicht saisonbereinigt - die jahreszeitlich bedingten Schwankungen sind also nicht herausgerechnet worden.

Spanien

Spaniens Wirtschaftsleistung ist zwischen April und Juni um 0,4 Prozent geschrumpft, verglichen mit der Spanne Januar bis März 2012. Das ist eine weitere Verschlechterung: In den beiden Vorquartalen hatte das BIP jeweils um 0,3 Prozent abgenommen, nach Stagnation im dritten Vierteljahr 2011.

Portugal

Portugal steht deutlich schlechter da als sein Nachbar Spanien. Um 1,2 Prozent hat die Wirtschaftsleistung dort im vergangenen Quartal abgenommen, nach 0,1 Prozent im Vorquartal. Zwischen Oktober und Dezember 2011 waren es sogar 1,4 Prozent gewesen.

Italien

Italien nimmt zwar keine Hilfen aus europäischen Rettungsschirmen in Anspruch. Der Wirtschaft geht es aber dennoch nicht gut: Um 0,7 Prozent ist das BIP dort abgesackt. Seit dem dritten Quartal 2011 steckt das Land in der Rezession.

Irland

Zu Irland gibt es keine aktuellen Zahlen. Der dortigen Wirtschaft ging es zuletzt es aber schon deutlich besser als im Vorjahr. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung kurzfristig zwar um 1,1 Prozent abgenommen, das sind aber immer noch 1,4 Prozent mehr als im ersten Vierteljahr 2011.

Zypern

Um 0,8 Prozent ist das zypriotische BIP gefallen. Der Inselstaat ist das bisher letzte Land, das unter den Rettungsschirm schlüpfen will.

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ laufen bereits Vorbereitungen für den Fall, dass Griechenland die Währungsunion verlässt. Im Mittelpunkt stehe dabei die Frage, wie man die übrigen Euro-Krisenländer vor den Auswirkungen abschirmt. Zunächst soll der dauerhafte Rettungsschirm ESM einsatzbereit sein, dazu muss das Urteil des Bundesverfassungsgerichts am 12. September abgewartet werden. Nach dem Bericht dringt Frankreich allerdings mit anderen südeuropäischen Ländern darauf, Athen neue Hilfen zu gewähren, um ein Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion zu vermeiden.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich dagegen skeptisch zu neuen Hilfsprogrammen. Die Hilfe für kriselnde Euro-Länder dürfe kein „Fass ohne Boden“ werden, warnte er in einer Gesprächsrunde mit Bürgern. Deutschland bleibe aber weiter bemüht, Griechenland zu helfen. Schäuble warnte vor Überheblichkeit gegenüber den kriselnden Euro-Ländern. „Auch wir bescheißen gelegentlich, auch wir verstoßen gegen Regeln“, sagte Schäuble.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der am Montag mit seinem griechischen Kollegen zusammentrifft, lehnt Zugeständnisse an die Regierung in Athen ab. Er sagte dem „Tagesspiegel am Sonntag“, eine Aufweichung der vereinbarten Reformen komme „in der Substanz“ nicht in Betracht. Dies würde von anderen Ländern wie Spanien missverstanden werden. Zugleich warb Westerwelle für mehr Verständnis mit den Griechen. „Die Menschen in Griechenland können nichts dafür, dass griechische Verantwortungsträger in den letzten Jahren ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind.“

So arbeitet die Troika

Regelmäßige Überprüfung

Die Troika ist eine Gruppe von Experten der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Seit dem Start des ersten Griechenland-Rettungspakets im Frühjahr 2010 überprüft sie alle drei Monate, ob Athen die Spar- und Reformauflagen erfüllt. Die einzelnen Tranchen der Notkredite geben die Eurozone und der IWF nur frei, wenn ihre Fachleute den griechischen Behörden vorher ein ausreichendes Zeugnis ausstellen und die Schuldentragfähigkeit als gesichert beurteilen.

Enge Zusammenarbeit

Die Experten arbeiten mit der Regierung in Athen beim Erstellen der Sparziele zusammen und geben auch Ratschläge zu ihrer Umsetzung.

Kein Geld ohne Zustimmung

Das Troika-Zeugnis ist für Griechenland von existenzieller Bedeutung.

Die Taskforce

Die Troika ist nicht zu verwechseln mit der sogenannten Taskforce. Diese Arbeitsgruppe der EU war im Sommer 2011 parallel zur Troika eingesetzt worden, um die griechische Konjunktur wiederzubeleben. Sie steht unter der Leitung des Deutschen Horst Reichenbach und soll bei der Umsetzung von Strukturreformen helfen, die die Troika Griechenland verschrieben hat.

Wie die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums erfuhr, ist das neue, gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket fast unter Dach und Fach. Es soll Anfang der Woche von den Chefs der drei Koalitionsparteien gebilligt werden. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ist die Finanzierungslücke Griechenlands allerdings bis zu 14 Milliarden Euro groß. Das sei das Ergebnis der jüngsten Erkundungstour der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Athen.

Kommentare (33)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Pro-D

19.08.2012, 17:21 Uhr

Der schlaue Schröder, Aufsichtrat beim Russen und Urlauber in GR hat doch egsagt, dass die GR so fleissig und gut sind. Der ist so reich mit seinem Freund Putin, der wird seinen GR-Gastgebern schon helfen.


Danke, liebe Mitleser hier, dass Ihr Euch wie die Löwen über mich hergemacht habt, als ich schon vor weit über 1 Jahr sagte, schmeisst die GR endlich aus dem Euro. Nun haben wir dort noch mal ein paar Mrd. € den Griechen zusätzlich in den Po geblasen und GR wird rausfliegen.

Mit so schlauen Mitbürgern kann man keine Demokratie machen, wie man ja auch an der Wulff Affäre gesehen hat. Beenden wir das Kasperl Theater und führen endlich wieder eine richtige Gelddiktatur ein. Wie bei den Chinesen, denn das versteht ihr besser.





Account gelöscht!

19.08.2012, 17:28 Uhr

Ja,klar .
Frankreich soll sich ja besonders in Griechenland hervorgetan haben , aufgekauft was man aufkaufen konnte , in der Hoffnung den Verlust auch von den Deutschen bezahlt zu bekommen .
Kein Geld für Griechenland !!!

Account gelöscht!

19.08.2012, 17:34 Uhr

Griechenland besitzt Gold im Wert von 4 Milliarden Euro. Wo ist das Problem? Es gibt viele Zentralbanken, die auch dem Dollar nicht mehr trauen und mit Kusshand in nicht manipulierbare Reserven umschichten würden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×