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06.07.2014

22:25 Uhr

Keine Waffenruhe

Ukrainische Armee will Donezk und Lugansk belagern

Eigentlich wollte die ukrainische Führung an den Verhandlungstisch zurückkehren. Doch nach militärischen Erfolgen gegen die Aufständischen will sie davon wenig wissen. Jetzt stehen Belagerungen bevor. Moskau schäumt.

Ein prorussischer Kämpfer bewacht eine Straße vor Donezk: Präsident Poroschenko plant die „völlige Blockade dieser Orte bis zur Kapitulation der Banditen“. dpa

Ein prorussischer Kämpfer bewacht eine Straße vor Donezk: Präsident Poroschenko plant die „völlige Blockade dieser Orte bis zur Kapitulation der Banditen“.

Kiew/MoskauInmitten der Bemühungen um eine Waffenruhe hat die ukrainische Armee mehrere Hochburgen prorussischer Separatisten zurückerobert. Staatspräsident Petro Poroschenko sprach von einem „Wendepunkt“ nach wochenlangen Gefechten und befahl die Fortsetzung der „Anti-Terror-Offensive“. Die Armee rückte am Sonntag auf die Industriestadt Donezk vor, wo sich Aufständische verschanzt halten.

Dort und in Lugansk sollen die Separatisten mit einer militärischen Belagerung zur Aufgabe gezwungen werden. „Der Strategieplan von Präsident Petro Poroschenko sieht die völlige Blockade dieser Orte bis zur Kapitulation der Banditen vor“, sagte der Vizechef des Sicherheitsrats, Michail Kowal, am Sonntag dem Fernsehsender Inter in Kiew. Er antwortete damit auf die Frage, ob die Armee die Städte bombardieren oder stürmen werde. „Wir werden einen Partisanenkrieg im Gebiet von Donezk starten“, hatte der Separatistenführer Pawel Gubarow angedroht.

Aus der Stadt Lugansk wurden am Abend bereits heftige Gefechte gemeldet. In Donezk attackierten prorussische Aufständische einen Militärstützpunkt, um Waffen zu erbeuten. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert, sagte Armeesprecher Sergej Starenki.

Hochburgen prorussischer Milizen in der Ostukraine

Slawjansk

Die Industriestadt (110.000 Einwohner) in der Region Donezk.

Donezk

Die Hauptstadt der gleichnamigen Region (eine Million Einwohner) ist zugleich die Hauptstadt der von den Aktivisten ausgerufenen „Republik Donezk“. Das Gebäude der Regionalverwaltung wurde am 6. April besetzt, das Rathaus zehn Tage später.

Lugansk

Die Hauptstadt der Region Lugansk (400.000 Einwohner) wird von den Milizen auch als Hauptstadt der „Republik Lugansk“ bezeichnet. Die Geheimdienstzentrale ist seit dem 6. April besetzt, am 29. April stürmten prorussische Demonstranten zudem das Gebäude der Regionalverwaltung.

Kramatorsk

In der Nachbarstadt von Slawjansk (160.000 Einwohner) besetzten Aktivisten am 12. April erstmals das Rathaus. Auch ein Gebäude des Geheimdienstes ist in ihrer Gewalt. Ein ukrainischer Militärstützpunkt in der Nähe ist jedoch weiterhin unter Kontrolle ukrainischer Soldaten.

Weitere Städte

In diesen Städten sind die Rathäuser besetzt: Gorliwka (260.000 Einwohner), Makijiwka (360.000 Einwohner), Artemiwsk (78.000 Einwohner), Jenakijewe (85.000 Einwohner), Charzysk (60.000 Einwohner), Schdaniwka (14.000 Einwohner), Kirowsk (28.000 Einwohner), Tores (80.000 Einwohner), Kostjantyniwka (80.000 Einwohner)

Russland kritisierte die Gefechte scharf. Es sei „zutiefst beunruhigend“, dass die vereinbarten Verhandlungen der ukrainischen Führung mit den Aufständischen nicht stattgefunden hätten, sagte Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Die Aufständischen zogen sich unter anderem aus den strategisch wichtigen Stützpunkten Slawjansk und Kramatorsk in Richtung Donezk zurück. Die Regierung sprach von „einem der größten Siege“ seit Beginn der Kämpfe Mitte April. Soldaten hissten symbolträchtig die blau-gelbe Flagge des Landes auf den Rathäusern. Poroschenko befahl, Lebensmittel in die befreiten Orte zu bringen.

Bei ihrem Vormarsch auf Donezk eroberten Regierungseinheiten am Sonntag zwei weitere Städte aus der Gewalt der militanten Gruppen zurück. Auch über Artjomowsk und Druschkowka sei wieder die blau-gelbe Flagge gehisst worden, sagte Verteidigungsminister Waleri Geletej.

Die Aufständischen wollten nicht von einer Niederlage reden. Die Kämpfer seien nicht vor der Armee geflohen, sondern sie hätten zum Schutz der Zivilbevölkerung die Stellung gewechselt, sagte der Separatistenanführer Andrej Purgin. „Unser Widerstand ist nicht gebrochen.“ Igor Girkin („Strelkow“) von der „Volkswehr“ sagte, nach dem Vorrücken der Regierungskräfte mit Artillerie, Panzerfahrzeugen und Kampfhubschraubern hätten die Kämpfer die Stellungen nicht mehr halten können. Die Aufständischen würden ihre Kräfte nun in Donezk sammeln.

Kommentare (9)

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Herr Uwe Hans

07.07.2014, 08:00 Uhr

Das Schauspiel fürs tumbe Volk ....
Diesen Monat noch Blitzkrig Russlands um Ukraine zu vereinnahmen. Ist abgesprochen !

Account gelöscht!

07.07.2014, 08:51 Uhr

Gibt es Quellen? Wäre sehr interessiert, in deutschen Haupt- und Systemmedien gibt es nur noch die selektive Wahrheit.
Mit wem abgesprochen?
Neue Verschwörungstheorie, tatsächlich arbeiten Obama und Putin Hand in Hand und EU ist eingeweiht?
Mal Butter bei die Fisch!

Account gelöscht!

07.07.2014, 10:13 Uhr

Dieser Staat Ukraine ist total Pleite und vor allem wirtschaftlich mausetot und ohne Zukunft. Die wirtschaftlichen Beziehungen der Ukraine zu Russland, vor allem der industrialisierten Ostukraine, lösen sich gerade in Luft auf. Der Westen kann die Ukraine nur als Konsumenten integrieren, zumal der industrialisierte Osten gerade flächendeckend zerstört wird und die Menschen traumatisiert werden. Sehr gut möglich das sich der Osten, bei einer Zerstörung der Großstädte, weit gehend hauptsächlich in Richtung Russland entvölkert. Humankapital der wichtigsten Region innerhalb der Ukraine wird nach einem blutig erkämpften Sieg durch Kiew mit den Füßen abstimmen und sowieso von der “rechten“ Nationalgarde vertrieben werden. Wer will schon diskriminiert im Elend und Trümmern und ohne Chancen auf Besserung dahin vegetieren?! Es ist doch billigste Propaganda, nach dem Sieg hätte Kiew und ihre Nationalgarde als Besatzer wieder alle Ukrainer lieb.

Produkte aus der Ukraine hatten noch nie eine Chance im Westen, dies zu ändern würde hunderte Mrd. Euro Investitionen kosten, macht aber keiner in so einem korrupten und instabilen Land. Wie kommen diese Herrschaften“ in Kiew auf die Idee sie könnten noch Monate einen Bürgerkrieg durchhalten?

Wer finanziert dieses Desaster Ukraine auf Dauer?!!!
Macht euch einen “Kopf“, denn IHR werdet es sein!

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