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15.01.2015

19:20 Uhr

Keine Wertegemeinschaft

Merkel gibt Russland keine Chance auf G7-Teilnahme

Russland wird wohl auch in diesem Jahr nicht zum Treffen der wichtigsten westlichen Industrienationen eingeladen. Angela Merkel begründete den Ausschluss vom G7-Treffen mit Verstößen gegen gemeinsame Werte.

Verteidigte ihre Haltung, an den EU-Sanktionen gegen Russland festzuhalten: Bundeskanzlerin Angela Merkel. ap

Verteidigte ihre Haltung, an den EU-Sanktionen gegen Russland festzuhalten: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

BerlinRussland hat nach Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel keine Aussicht, am G7-Treffen in Deutschland teilzunehmen. „Das sehe ich im Augenblick nicht“, sagte Merkel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagausgabe) auf die Frage, ob Russland noch eine Chance habe, zu dem Treffen im bayerischen Elmau im Juni eingeladen zu werden.

„G7 und früher G8 haben sich immer als Wertegemeinschaft gesehen“, sagte die Kanzlerin. Die Annexion der Krim und das Geschehen in der Ostukraine seien schwerwiegende Verstöße gegen die gemeinsamen Werte. Deutschland hat derzeit die G7-Präsidentschaft inne. Russland wurde im vergangenen Jahr ebenfalls nicht mehr zum Treffen der wichtigsten westlichen Industrienationen eingeladen.

Zugleich verteidigte Merkel ihre Haltung, an den EU-Sanktionen festzuhalten. Sie müssen ab März verlängert werden. „Die wirtschaftliche Destabilisierung Russlands ist nicht in unserem Interesse. Sie ist auch nicht unser Ziel“, betonte sie. Russland habe es aber selbst in der Hand, die Sanktionen überflüssig zu machen. Diese könnten erst aufgehoben werden, wenn die Gründe für ihre Verhängung überflüssig würden. Die EU und die USA werfen Russland vor, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.

Deutschlands Handel mit Russland

Deutschland und Russland...

...sind wirtschaftlich eng verwoben. Daimler ist am russischen Lkw-Hersteller Kamaz beteiligt, die BASF-Tochter Wintershall arbeitet eng mit Gazprom zusammen, Siemens unterhält eine Partnerschaft mit der Russischen Staatsbahn RZD.

76,5 Milliarden Euro

2013 tauschten beide Länder Güter im Wert von rund 76,5 Milliarden Euro aus. Dabei überstiegen die Importe aus Russland die Exporte.

Erdöl und Erdgas...

...machten drei Viertel der Importe aus Russland aus, die sich insgesamt auf 40,4 Milliarden Euro beliefen.

Im Gegenzug...

...lieferte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro nach Russland.

Autos, Maschinen und Chemie

An der Spitze standen die Maschinenbauer (8,1 Milliarden Euro), die Autoindustrie (7,6 Milliarden Euro) und die Chemiebranche (3,2 Milliarden Euro).

Deutschland...

...liegt hinter China auf Rang zwei der Lieferländer Russlands.

Russland hingegen...

...ist der elftwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Exportwirtschaft.

Merkel sagte, das Selbstbestimmungsrecht der Länder und Völker sei ein hohes Gut des Völkerrechts, das man verteidigen müsse. „Gerade den Stimmen in der deutschen Wirtschaft, die zweifeln, ob es richtig ist, Sanktionen zu verhängen, kann ich immer wieder nur sagen, dass auch wirtschaftlicher Erfolg abhängig ist von verlässlichen politischen Rahmenbedingungen“, mahnte Merkel. Deshalb sei es auch im Interesse der deutschen Wirtschaft, wenn die EU auf die territoriale Integrität der Ukraine poche.

Von

rtr

Kommentare (15)

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Herr C. Falk

15.01.2015, 19:49 Uhr

Frau Merkel ist nichts andres als ein Anhängsel an die US-amerikanischen und angelsächsischen geostrategischen Interessen. Kontinentaleuropa und dessen Interessen bewegt sie wenig.

Wer sich über die Hintergründe der Rolle von Frau Merkel informieren will, wird bei Willy Wimmer, Staatsekretär der Verteidigung im Kabinet Kohl/Genscher fündig.

Es ist keine "ehrenvolle" Rolle, die Frau Merkel spielt.

Herr A. Pf.

15.01.2015, 20:32 Uhr

Es ist bemerkenswert positiv, dass Frau Merkel trotz manchen Gegenwindes konsequent bleibt und an westlichen demokratischen Werten festhält - Werte, für die Russland m.E. derzeit nicht stehen kann.

Ich will nicht, dass man den Dialog mit Russland einstellt. Aber erst einmal muss Russland m.E. seine Aggressionen in der Ostukraine (mit ständiger Versorgung und Unterstützung der dortigen russischen Kämpfer / "Urlauber") unterlassen. Dann könnte man m.E. wieder über erste Schritte der Zusammenarbeit und eine Reduktion der Sanktionen nachdenken. Wobei ich eigentlich - ebenfalls aus Gründen demokratischer Werte - dagegen bin, dass man die russische Besetzung der Krim zulässt / "durchgehen" lässt, aber keine Ahnung, wie man das wieder rückgängig machen könnte (Hauptsache nicht mit einem Krieg!!!!).

Sven NSA Euro

15.01.2015, 20:54 Uhr

Frau Merkel, wird Rußland Ihnen noch eine Chance geben? Ich glaube nicht daran und das wird für Deutschland bitter.
Toleranz!

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