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31.03.2011

18:40 Uhr

Keine Zulassung

US-Ratings droht in Europa das Aus

VonRuth Berschens

ExklusivEuropa will künftig auf US-Ratings für europäische Wertpapiere verzichten. Für alle Bonitätsnoten sollen EU-weit schärfere Regeln gelten. Das könnte weitreichende Folgen für die europäischen Banken haben.

Die US-Ratingagentur Standard and Poor's wehrt sich gegen Vorwürfe aus Europa. Quelle: dpa

Die US-Ratingagentur Standard and Poor's wehrt sich gegen Vorwürfe aus Europa.

BrüsselDie EU will in den USA hergestellte Bonitätsnoten für Wertpapiere in Europa nicht mehr zulassen. Alle Ratings müssten von vergleichbarer Qualität sein, und dies sei bei Ratings aus den USA und anderen Drittstaaten nicht garantiert, hieß es in EU-Kommissionskreisen.

Ein Verbot der US-Ratings hätte für die europäischen Banken weitreichende Folgen. Sie müssten für Finanzprodukte aus den USA, für die es kein europäisches Rating gibt, mehr Eigenkapital hinterlegen als bisher Rechtsgrundlage für das scharfe Vorgehen gegen US-Ratings ist eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2009. Sie zwingt die europäischen Ratingagenturen dazu, eine Lizenz zu beantragen, ihre Bewertungskriterien offenzulegen und Interessenskonflikte zu beseitigen. Für Ratings aus Drittstaaten gilt die Verordnung erst ab dem 7. Juni. Dann will die EU Bonitätsnoten nur aus jenen Herkunftsländern akzeptieren, die vergleichbar strikte Vorschriften für Ratingagenturen erlassen haben wie die EU. Entsprechende Ausführungsbestimmungen bereitet die neue EU-Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA derzeit in Absprache mit der EU-Kommission vor.

Nach Auffassung der EU-Kommission ist der US-amerikanische Rechtsrahmen für Ratingagenturen nicht mit dem EU-Rechtsrahmen vergleichbar. Das gilt auch für die gesetzlichen Regelungen der großen Schwellenländer wie China, Indien, Russland und Brasilien. In diesen Ländern erstellte Ratings wären also in Europa nicht mehr verwendbar. Die EU-Kommission hofft offenbar, dass die drei großen angelsächsischen Rating-Agenturen Standard & Poors, Moody's und Fitch Personal nach Europa verlagern, um die Ratings künftig hier anzufertigen. Fitch hat dieses Ansinnen aber bereits ausdrücklich zurückgewiesen.

Kommentare (20)

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Schnutzelpuh

31.03.2011, 19:21 Uhr

Das ist doch mal eine gute Nachricht. Ich fürchte nur, dass es sich nicht durchsetzen wird.

Stefan-L-Eichner

31.03.2011, 19:26 Uhr

Man stelle sich einmal vor, es gebe im Ratingsektor ein enges, von europäischen Ratingagenturen dominiertes Oligopol und diese würden seit Monaten die Bonität der US-Bundesstaaten immer wieder herabstufen, obwohl Washington alles unternähme, um die klammen Bundesstaaten zu stützen und für ihre Zahlungsfähigkeit zu garantieren.

Wie würden wohl die amerikanischen Politiker reagieren? Was würden sie tun?

Ich glaube, sie hätten es gar nicht erst so weit kommen lassen. Sie hätten dies schon in einem frühen Stadium gestoppt – notfalls per gesetzlicher Verfügung. Sie hätten gewiss nicht laufend neue Rettungsmaßnahmen in Milliardenhöhe beschlossen, um die europäischen Ratingagenturen milde zu stimmen.

Es war seit der Griechenlandkrise Anfang 2010 klar, was für ein Spiel „die Finanzmärkte“ und US-Ratingagenturen treiben – spätestens seit dem mysteriösen kurzzeitigen Crash der New Yorker Börsen Anfang Mai 2010. Es war spätestens mit der Irlandkrise klar, dass es immer so weiter gehen wird – bis am Ende auch die wirtschaftlich soliden Staaten an der Grenze ihrer finanziellen Belastbarkeit angelangt sind (siehe: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/irland-krise-regierungen-bleiben-eine.html).

Die EU sollte nicht mehr drohen. Sie muss endlich handeln.

Kronecker

31.03.2011, 19:38 Uhr

US-Ratings sind Informationen wie andere Informationen auch. Davon gibt es beliebig viele. Offenbar hat die EU-Kommission eine Scheiss-Angst davor, ihre Bürger wären zu dumm, diese einzuordnen. Was kommt wohl danach? Schließung des Internets für Europa? Rating-Informationen und andere Informationen nur noch aus Brüssel.

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