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23.02.2013

09:05 Uhr

Kenia

„Es wird Krieg geben“

In Kenia stehen Wahlen an: Politisch ist die Abstimmung eher uninteressant. Aber die Angst vor Unruhen wächst. Ein Besuch in den Elendsvierteln der Hauptstadt zeigt: Alle hoffen auf Frieden, aber kaum einer glaubt daran.

Ein Demonstrant trägt eine Maske in Kenias Landesfarben. dapd

Ein Demonstrant trägt eine Maske in Kenias Landesfarben.

NairobiRachel Kathambi sitzt in der Neun-Quadratmeter-Hütte in Mathare und stillt ihren Sohn. Über dem Gaskocher prangt ein Poster von Uhuru Kenyatta, einem der Spitzenkandidaten bei der Präsidentenwahl Anfang März. Mit resignierter Stimme sagt die hübsche 22-Jährige: „Es wird Krieg geben.“ Wie viele andere Slum-Bewohner in Nairobi erinnert sie sich gut an die Bilder ihres brennenden Heimatlandes. Nach den letzten Wahlen Ende 2007 war es im Safari-Paradies fast zu einem Bürgerkrieg gekommen. Hass und Gewalt hatten Kenia an den Rand des Zusammenbruchs getrieben. Wird sich die Geschichte in wenigen Wochen wiederholen?

Um zu verstehen, worum es bei den Unruhen ging, muss man sich zu ihren Ursprüngen begeben. Alles begann in Kibera, Mathare und Dandora – den drei größten Slums von Nairobi, in denen mehrere Hunderttausend Menschen am Rande der Gesellschaft leben und in winzigen Lehmhütten mit brennend heißem Wellblechdach versuchen, ihr Dasein zu meistern. Sie haben nicht viel, aber sie haben Stolz, eine Volksgruppe, der sie angehören, und eine Stimme, wenn es darum geht, den nächsten Staatschef zu bestimmen.

Als Mwai Kibaki Ende 2007 nach einer Stichwahl zum Wahlsieger erklärt wurde, obwohl von Betrug und Schmierereien die Rede war, brach in den Slums, ebenso wie in vielen Regionen des kenianischen Rift Valleys, sprichwörtlich die Hölle los. Viele wurden angeschossen, von Machetenhieben getroffen oder vergewaltigt.

Tabitha Dorcas Akingi war eine derjenigen, die es am schlimmsten traf: Als sie in Dandora vor einer schwer bewaffneten Kikuyu-Gang davonlief, musste sie ihren dreijährigen Sohn zurücklassen. Er wurde grausam getötet – genau wie 1200 seiner Landsleute.

„Tribalism“ – also die Dutzenden Ethnien und Unter-Ethnien – stellen seit jeher das größte Problem des ostafrikanischen Landes dar. Kenyatta ist ein Kikuyu, sein wichtigster Kontrahent Raila Odinga ein Luo. Will heißen: Die Kikuyu im Land geben ihre Stimme Kenyatta, die Luo wählen Odinga.

Die anderen, die Kalenjin, die Kamba, die Luhya, schauen auf die Kandidaten, die Vizepräsident werden wollen, oder nehmen bei ihrer Entscheidung historische Bündnisse zu Hilfe. Wahlkampf mit politischen Inhalten ist da kaum zu betreiben. Deshalb verwundert es nicht, dass die Anwärter in einer kürzlichen TV-Debatte unisono von einem „Kenya Unite“ schwärmten, einem vereinten Kenia.

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