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30.01.2015

17:01 Uhr

Kernkraft und Entsorgung

Schweiz will Atommüll an deutscher Grenze lagern

VonHolger Alich

Grenzstreit um radioaktiven Abfall: Nahe deutschem Gebiet will die Schweiz künftig ihren Atommüll endlagern. Nur noch zwei grenznahe Orte sind im Rennen bei der Standortsuche. Auf deutscher Seite formiert sich Protest.

Gelbe Fässer für Atommüll: Die Berichte und Analysen, auf welche die Schweizer Atombehörde Nagra ihren Entscheid stützt, werden nun den Bundesbehörden zur Überprüfung und den Standortkantonen zur Stellungnahme unterbreitet. dpa

Atom-Endlager

Gelbe Fässer für Atommüll: Die Berichte und Analysen, auf welche die Schweizer Atombehörde Nagra ihren Entscheid stützt, werden nun den Bundesbehörden zur Überprüfung und den Standortkantonen zur Stellungnahme unterbreitet.

ZürichFreitag hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) ihren lang erwarteten Entscheid bekannt gegeben: Als Standort für das Schweizer Endlager für Atommüll kommen noch zwei Standorte in Frage.

Das sind Zürich Ost (bei der Gemeinde Benken, etwa 90 Kilometer südlich von Konstanz sowie Jura Ost Nahe Bözberg, etwa 50 Kilometer östlich von Lörrach. Vier weitere Gebiete wurden bei der Standort-Suche nun ausgeschlossen.

Die Nagra sucht seit 2011 nach einem geeigneten Ort für den Schweizer Atommüll. Beide gewählte Standorte sind nach Ansicht der Nagra geeignet, sowohl schwach- bis mittelradioaktive Abfälle als auch hochradioaktiven Atommüll zu lagern.

Der Fahrplan zum Atommüll-Endlager

2014 bis Mitte 2016:

Eine 33-köpfige Kommission mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet mit Expertenanhörungen die Grundlagen der Suche. Danach muss das Endlagersuchgesetz eventuell noch einmal modifiziert werden.

2015/2016:

Um nicht weitere Fakten für ein Endlager in Gorleben (Niedersachsen) zu schaffen, sollen keine Atommülltransporte mehr in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager gehen. Sie müssen in andere Zwischenlager in Deutschland gebracht werden.

Ab 2016:

Zunächst werden bundesweit alle ungeeigneten Regionen ausgesiebt. Regionen mit guten Gesteinsformationen werden ausgewählt und mehrere Standorte erkundet, auch mittels Probebohrungen.

Bis 2023:

Am Ende sollen die besten Standorte aufwendig unter Tage erkundet werden. Welche Standorte ausgewählt werden, soll mit einem weiteren Bundesgesetz beschlossen werden. Die Kosten pro Erkundung werden mit einer halben Milliarde Euro pro Standort veranschlagt.

2031

Bundestag und Bundesrat sollen endgültig über den Standort entscheiden, der Klageweg soll nicht eröffnet werden. Die Kosten der Endlagersuche werden mindestens zwei Milliarden Euro betragen.

„Die Aussicht, vielleicht eines Tages in Grenznähe ein atomares Endlager der Schweiz zu haben, ist keine, nach der sich irgendwer sehnt“, erklärte ein Sprecher des Umweltministeriums von Baden-Württemberg. „Für die Akzeptanz des Verfahrens ist es wichtig, dass die Auswahl der jetzt von der Nagra vorgeschlagenen Standortgebiete Jura Ost und Zürich Nordost ausschließlich unter Sicherheitsaspekten erfolgt ist.“

Der Sprecher betonte, dass mit dem Vorentscheid der Nagra noch kein definitiver Beschluss zum Bau eines Endlagers erfolgt sei. „Vor allem bei der dem Bundesratsentscheid vorlaufenden dreimonatigen öffentlichen Anhörung in 2016 erwarten wir, dass den deutschen und Schweizer Beiträgen in gleichem Maße Rechnung getragen wird“, hieß es.

Kommentare (6)

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Herr x y

30.01.2015, 17:13 Uhr

"Abstimmen darf nur das Schweizer Volk". Wer denn sonst?

Herr wulff baer

30.01.2015, 17:17 Uhr

Ist doch kein Problem.

Herr wulff baer

30.01.2015, 17:18 Uhr

Dann legen wir unsere Tonnagen ebenfalls an die schweizer Grenze.

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