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04.04.2014

14:38 Uhr

Kerry hat Zweifel

USA wollen Nahost-Vermittlerrolle überprüfen

Israel und die Palästinenser verhandeln seit acht Monaten über einen dauerhaften Frieden. US-Außenminister Kerry hatte die Gespräche angestoßen und am Laufen gehalten. Nun hat aber auch er offenbar ernsthafte Zweifel.

US-Außenminister John Kerry bedauert die Schritte, die Israel und die Palästinenser in den vergangenen Tagen unternommen haben. ap

US-Außenminister John Kerry bedauert die Schritte, die Israel und die Palästinenser in den vergangenen Tagen unternommen haben.

RabatNach den diplomatischen Eklats zwischen Israel und den Palästinensern in den vergangenen Tagen stellen die USA ihre Vermittlerrolle im Nahost-Friedensprozess auf den Prüfstand. Man werde „sehr genau evaluieren, wie es steht und wie es möglicherweise weitergehen könnte“, sagte Außenminister John Kerry am Freitag in Rabat. Es sei bedauerlich, dass beide Seiten in den vergangenen Tagen Schritte unternommen hätten, die für den Friedensprozess nicht hilfreich seien.

Das US-Engagement für den Verhandlungsprozess sei nicht unbefristet, fügte Kerry hinzu. Es sei Zeit, ihn an der Wirklichkeit zu messen. Der US-Chefdiplomat will am (heutigen) Freitag nach einem längeren Aufenthalt in Europa und Abstechern in den Nahen Osten nach Washington zurückkehren.

Israels Offensiven im Gazastreifen

23. Juli 2002

Bei einem israelischen Raketenangriff werden in Gaza der militante Palästinenserführer Scheich Salah Schehada und 14 weitere Menschen getötet, darunter neun Kinder. Nach israelischen Angaben war er Drahtzieher mehrerer Terroranschläge.

6. März 2003

Mit einem Panzervorstoß gegen das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen reagiert Israel auf einen Terroranschlag in Haifa.

28. August 2003

Israelische Kampfhubschrauber feuern in Chan Junis im südlichen Gazastreifen Raketen ab. Dabei wird Hamdi Kadach getötet, der für den Mörserbeschuss israelischer Siedlungen verantwortlich gewesen sein soll.

20. Oktober 2003

Bei israelischen Luftangriffen werden mindestens 13 Palästinenser getötet. Einer der Getöteten, Chaled Masri, wird als ein führender Waffenbeschaffer der Hamas bezeichnet.

22. März 2004

Scheich Ahmed Jassin, Gründer und geistlicher Führer der Hamas, wird in Gaza von einer israelischen Rakete getötet.

17. April 2004

Jassins Nachfolger Abdel Asis Rantisi stirbt in Gaza bei einem israelische Luftangriff.

21. Oktober 2004

Adnan el Rul, ranghoher Führer des bewaffneten Arms der Hamas, wird bei einem israelischen Raketenangriff auf sein Auto in Gaza getötet.

28. Juni 2006

Die israelische Armee rückt zur Befreiung des am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.

1. November 2006

Die Armee tötet bei Kämpfen von Bodentruppen in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen mindestens 34 Palästinenser.

5. Juli 2007

Israels Armee stößt mit Panzern auf Flüchtlingslager im zentralen Gazastreifen vor, mindestens elf Palästinenser sterben.

1. März 2008

Israel startet die Operation „Heißer Winter“. Bei den Kämpfen mit Bodentruppen sterben über 100 Menschen.

27. Dezember 2008

Israel beginnt mit Luftangriffen auf Hamas- Einrichtungen im Gazastreifen, wenige Tage später beginnt die Bodenoffensive „Gegossenes Blei“. Bis am 18. Januar eine Waffenruhe in Kraft tritt sterben nach palästinensischen Quellen mindestens 1310 Palästinenser, die Israelis melden 13 Tote.

9. April 2011

Drei Hamas-Kommandeure werden in Rafah bei einem israelischen Angriff von Raketen eines Kampfflugzeugs getötet.

9. März 2012

Das israelische Militär tötet bei zwei Luftangriffen im Gazastreifen insgesamt fünf Palästinenser, darunter den Kommandeur der militanten Palästinenserorganisation Volkswiderstandskomitee, Zuher al Kesi.

Israel und die Palästinenser verhandeln seit acht Monaten über die Gründung eines Palästinenser-Staats und einen dauerhaften Frieden. Kerry hatte die Verhandlungen angestoßen und war unzählige Male in den Nahen Osten gereist, um ihn am Laufen zu halten. Fortschritte waren jedoch auch kurz vor Ablauf einer selbst gesetzten Frist Ende April kaum zu erkennen.

In den vergangenen Tagen kam es dann zu Affronts beider Seiten: So vertagte Israel die versprochene Freilassung palästinensischer Häftlinge, die Palästinenser rückten von ihrer Zusage ab, ihre Anerkennung bei UN-Organisationen vorerst nicht weiter zu betreiben. Ein Kompromissvorstoß der USA blieb ohne Erfolg.

Von

ap

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