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08.11.2013

04:18 Uhr

Kerry trifft Irans Außenminister

Atomgespräche stehen kurz vor dem Durchbruch

Die Hoffnung auf eine Einigung bei den Atomgesprächen nimmt zu: John Kerry reist für ein Treffen mit Irans Außenminister überraschend nach Genf. US-Medien spekulieren bereits über einen Durchbruch am Freitag.

Hoffnung auf den Durchbruch: US-Außenminister Kerry reist für Gespräche mit dem Iran nach Genf. Reuters

Hoffnung auf den Durchbruch: US-Außenminister Kerry reist für Gespräche mit dem Iran nach Genf.

WashingtonBei den Atomgesprächen mit dem Iran deutet sich nach jahrelangem Stillstand möglicherweise ein erster Durchbruch an. US-Außenminister John Kerry will nach Informationen des TV-Senders NBC am Freitag überraschend nach Genf reisen und dort den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif treffen.

Er komme auf Einladung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton nach Genf, die die Gespräche zwischen dem Iran sowie den fünf UN-Vetomächten und Deutschland koordiniere, hieß es im US-Außenministerium. Zuvor war aus diplomatischen Kreisen verlautet, Kerry könnte nach Genf reisen, wenn eine Vereinbarung mit dem Iran in Reichweite sei. US-Präsident Barack Obama stellte dem Iran eine moderate Lockerung der Sanktionen in Aussicht, wenn die Verhandlungen zu konkreten Schritten zur Beilegung des Atomstreits führten

Sollte die Islamische Republik mit "konkreten, verifizierbaren Maßnahmen" auf die Bedenken der internationalen Gemeinschaft eingehen, würden die fünf UN-Vetomächte und Deutschland "begrenzte, gezielte und umkehrbare Erleichterungen" in Betracht ziehen, die aber nicht den Kern der "Sanktionsarchitektur" beträfen, sagte Obamas Sprecher in Washington. Er betonte aber auch, dass die "moderaten" Sanktionserleichterungen zurückgenommen und stattdessen schärfere Strafmaßnahmen erlassen werden würden, sollte der Iran keine Fortschritte bei seinem Atomprogramm nachweisen.

Der Iran bewertete den Verlauf der Gespräche vorsichtig optimistisch. Bislang liefen die Gespräche gut, sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. "Wir machen Fortschritte, aber es ist hart." Aus der EU-Delegation verlautete am Abend in Genf, dass beide Seiten Fortschritte erzielt hätten. Die EU-Außenbeauftragte Ashton werde am Freitag den iranischen Außenminister zum Gespräch treffen, um über Details einer möglichen Einigung zu beraten.

Seit dem Amtsantritt des als gemäßigt geltenden iranischen Präsidenten Hassan Ruhani im Sommer hat es eine Reihe von Annäherungssignalen zwischen dem Westen und dem Iran gegeben. Allerdings gibt es in Kernfragen bislang keine konkreten Hinweise auf ein Einlenken der Führung in Teheran.

Westliche Unterhändler drängen die neue Teheraner Führung zu einer Übergangslösung, um Zeit für eine friedliche Beilegung des gefährlichen Streits zu gewinnen.

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

In Genf verhandelt seit Donnerstag die sogenannten 5+1-Gruppe - bestehend aus den fünf UN-Vetomächten China, Großbritannien, Frankreich, Russland und den USA sowie Deutschland - mit dem Iran.

Nach Angaben der Zeitung „Wall Street Journal“ könnte eine erste Einigung möglicherweise bereits an diesem Freitag bekanntgegeben werden. Dies wäre ein erster Durchbruch seit Jahrzehnten. Kerry wolle dabei „dabei helfen, Differenzen bei den Verhandlungen einzugrenzen“, beichtete das Blatt aus Genf.

Beide Seiten seien bereit, einen Entwurf für eine erste Einigung auszuarbeiten, hieß es unter Berufung auf westliche und iranische Beamte. Allerdings könne das Vorhaben auch noch scheitern. Kerry war am Donnerstag noch auf Nahostreise in Israel.

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