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04.07.2016

06:28 Uhr

Kim Jong Un

Arbeiten für den Führer

Schnell wie ein geflügeltes Pferd soll sich Nordkoreas Kommandowirtschaft vorwärts bewegen. Um die Arbeiter zu motivieren, hilft Diktator Kim Jong-Un mit Kampagnen nach. Keiner wehrt sich – zumindest öffentlich.

„Haben Sie den Plan für heute schon erfüllt?“ In Nordkorea gibt es einen Motivationsplan für die Arbeiter. dpa

Kim Jong Un

„Haben Sie den Plan für heute schon erfüllt?“ In Nordkorea gibt es einen Motivationsplan für die Arbeiter.

Wonsan/NordkoreaDie knalligen roten Slogans hängen in Bussen, an Regierungsgebäuden und manchmal auch in Restaurants oder an Tankstellen. „Haben Sie den Plan für heute schon erfüllt?“ fragt eines der Plakate. Es ruft die Nordkoreaner dazu auf, härter und produktiver zu arbeiten, um ihr Land nach vorne zu bringen.

Die Regierung will mit einer 200-tägigen Kampagne mehr Schwung in die Wirtschaft bringen. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr spornt Präsident Kim Jong Un auf diese Weise die stotternde Wirtschaft an. Die erste währte 70 Tage und dauerte bis kurz vor dem Parteitag im Mai. Die neue begann kurz nach dem Parteikongress, dem ersten seit 36 Jahren.

Beobachter aus dem Ausland bezweifeln, dass die staatlichen Anfeuerungsversuche nachhaltig wirken. Internationale Sanktionen angesichts des nordkoreanischen Atomprogramms und wiederholter Raketentest setzen klare Grenzen. Doch gerade deshalb steht Nordkorea unter Druck, seine Wirtschaftsschwäche allein zu überwinden.

Die Geschichte der staatlichen Kampagnen zur Steigerungen der Produktivität begann bereits in den 1950er Jahren kurz nach dem Korea-Krieg. Staatsgründer Kim Il Sung, der Großvater des heutigen Präsidenten, bemühte dazu den Mythos eines geflügelten Pferdes. Die Chollima-Bewegung wurde geboren: Stark und schnell wie das mythische Wesen Chollima sollte der neue Staat aufgebaut werden. Die jetzigen Aktionen laufen unter dem Mallima-Motto – unter Berufung auf ein wiederum geflügeltes Pferd, das aber noch zehn Mal schneller ist.

Wo der Kommunismus noch lebt

Kommunistische Regime der Gegenwart

Vor dem Fall der Sowjetunion gab es zahlreiche Länder mit kommunistischen Regierungen. 2016 verbleiben noch vier, oder - je nach Lesart des nordkoreanischen Regimes - fünf.

Quelle: dpa

China

Mit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichstes Land der Welt. Es hat den Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt seiner Abkehr vom kommunistischen Wirtschaftsmodell zu verdanken. Seit den 1980er Jahren verfolgt China eine Politik der Reformen und der Öffnung. Die sozialistische Marktwirtschaft funktioniert nach kapitalistischen Methoden. Die kommunistische Ideologie wird gepflegt, dient aber nur dem Erhalt der Diktatur der Kommunistischen Partei.

Vietnam

Nachbarland Chinas, etwa so groß wie Deutschland ohne Hessen, mit mehr als 3000 Kilometern Küste am Südchinesischen Meer. Rund 94 Millionen Einwohner. Ho Chi Minh gründete die Kommunistische Partei in den 1930er Jahren im Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich. Nach der Niederlage Frankreichs besiegten die Kommunisten auch das US-gestützte Regime in Südvietnam. Seit 1975 regieren sie das vereinigte Land. Seit 1986 gibt es marktwirtschaftliche Reformen.

Kuba

Gut elf Millionen Einwohner, etwa so groß wie einst die DDR. Nach der Revolution von 1959 wandte es sich Anfang der 1960er Jahre zum Kommunismus und suchte bei der Sowjetunion Schutz vor dem kapitalistischen Nachbarn USA, der zuvor großen Einfluss auf der Insel hatte. Bis 2006 regierte Revolutionsführer Fidel Castro (89). Unter Fidels jüngerem Bruder Raúl (84) versucht Kuba seit einigen Jahren mit zaghaften markwirtschaftlichen Reformen, die marode Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

Laos

Armes Nachbarland Vietnams ohne Küstenzugang, etwas kleiner als die Bundesrepublik ohne die neuen Bundesländer. Knapp sieben Millionen Einwohner. Laos war Teil des französischen Kolonialgebiets Indochina. Im Vietnamkrieg wurde es zum meist bombardierten Land der Welt. US-Bomber legten weite Teile in Schutt und Asche, weil vietnamesische Kommunisten sich im Grenzgebiet versteckten. Bis heute sind die Böden verseucht. Nach dem Ende des Vietnamkriegs marschierte Vietnam ein und installierte 1975 die kommunistische Regierung.

Nordkorea

Nachbarland Chinas, etwa ein Drittel so groß wie Deutschland, 24 Millionen Einwohner. Die UN werfen der Diktatur gröbste Menschenrechtsverletzungen vor. Nordkorea hat zwar 2009 alle Bezüge zum Kommunismus aus seiner Verfassung gestrichen. Aber die Arbeiterpartei wurde 1945 als Zweig der ehemaligen Kommunistischen Partei gegründet. An der Spitze von Staat, Partei und Armee steht der Machthaber Kim Jong Un; er „erbte“ die Machtposition von seinem Vater. Bereits sein Großvater Kim Il Sung war mit Hilfe Moskaus an die Spitze der Partei gelangt und wird als Staatsgründer verehrt.

Zumindest öffentlich wehrt sich keiner gegen das Programm. Proteste oder gar Streiks sind undenkbar. „Wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man niemanden einfach nur herumspazieren“, sagt Chang Sun Ho, Manager einer Schuhfabrik in Wonsan an der Ostküste des abgeschotteten Landes. „Alle arbeiten.“

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