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07.02.2016

20:05 Uhr

Kim Jong Un

Sicherheitsrat verurteilt Nordkoreas Raketenstart

Der Uno-Sicherheitsrat hat den neuen Raketenstart Nordkoreas scharf verurteilt. Das Gremium bereitet eine weitere Resolution gegen das kommunistische Land vor. Einen Termin für die neue Resolution gibt es noch nicht.

Der nordkoreanische Diktator hat die internationale Gemeinschaft mal wieder provoziert. dpa

Kim Jong-Un und seine Militärs

Der nordkoreanische Diktator hat die internationale Gemeinschaft mal wieder provoziert.

New York/ SeoulDas Gremium des Uno-Sicherheitsrates bereitet eine weitere Resolution gegen Nordkorea vor. Das kündigte der amtierende Vorsitzende Rafael Ramirez aus Venezuela am Sonntag nach einer Sondersitzung des Rates in New York an. Nordkorea stelle eine ernsthafte Gefahr für den internationalen Frieden dar. Ein genauer Termin für die neue Resolution stehe aber noch nicht fest, betonten mehrere Umo-Botschafter übereinstimmend.

Der Uno-Sicherheitsrat hat den neuen Raketenstart Nordkoreas scharf verurteilt. „Wir beschäftigen uns heute mit einer erneuten, unerhörten Provokation des nordkoreanischen Regimes“, sagte der französische Uno-Botschafter Francois Delattre vor Beginn der Sitzung.

Am Sonntagmorgen (Ortszeit) hatte Nordkorea eine Weltraumrakete gestartet und beteuert, dass damit ein Satellit in die Erdumlaufbahn gebracht worden sei. Die USA und verbündete Nationen befürchten jedoch, dass das Satellitenprogramm Tarnung für die Entwicklung einer Trägerrakete für Atomsprengköpfe ist.

Es gibt mehrere Uno-Resolutionen, die dem Land die Entwicklung von Atomwaffen und Trägertechnologien verbieten. Beispielsweise war nach ähnlichen Tests 2009 die Uno-Resolution 1874 verhängt worden, die mit Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea verbunden ist. Viele internationale Institutionen hatten den Raketenstart verurteilt.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Die Trägerrakete habe den „neu entwickelten Erdbeobachtungssatelliten Kwangmyongsong-4 (leuchtender Stern) erfolgreich auf seine Erdumlaufbahn gebracht“, verkündete am Sonntag die nordkoreanische Raumfahrtbehörde. Die Weltgemeinschaft sieht dies als verdeckten Test einer Langstrecken-Atomrakete, die mit Alaska sogar US-Territorium erreichen könnte. Sie wurde darin in der Erklärung der nordkoreanischen Raumfahrtbehörde bestärkt, der Start sei ein „epochales Ereignis“ für die Entwicklung der Verteidigung des Landes.

Südkorea kündigte noch am Sonntag Gespräche mit den USA über die Stationierung amerikanischer Abfangraketen des Typs THAAD in Südkorea an. China und Russland sind gegen die Aufstellung solcher US-Raketen in ihrer Nachbarschaft.

Das südkoreanische Militär schätzte die Reichweite der nordkoreanischen Trägerrakete sogar auf bis zu 13.000 Kilometer. Der südkoreanische Geheimdienst erklärte laut Yonhap, der ausgesetzte Satellit habe wohl nur 200 Kilogramm Gewicht und kaum Nutzen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Raketenstart als „verantwortungslose Provokation, die völkerrechtlich bindende Resolutionen des Sicherheitsrats missachtet“ und die regionale Sicherheit aufs Spiel setze. „Diese offene Herausforderung der Weltgemeinschaft durch Nordkorea darf nicht ohne spürbare Konsequenzen bleiben.“

Washington kritisierte den Raketenstart als „destabilisierend, provokativ und flagrante Verletzung“ zahlreicher UN-Resolutionen. Die USA, Frankreich und andere Staaten verlangten „ernste Konsequenzen“ vom Uno-Sicherheitsrat. China äußerte sein „Bedauern“ über den Raketenstart. Der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump erklärte in einer TV-Debatte: „China soll das Problem lösen.“ Japan sprach von einer Bedrohung des Weltfriedens, Russland verurteilte den Start.

Das Land hatte zuletzt Ende 2012 eine Weltraumrakete gestartet. Der Start wurde damals weltweit verurteilt. Nach dem vierten Atomtest Nordkoreas am 6. Januar dieses Jahres nahm der Uno-Sicherheitsrat bereits Diskussionen über schärfere Sanktionen gegen Pjöngjang auf.

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