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06.06.2013

17:42 Uhr

Kim Jong Un unter Druck

Nordkorea sendet Entspannungssignal an Südkorea

Beide Koreas haben sich auf die ersten direkten Gespräche seit Februar 2011 geeinigt. Das Treffen könnte den Weg für eine Entspannung ebnen. Ob es jedoch zu einem dauerhaften Dialog kommt, ist weiterhin unklar.

Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong Un scheint seine Macht ausreichend gefestigt zu haben. Nun will er Nordkoreas wirtschaftliche Abhängigkeit von China verringern. dpa

Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong Un scheint seine Macht ausreichend gefestigt zu haben. Nun will er Nordkoreas wirtschaftliche Abhängigkeit von China verringern.

SeoulDer Schritt hatte sich schon abgezeichnet, trotzdem waren Beobachter von Nordkoreas Vorschlag über offizielle Gespräche mit Südkorea überrascht. Das für die Beziehungen zum Nachbarland zuständige Komitee des stalinistischen Regimes in Pjöngjang schlug Verhandlungen über humanitäre Fragen und Wirtschaftsprojekte einschließlich der Normalisierung des Betriebs des geschlossenen gemeinsamen Industrieparks von Kaesong vor.

Die Experten sind sich einig, dass mit solchen Gesprächen der Anfang für eine deutliche Entspannung auf der koreanischen Halbinsel gemacht wäre. Ob sich daraus ein dauerhafter Dialog entwickelt, lässt sich jedoch angesichts der ungelösten Fragen, insbesondere des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm, noch nicht voraussagen.

Zunächst hatte Pjöngjang seine kriegerischen Töne der vergangenen Monate schrittweise heruntergefahren. Sowohl Nordkorea als auch die USA sprachen zudem öffentlich über Möglichkeiten eines Dialogs. Auch wollte Pjöngjang wieder mit Südkorea über die Normalisierung der Arbeit des Kaesong-Komplexes auf seinem Gebiet reden - zunächst aber eben nur mit den betroffenen südkoreanischen Fabrikbesitzern. Jetzt ging es überraschend auf den Vorschlag Seouls über Regierungsgespräche ein.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Beobachter sehen ein bekanntes Muster Nordkoreas, nach der Verschärfung von Spannungen wieder Entspannungssignale auszusenden. Als ein Teil seiner jüngsten „Friedensoffensive“ sieht etwa der Experte Cheong Seong Chang vom südkoreanischen Sejong-Institut den Besuch des nordkoreanischen Gesandten Choe Ryong Hae im Mai in Peking.

Zum einen steht Pjöngjang unter starkem internationalen Druck. Die Annahme des südkoreanischen Gesprächsangebots sei nicht zuletzt auf den Druck Chinas und die verschärften UN-Sanktionen wegen seines Atomtests im Februar zurückzuführen, glauben Beobachter. So machte auch China deutlich, dass Nordkoreas Provokationen gegen die internationale Gemeinschaft nicht ungestraft bleiben können.

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