Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2016

14:25 Uhr

Kind stirbt in der Ägäis

Flüchtlingsstrom über Balkanroute reißt nicht ab

Trotz Schnees ziehen weiter Tausende Flüchtlinge über die Balkanroute gen Österreich und Deutschland. Und der Zustrom aus der Türkei reißt nicht ab - obwohl die Ägäis-Überfahrt nun immer gefährlicher wird.

Trotz eisiger Temperaturen, die Balkanroute wird stark frequentiert. Offizielle zählten am 29- Dezember 2015 rund 1500 Flüchtlinge während weniger Morgenstunden. dpa

Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan im Grenzgebiet zwischen Serbien und Mazedonien.

Trotz eisiger Temperaturen, die Balkanroute wird stark frequentiert. Offizielle zählten am 29- Dezember 2015 rund 1500 Flüchtlinge während weniger Morgenstunden.

Athen/ZagrebDas Flüchtlingselend nimmt kein Ende: Ein zweijähriger Junge aus Syrien ist am Samstag bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen. Es sei der erste Flüchtling, der im neuen Jahr in der Ägäis gestorben sei, teilte die griechische Küstenwache mit. Ein anderes Flüchtlingsboot kenterte bei der gefährlichen Überfahrt aus der Türkei vor der griechischen Insel Chios. Die 56 Insassen konnten aus den eisigen Fluten gerettet werden, wie der Staatsrundfunk am Sonntag meldete. Und auch auf einer kleinen Insel vor der Türkei strandeten Flüchtlinge.

Auf der Balkanroute sind weiter Tausende Flüchtlinge in Richtung Österreich und Deutschland unterwegs - trotz des Wintereinbruchs mit bis zu 20 Zentimetern Schnee und Minusgraden.

Allein in den ersten Stunden des Sonntags seien rund 2800 Migranten in Kroatien gezählt worden, teilte das Innenministerium in Zagreb mit. Am Vortag seien es knapp 1900, am ersten Tag des neuen Jahres etwa 3000 gewesen.

Auch weiter südlich kamen täglich aus der Türkei mehr als 4000 Flüchtlinge auf die vorgelagerten griechischen Inseln, wie der für Migration zuständige griechische Vizeminister Ioannis Mouzalas der Zeitung „Eleftheros Typos“ (Samstag) sagte.

Neben den vor allem aus Syrien kommenden Kriegsflüchtlingen registrierten die Behörden nun immer mehr Migranten aus Nordafrika: „Wir haben ein neues Phänomen: Marokkaner und Algerier (...) kommen in großen Zahlen“, berichtete der Minister.

Die Überfahrt aus der Türkei nach Griechenland wird inzwischen immer gefährlicher. In der Region wehen starke Winde. Die Flucht per Boot über die Ägäis sei deswegen „äußerst gefährlich“, sagte ein Offizier der griechischen Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur.

Flüchtlingsstrom: 2015 kamen fast 1,1 Millionen Migranten nach Deutschland

Flüchtlingsstrom

2015 kamen fast 1,1 Millionen Migranten nach Deutschland

Das ablaufende Jahr steht im Zeichen der Flüchtlingskrise. Der Wille vieler Migranten, Europa zu erreichen, ist trotz schwerer Bedingungen ungebrochen. Allein in Deutschland sind knapp 1,1 Millionen Menschen angekommen.

Der zweijährige Junge aus Syrien, der am Samstag umkam, war von Helfern der privaten maltesischen Initiative MOAS entdeckt worden. Das Schlauchboot mit dem Kind, seiner Mutter und mehreren Dutzend anderen Migranten sei nahe der kleinen griechischen Insel Agathonisi gegen einen Felsen geprallt. An Silvester hatte die griechische Küstenwache die Leichen von zwei Migranten in der Ägäis entdeckt.

Die türkische Küstenwache rettete 57 Flüchtlinge, die bei der versuchten Überfahrt über die Ägäis auf einer unweit der griechischen Insel Lesbos liegenden kleinen Insel vor dem türkischen Küstenort Dikili strandeten. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag. Zwölf der Insassen seien mit dem Hubschrauber ausgeflogen worden, darunter drei Kinder. Die übrigen Flüchtlinge seien mit Fischerbooten an das türkische Festland gebracht worden, weil größere Schiffe wegen des felsigen Ufers nicht anlegen konnten.

Flüchtlinge und Grenzen: Zäune helfen Schleppern

Flüchtlinge und Grenzen

Zäune helfen Schleppern

Je mehr Europa die Grenzen schützt, desto stärker sind Flüchtlinge auf Schlepper angewiesen, sagt Experte Gerald Tatzgern. Was der leitende Mitarbeiter im österreichischen Bundeskriminalamt rät, um Schlepper zu stoppen.

Die Türkei hatte der Europäischen Union zugesichert, die Seegrenzen besser zu schützen. Dennoch setzen fast täglich Flüchtlinge von der türkischen Küste nach Griechenland über.

Kritik, Griechenland könne seine Grenzen nicht kontrollieren, wies Griechenlands Vizeminister Mouzalas zurück. „Landesgrenzen kann man wunderbar kontrollieren. Im Meer, wenn ein Boot sinkt, hat man keine andere Wahl, als die Menschen zu retten“, sagte Mouzalas der Zeitung „Eleftheros Typos“.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR kamen im vergangenen Jahr insgesamt 851.319 Menschen über die Ägäis nach Europa. 28 Prozent davon seien Kinder gewesen. Allein im Dezember kamen demnach mehr als 103.000 Menschen - fast genauso viele wie im August (107.843).

Auch in den Nachbarländern Syriens ist die Lage der Flüchtlinge prekär. Im Libanon etwa, wo weit mehr als eine Million Flüchtlinge leben, schneit es inzwischen. Zum Teil sind die Flüchtlinge dort in provisorischen Zeltstädten untergebracht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×