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08.03.2013

14:21 Uhr

Kinderhilfswerk

Mehr als 500.000 syrische Kinder auf der Flucht

Der Bürgerkrieg in Syrien hat eine halbe Million Kinder zu Flüchtlingen gemacht. Nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef könnte die Zahl in den nächsten Monaten nochmals deutlich steigen.

Der Bürgerkrieg in Syrien hat 500.000 Kinder zu Flüchtlingen gemacht. dpa

Der Bürgerkrieg in Syrien hat 500.000 Kinder zu Flüchtlingen gemacht.

BerlinDer Bürgerkrieg in Syrien hat nach Angaben der Vereinten Nationen schon mehr als eine halbe Million Kinder in die Flucht getrieben. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte am Freitag in Berlin davor, dass die Zahl in den nächsten Monaten nochmals dramatisch steigt. „Wir fürchten, dass es noch schlimmer wird, bevor es besser werden kann“, sagte der Nothilfe-Beauftragte Ted Chaiban. Auch in Syrien selbst werde die Not für Kinder immer größer.

Insgesamt wurden in annähernd zwei Jahren Konflikt schon mehr als eine Million Syrer aus ihrer Heimat vertrieben. Besonders betroffen vom Flüchtlingszustrom sind Nachbarländer wie Jordanien, Libanon, die Türkei und der Irak. Ursprünglich hatten die Vereinten Nationen erwartet, dass die Schwelle von einer Million Flüchtlingen erst im Sommer überschritten wird. An neuen Prognosen wird derzeit gearbeitet.

Regionale Player im Syrien-Konflikt

Israel

Ein Einsatz syrischer Massenvernichtungswaffen ist ein Alptraum für Israel, das dem Konflikt bisher eher als Beobachter beiwohnte. Jetzt warnt Jerusalem laut davor, dass Assads Chemie- und Flugabwehrwaffen in die Hände der Hisbollah oder Al-Kaidas fallen könnten. Positiv wäre für Israel, dass sein Erzfeind Iran mit Assad seinen wichtigsten Stützpfeiler in der Region verlieren würde. Mit Assad könnte Israel allerdings auch einen Nachbarn verlieren, der für weitgehende Ruhe an der gemeinsamen Grenze gesorgt hat.

Saudi Arabien und Katar

Die sunnitischen Herrscher vom Golf unterstützen in Syrien - wie schon zuvor in Libyen - die islamisch-konservativen Kräfte. Und versuchen, einen Verbündeten ihres Erzfeindes Iran zu schwächen. Daheim können sie sich so als Unterstützer der Revolution präsentieren, ohne Protesten Vorschub zu leisten. Damaskus will in Saudi-Arabien und Katar die Urheber des „Komplotts“ gegen sich identifiziert haben.

Türkei

Das Nato-Mitglied ist seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Weiter verschärft wurde das Verhältnis Ende Juni durch den Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vor der syrischen Küste. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem syrischen Volk daraufhin Unterstützung bis zur Befreiung von „Diktator“ Assad zu, bei weiteren Zwischenfällen werde sein Land mit Gewalt zurückschlagen. Ein Teil des Nachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

Libanon

Das westliche Nachbarland Syriens ist zerrissen - eine gefährliche Lage. Die Sunniten im Libanon stehen mehrheitlich auf der Seite der syrischen Opposition, die zum Großteil ebenfalls aus Sunniten besteht. Über die Grenze werden auch Waffen geliefert. Die schiitische Hisbollah-Miliz hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet. Die Waffen, mit denen sie ihre Herrschaft sichert, kommen aus Damaskus. Seit einigen Wochen gibt es im Libanon Auseinandersetzungen zwischen pro- und anti-syrischen Gruppierungen, dabei gab es auch Tote.

Iran

Aus iranischer Sicht darf das syrische Regime keinesfalls fallen. Im Frühjahr erklärte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, er kenne keine Grenzen bei seiner Unterstützung für Präsident Assad. Angeblich schickte Teheran Militärberater und Kämpfer. Ohne Assads Regime würde es für den Iran schwerer, die eigene anti-israelische Ideologie zu verbreiten. Auch die pro-iranischen Milizen, besonders die Hisbollah in Libanon, würden geschwächt. Zuletzt bestätigte der Iran Gespräche mit Regimegegnern in Syrien und brachte sich als Vermittler ins Gespräch.

Al-Kaida

Das Terrornetzwerk Al-Kaida versucht einmal mehr, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die Terroristen wollen sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Tohuwabohu für ihre Zwecke nutzen.

Unicef verwies darauf, dass immer mehr Kinder von ihren verzweifelten Eltern auch allein über die Grenze geschickt würden. In Syrien selbst bereite große Sorgen, dass die Wasserversorgung vielerorts nicht mehr funktioniere. Von Folgekrankheiten wie Durchfall oder Gelbsucht seien Kinder besonders bedroht.

Das Kinderhilfswerk benötigt nach eigenen Angaben bis zum Sommer etwa 150 Millionen Euro für Soforthilfe. Finanziert seien bislang lediglich 30 Millionen. „Die humanitäre Hilfe muss dringend ausgeweitet werden“, sagte Unicef-Geschäftsführer Christian Schneider. „Wir können diesen Konflikt mit unserer Hilfe nicht lösen. Aber ohne diese Hilfe wäre das Leben für all diese Flüchtlinge noch viel schlimmer als es ohnehin schon ist.“

Von

dpa

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