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05.08.2013

07:27 Uhr

Kinderschänder-Skandal

König von Marokko widerruft Begnadigung

Die Begnadigung eines Pädophilen hat in Marokko eine Welle der Empörung ausgelöst. Der König ruderte notgedrungen zurück. Auch in Spanien müssen sich König und Regierung nun auf äußerst unbequeme Fragen einstellen.

König Mohammed VI. von Marokko, hier ein Foto von 2010. dpa

König Mohammed VI. von Marokko, hier ein Foto von 2010.

Rabat„Das ist eine Schande, die Kinder des Volkes sind in Gefahr!“, schrien die Demonstranten, bevor sie von Stoßtrupps der marokkanischen Polizei niedergeknüppelt und auseinandergetrieben wurden. Die Kundgebung vor dem Parlament in Rabat lösten die Beamten zwar ebenso schnell wie brutal auf, die Wut über die Begnadigung eines spanischen Kinderschänders durch König Mohammed VI. konnten sie aber keinesfalls eindämmen. Im Gegenteil: Die wütenden Bürger wollten aus allen Landesteilen nach Casablanca fahren und dort am Dienstag und Mittwoch mit vereinten Kräften noch lauter protestieren.

Der Monarch erkannte den Ernst der Lage und machte am Sonntagabend einen ungewöhnlichen Rückzieher: Er widerrief seinen Erlass. Ob sich die Empörten dadurch beschwichtigen lassen ist fraglich. Denn der am Mittwoch aufgrund des Erlasses freigelassene Pädophile ist inzwischen über alle Berge, wohl in seiner spanischen Heimat.

Marokko war in den vergangenen Tagen inmitten des Ramadans von einer ungewöhnlichen Welle der Empörung und des Zorns erfasst worden. „Erstmals wird bei uns eine persönliche Entscheidung des Königs in Frage gestellt“, sagte Menschenrechtsaktivist Fouad Abdelmoumni der spanischen Zeitung „El País“. Die Begnadigung sei unverantwortlich gewesen und schaffe ein großes Sicherheitsproblem für das Land, fürchtet er. Auch der Präsident des Menschenrechts-Verbandes AMDH, Ahmed Al-Haj, klagt: „Diese Maßnahme fördert die Straflosigkeit.“

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Der sexuelle Missbrauch von Kindern war in Marokko schon vor dem Fall des 2011 zu 30 Jahren Haft verurteilten und nun auf freien Fuß gesetzten 64-jährigen Daniel Fino Galván ein brisantes Thema. Die Nichtregierungsorganisation „Touche pas à mon enfant“ (Fasse mein Kind nicht an) schätzt die Zahl der jährlich im Königreich vergewaltigten Kinder auf 26 000 – 71 pro Tag also. Auf das Konto der gut organisierten Pädophilennetze – die vor allem im Jet-Set-Ambiente von Marrakesch tätig sind – geht ein beträchtlicher Teil dieser Verbrechen.

Kommentare (2)

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RumpelstilzchenA

05.08.2013, 09:45 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

kokolores

05.08.2013, 11:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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