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18.01.2014

12:41 Uhr

Kindesmissbrauch

Papst Benedikt verstieß hunderte Priester

Mit Missbrauchsvorwürfen kämpft der Vatikan seit Jahren. Jetzt wird bekannt: Unter Benedikt XVI. stieg die Zahl der verstoßenen Priester deutlich an. Allein seit 2011 wurden fast 400 Priester ihres Amtes enthoben.

Unter seiner Ägide wurde die Geheimniskrämerei ein bisschen weniger: Papst Benedikt XVI. dpa

Unter seiner Ägide wurde die Geheimniskrämerei ein bisschen weniger: Papst Benedikt XVI.

RomSeit 2001 versucht die katholische Kirche, Tausende von Vorwürfen des Kindesmissbrauchs durch ihre Priester in aller Welt in den Griff zu bekommen. Eine zentrale Rolle dabei nahm der inzwischen emeritierte Papst Benedikt XVI. ein - zunächst als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, dann als Kirchenoberhaupt ab 2005. Eine Statistik des Vatikans zeigt nun, wie im Laufe der Zeit das Vorgehen gegen Priester, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, verschärft wurde.

So wurden 2011 und 2012 fast 400 Priester wegen Kindesmissbrauchs des Amtes enthoben. Es ist die aktuellste Zahl der Priester, die wegen sexueller Verfehlungen verstoßen wurden. Das war eine erhebliche Zunahme gegenüber 2008 und 2009, als 170 Priester verstoßen wurden. Damals gab der Vatikan erstmals die Zahl der Priester bekannt, die wegen diverser Sexskandale rund um die Welt ihres Amts enthoben wurden.

Das Dokument wurde für den vatikanischen Botschafter in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, vorbereitet, der diese Woche zu den Missbrauchsvorwürfen vor dem Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen Rede und Antwort stehen musste.

Aufarbeitung : Bischöfe stoppen Missbrauchsstudie

Aufarbeitung

Bischöfe stoppen Missbrauchsstudie

Ein Forschungsprojekt sollte die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufarbeiten

Als Präfekt der Glaubenskongregation entschied Joseph Ratzinger 2001, dass die Bischöfe alle Fälle, in denen Priestern sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, an die Glaubenskongregation zu übermitteln. Die Kongregation prüft jeden Fall und gibt den Bischöfen vor, wie sie vorzugehen haben.

Erst 2005 - als Ratzinger Papst Benedikt XVI. wurde - begann die Kongregation, die Zahl der Fälle mitzuteilen, die ihr übermittelt wurden. In diesem Jahr waren es 21 kirchenrechtliche Verfahren. Über die dabei gefällten Urteile wurden keine Angaben gemacht. 2006 verdoppelte sich die Zahl der Verfahren auf 43 und acht Berufungsverfahren. Gemeldet wurden der Kongregation 362 Fälle.

2007 wurden 365 Fälle verzeichnet, wobei erneut unklar blieb, wie viele davon mit sexuellem Missbrauch zu tun hatten. In 23 Fällen wurden die Diözesen angewiesen, ein Verfahren zu eröffnen.

2008 änderte sich der Umgang des Vatikans mit den Vorwürfen völlig. Benedikt reiste in die USA und erklärte, er sei beschämt über das Ausmaß des Missbrauchs. Er könne es nicht fassen, wie Priester derart versagen könnten. Erstmals stellte der Vatikan in jenem Jahr klar, dass Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenverfahren nicht daran gehindert würden, sich an die Polizei zu wenden. Und erstmals veröffentlichte der Vatikan 2008 die Zahl der Priester, die wegen solcher Vorwürfe verstoßen wurden - es waren 68. Gleichzeitig wurden 191 neue Fälle gemeldet.

2009 stieg die Zahl der verstoßenen Priester auf 103, die Zahl der neu gemeldeten Fälle auf 223 - die große Mehrheit in Verbindung mit sexuellem Missbrauch. 2010 explodierte die Zahl der Vorwürfe mit Skandalen in Europa und anderen Teilen der Welt in die Tausende. 527 Fälle wurden der Kongregation gemeldet. Wie viele Priester des Amtes enthoben wurden blieb unbekannt. Das Verfahren für die Amtsenthebung wurde in diesem Jahr aber gestrafft.

2011 stieg die Zahl der verstoßenen Priester auf 260, gegen 419 Priester wurden in Missbrauchsverfahren Strafen unterhalb der Amtsenthebung ausgesprochen. 2012 schließlich wurden 124 Priester verstoßen.

Von

ap

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