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02.02.2014

10:06 Uhr

Kissinger, Schmidt und Giscard

Der Besuch der alten Herren

VonNils Rüdel

363 Jahre Weltpolitik auf einer Bühne: Bei der Sicherheitskonferenz trafen sich Helmut Schmidt, Egon Bahr, Henry Kissinger und Valéry Giscard d’Estaing. Die Kalten Krieger sprachen über eine neue, unübersichtliche Welt.

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt: Mit der obligatorischen Zigarette auf der 50. Sicherheitskonferenz in München. dpa

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt: Mit der obligatorischen Zigarette auf der 50. Sicherheitskonferenz in München.

MünchenEs dauerte ungefähr eine Dreiviertelstunde, bis Helmut Schmidt einen typischen Helmut-Schmidt-Moment bekam. Lange hatte er missmutig zugehört, doch jetzt musste er mal was sagen. "Mir hat die bisherige Diskussion nicht besonders gefallen", tadelte der Altkanzler, "sie beschäftigt sich zu viel mit den letzten 50 Jahren".

Gelächter im Saal, Verunsicherung beim Moderator. Die Frage war doch nur, ob Schmidt glaube, dass es die Nato in zehn Jahren noch gibt. "Das ist mir ziemlich gleichgültig", antwortete der 95-Jährige. 

Nun war es allerdings so, dass die Diskussionsrunde, in der sich der Altkanzler am Samstag einfand, genau das zum Thema hatte: 50 Jahre Münchener Sicherheitskonferenz. Neben Schmidt nahmen ein Dritteljahrtausend Weltpolitik Platz: Ex-US-Außenminister Henry Kissinger, 90, Frankreichs Ex-Präsident Valéry Giscard d’Estaing, 87 und Egon Bahr, 91, Willy Brandts Architekt der Ostpolitik. Zusammen sind die Männer 363 Jahre alt.

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Da blieb viel Platz, aus alten Zeiten zu erzählen. Zum Beispiel aus dem Kalten Krieg, den alle vier gemeinsam durchstanden. "Ich habe schon von die Kennedy-Regierung gearbeitet", brummte Kissinger an einer Stelle in seiner Bass-Stimme, "und es war immer klar: Wenn Berlin angegriffen wird, ziehen die USA in den Krieg". Vor  dieser Beistandsgarantie hatte Egon Bahr noch einmal an die Gefahr durch sowjetische Mittelstreckenraketen erinnert: "Je kürzer die Reichweiten, desto toter die Deutschen".

Mit Anekdoten wie diesen wollten die alten Herren auf der Bühne eines klarstellen: Die transatlantische Partnerschaft, verankert durch die Nato, sie lebt und ist auch heute noch wichtig. Bahr sah sich auch veranlasst, "meinem guten Freund Steinmeier zu widersprechen". Der ehemalige und neue deutsche Außenminister hatte kürzlich gesagt, sein Schreibtisch sei noch der alte, aber die Welt draußen habe sich verändert. "Die Grundstruktur der transatlantischen Sicherheit", sagte Bahr und meinte die Nato, "ist unverändert geblieben".

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