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12.01.2005

13:43 Uhr

Klage nun auch in New York erhoben

Disketten mit Terrorbuch bei Motassadeq gefunden

Im Keller des mutmaßlichen Terrorhelfers Mounir El Motassadeq hat die Polizei Disketten mit Terrorhandbüchern gefunden. Das sagte am Mittwoch eine Kriminalbeamtin als Zeugin vor dem Hamburger Oberlandesgericht.

HB HAMBURG. Die Datenträger mit den Anleitungen für Terroristen hätten sich in Kisten befunden, die der Angeklagte für den Terrorpiloten Mohammed Atta aufbewahrt habe. Unterdessen wurde bekannt, dass Familien von Opfern des 11. September 2001 in New York eine Schadenersatzklage gegen Motassadeq eingereicht haben.

Familien der Opfer haben nun auch in New York Anklage gegen Mounir el Motassadeq und andere Personen erhoben.

Der Anwalt eines Nebenklägers im Hamburger Prozess überreichte dem Hanseatischen Oberlandesgericht am Mittwoch eine öffentliche Zustellung des Bezirksgerichts im südlichen Distrikt von Manhattan. Danach hat Motassadeq 60 Tage Zeit, sich in New York persönlich zu den Vorwürfen zu äußern. „Erscheint er nicht, wird er verurteilt“, sagte Nebenkläger-Anwalt Andreas Schulz. Mit der Zustellung an das Gericht beginne diese Frist für Motassadeq, der Deutschland derzeit nicht verlassen darf.

Zugleich kündigte Schulz an, im Falle eines Freispruchs von Motassadeq in Hamburg zivilrechtlich finanzielle Ansprüche gegen den Marokkaner durchsetzen zu wollen. Dazu habe er parallel bereits eine Klage bei Gericht in Hamburg-Harburg eingereicht. Sollte Motassadeq freigesprochen werden, stünde ihm sofort eine Entschädigungszahlung für die Untersuchungshaft und entgangenen Verdienst zu, sagte Schulz. Sie könne sich leicht auf 30 000 bis 50 000 Euro belaufen. Zumindest dieses Geld solle jedoch als Entschädigung für die Opfer-Familien verwandt werden. Ein Urteil im Prozess gegen Motassadeq wird frühestens im April erwartet.

Eine Kriminalbeamtin sagte am Mittwoch aus, in Motassadeqs Keller seien Kisten mit Disketten mit Terrorhandbüchern gefunden worden. Die Dateien hätten erst mit einer Spezialsoftware sichtbar gemacht werden können. Die Kisten habe der Angeklagte für den Todespiloten Mohammed Atta aufbewahrt.

Der Marokkaner Motassadeq war 2003 als weltweit erster Angeklagter wegen Beteiligung an den Anschlägen des 11. September in Hamburg zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil später auf. Möglicherweise entlastende Zeugenaussagen seien nicht berücksichtigt worden, hieß es in der Begründung. Nun verhandelt ein anderer Strafsenat des Oberlandesgerichtes das Verfahren erneut. Bei den Anschlägen mit entführten Passagiermaschinen in New York und Washington waren fast 3000 Menschen getötet worden.

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