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01.02.2011

09:20 Uhr

„Klare Botschaft an Ägypten“

USA wollen Mubarak zur Aufgabe bewegen

Das Weiße Haus hat eine klare Vision für den Übergang Ägyptens zur Demokratie, aber kein Regierungsmitglied will sie aus Sorge vor einer weiteren Destabilisierung des nordafrikanischen Landes offen äußern. Hinter den Kulissen stellt sich Washington jedoch bereits auf den Rückzug von Präsident Mubarak ein. Dabei könnte ein früherer Botschafter, der jetzt als Sondergesandten nach Ägypten geschickt wurde, eine entscheidende Rolle spielen.

HB WASHINGTON. Der Gesandte soll in Kairo mit führenden Regierungsvertretern zusammenkommen und den amerikanischen Aufruf zu demokratischen Reformen bekräftigen, wie US-Außenamtssprecher Philip Crowley sagte. Demnach hält sich Frank Wisner, der von 1986 bis 1991 diplomatischer Spitzenvertreter in Ägypten war, bereits in Kairo auf. Ob er auch Präsident Husni Mubarak treffen wird, blieb zunächst unklar.

Ungeachtet dessen heizt der Vorgang Spekulationen über die Zukunft Mubaraks an. In amerikanischen Zeitungen ist davon die Rede, die USA wollten mit der Hilfe Wisners den ägyptischen Machthaber davon überzeugen, dass seine Zeit abgelaufen sei. Die US-Administration benutze den Abgesandten, um Mubarak „höflichst“ zur Aufgabe zu bewegen, schreibt die „New York Times“. Ansonsten solle Wisner herausfinden, welche Politik El Baradei verfolgen könnte und in welchem Zustand sich die ägyptische Wirtschaft befinde.

Die US-Regierung hatte Mubarak angesichts der andauernden Massenproteste in Ägypten zunehmend eindringlich aufgerufen, wirtschaftliche und politische Reformen einzuleiten. „Wir haben ihn (Wisner) gebeten, seine Perspektive in unsere Analyse der derzeitigen Vorgänge einzubringen“, sagte Crowley. „Wir haben eine sehr klare Botschaft an Ägypten ausgesendet, öffentlich und privat.“

Unabhängig davon stellt sich Washington wohl bereits auf den Übergang Ägyptens zur Demokratie ein, auch wenn kein Regierungsmitglied dazu offiziell Stellung beziehen will. So würde man es in Washington gerne sehen, wenn der 82-jährige Mubarak seinen Verzicht auf eine Kandidatur bei der im September anstehenden Präsidentenwahl erklären würde, berichtet die Nachrichtenagentur AP ohne Angaben von Quellen. Zudem solle er den Ausnahmezustand aufheben, der mit weitreichenden Vollmachten für die Polizei seit fast drei Jahrzehnten seine Regierung absichert.

Kommentare (2)

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k.h.a.

01.02.2011, 16:57 Uhr

Wie auch immer es ausgehen mag - eines steht schon jetzt fest: für israel (und den gesamten Nahen Osten) wird es fragil. Weniger Einfluß als unter Mubarak werden islamistische Tendenzen nicht mehr haben. Die Taktik wird eine "aufgeklärte" sein, die dahinter stehende Strategie ganz im Gegenteil leider nicht. Das islamistische Vorbild aus der Türkei läßt grüßen. Dort hat man es immerhin geschafft, den islamistischen Erbfeind in Form der EU für lange Zeit an der Nase herumzuführen, was einige in brüssel immer noch nicht bemerkt haben (oder dafür bezahlt werden).

widerstand10

01.02.2011, 17:16 Uhr

Der Koran wird immer das Grundgesetz in islamischen Staaten sein. Auch die Hetze und Morde gegen Christen zeigt, dass was auch immer für eine Regierung in Ägypten an die Macht kommt, der Koran ist mit an bord. Mubarak bekommt unterstützung aus Lybien, Saudi-Arabien und vielleicht sogar aus dem iran. Sein letzter Versuch an der Macht zu bleiben,
könnte ein gewaltiges Attentat auf die bevölkerung sein und es den islamisten in Ägypten in die Schuhe zu schieben. Nach dem Motto, seht was ihr bekommt, wenn ich nicht mehr da bin.

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