Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2012

03:41 Uhr

Klaus Regling

Europas Chef-Retter glaubt nicht an Wundermittel

Klaus Regling ist der neue Chef des Rettungsfonds ESM. Damit hat der Lübecker Volkswirt einen Posten, der in turbulenten Zeiten immer wichtiger wird.

Nüchterner Retter: Klaus Regling. dpa

Nüchterner Retter: Klaus Regling.

Brüssel/LuxemburgEr ist einer der wichtigsten Männer im europäischen Finanzgeschehen: Klaus Regling. Der Deutsche steht seit Juli 2010 an der Spitze des Luxemburger Rettungsschirms EFSF, der überschuldeten Euro-Staaten mit Notkrediten hilft. Nun wird der 61-Jährige auch Chef des neuen, permanenten Krisenfonds ESM werden, der bald starten soll. Dies ist ein bedeutendes Amt - und die Turbulenzen an den Märkten machen den Posten immer mächtiger.

Der frühere Spitzenbeamte sucht allerdings nicht das Rampenlicht. Regling gilt als nüchtern, sachlich und strukturiert denkend. „Wundermittel gibt es nicht“, lautet sein Credo. In Brüssel schätzen Diplomaten Regling als jemanden, der Schwierigkeiten aus dem Weg räumt.

Euro-Gruppenvorsitz: Mach's nochmal, Jean-Claude!

Euro-Gruppenvorsitz

Juncker bleibt Eurogruppen-Chef

Juncker soll für ein weiteres halbes Jahr Eurogruppen-Chef bleiben.

Der Verfechter einer nachhaltigen Finanzpolitik stammt aus Lübeck und ist ein ausgewiesener Wirtschafts- und Finanzfachmann. 35 Jahre lang hat der gelernte Volkswirt Berufserfahrung im öffentlichen und privaten Sektor gesammelt, bis er an die EFSF-Spitze wechselte.

So arbeitete Regling beim Internationalen Währungsfonds IWF, der am Euro-Krisenmanagement ebenfalls maßgeblich beteiligt ist, und beim Bundesfinanzministerium. In Brüssel war Regling Generaldirektor der Währungsbehörde der EU-Kommission und einer der Hauptverantwortlichen für die Euro-Währung.

Die Abkürzung ESM steht für „Europäischer Stabilitätsmechanismus“. Wie sein Vorgänger, der EFSF, ist der ESM eine Einrichtung der 17 Euro-Staaten - und nicht der EU. Die Krisenfonds geben im Notfall an den Finanzmärkten Anleihen heraus, für welche die Euro-Länder garantieren.

Diese Gelder werden dann als Kredite an bedürftige Staaten verzinst weitergegeben. Bisher profitieren Portugal, Irland und Griechenland von Hilfen, die aus dem EFSF kommen. Spanien und Zypern haben Kredite beantragt.

Noch hat der ESM seine Arbeit nicht aufgenommen. Ursprünglich sollte dies bereits Anfang Juli der Fall sein, doch einige Staaten - darunter Deutschland und Italien - haben den ESM noch nicht gebilligt (ratifiziert). Der ESM wird bis zu 500 Milliarden Euro Kredite ausleihen können.

Von

dpa

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kofinas

10.07.2012, 04:39 Uhr

Der ESM ist ein genialer Trick. mit dem es möglich wird die Verluste der Gläubiger/ Investoren zu Verlusten der Steuerzahler der Geberländer der Eurozone zu machen! Gewinner sind dadurch alleine die Gläubiger/ Investoren - alle anderen die Verlierer: Einfach genial!!!

itstk

10.07.2012, 05:51 Uhr

"35 Jahre lang hat der gelernte Volkswirt Berufserfahrung im öffentlichen und privaten Sektor gesammelt, bis er an die EFSF-Spitze wechselte.

[...]beim Internationalen Währungsfonds IWF
[...]beim Bundesfinanzministerium.
[...]Generaldirektor der Währungsbehörde der EU-Kommission und einer der Hauptverantwortlichen für die Euro-Währung."

Wo hat Herr Regling im privaten Sektor Erfahrung gesammelt?
Da hinkt IMHO der Argumentationsfluß des Handelsblatts.

Außerdem bitte ich um korrektere Wortwahl. Denn VERANTWORTLICH im bürgerlichen Wortsinn ist Herr Regling für gar nichts. ZUSTÄNDIG im Sinne einer Machtquelle allerdings schon.

Zauberlehrling

10.07.2012, 05:59 Uhr

Das blinde Auge der Volkswirtschaftslehre
Vor mehr als 10 Jahren hat der inzwischen verstorbene Wirtschaftswissenschaftler Horst Siebert, langjähriges Mitglied des Sachverständigenrates, ein erhellendes Buch über große wirtschaftspolitische Irrwege mit dem Titel "Der Kobra-Effekt, Irrwege der Wirtschaftspolitik" geschrieben.
Auf Seite 27 nennt er die Ursache für die daraus entstanden oft gewaltigen Schäden, die uns allen entstanden sind (Zitat Siebert):
"Zugrunde lag in allen Fällen eine verfehlte Vorstellung darüber, wie Wirtschaft funktioniert, wie also die grundlegenden Zusammenhänge in einer Volkswirtschaft beschaffen sind. Im Zentrum stand dabei allzu oft eine irrige Idee darüber, wie die Menschen auf wirtschaftspolitische Setzungen in den Rahmenbedingungen reagieren würden."
Als Psychologe, der über Jahrzehnte Unternehmen, Einrichtungen der öffentlichen Verwaltungen und Universitäten beraten hat und der vor einem halben Jahrhundert selbst Kaufmann war, kann ich ihm nur voll und ganz zustimmen.
Die Volkswirtschaftslehre beginnt ja erst ganz vorsichtig sich mit den Bestimmungsstücken des menschlichen Verhaltens zu beschäftigen (vgl Prof. Ockenfels, Köln oder sein Kollegen in Bonn). Die viel zu häufig kontraproduktive Wirkung der Wirtschaftspolitik wird aber erst dann verringert werden, wenn sie mehr psychologische Kompetenz berücksichtigt.
Ein erster Schritt dorthin könnte ein intensiver Gedankenaustausch der Volkswirtschaftslehre mit der Betriebswirtschaftslehre, Abteilung psychologisches Marketing sein, ein zweiter eine Kooperation mit der wissenschaftlichen Psychologie. Dann erst werden ihre Vertreter dazu beitragen, dass wir Bürger die eine oder andere Billion sparen und für sinnvollere Projekte ausgeben können als für ein internationales Zerstörungswerk, das wir gerade miterleben müssen.
Für Horst Siebert hätten wir, wenn er noch lebte, Material für eine ganze Bücherreihe zum Thema "Zerstörung Europas wegen mangelnder Menschenkenntnis"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×