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27.01.2010

13:47 Uhr

Klaus Schwab

„Wir müssen in Davos zum Nullpunkt zurückkehren“

VonTorsten Riecke

ExklusivKlaus Schwab, Gründer des World Economic Forum, plädiert für einen Neuanfang nach der Krise.

Klaus Schwab Reuters

Klaus Schwab

Handelsblatt: Professor Schwab, das Motto für Davos 2010 heißt "Rethink, Redesign, Rebuild". Ist das ein Schritt zurück von der Globalisierung?

Klaus Schwab: Nein. Wir sollten nicht vergessen, dass die Globalisierung vielen Millionen Menschen aus der Armut herausgeholfen hat. Die aktuelle Debatte sollte also nicht um das Pro und Kontra zur Globalisierung gehen. Vielmehr sehen wir jetzt, dass sich auch unsere Probleme globalisiert haben.

HB: Was kann das Treffen in Davos dazu beitragen, diese Probleme zu lösen?

Schwab: Wir haben noch nicht die notwendigen Wertvorstellungen, Prozesse und Systeme entwickelt, um mit diesen Herausforderungen zurechtzukommen. Unser bisheriges Rüstzeug ist nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt worden. In Davos müssen wir darüber reden, ob diese Mittel noch ausreichen.

HB: Sehen Sie bislang keine Fortschritte?

Schwab: Ich sehe Flickwerk, wie man das jetzt beim Internationalen Währungsfonds versucht. Aber wir sollten uns fragen, ob wir nicht zum Nullpunkt zurückkehren müssen, um unsere globalen Probleme völlig neu zu überdenken.

HB: Das klingt dem Motto aus dem vergangenen Jahr sehr ähnlich, als es darum ging, die Welt nach der Krise neu zu ordnen. Sind wir keinen Schritt weitergekommen?

Schwab: Wir müssen die Probleme fundamentaler anpacken. Für mich war die Finanz- und Wirtschaftskrise eine fundamentale strukturelle Krise. Im vergangenen Jahr haben wir noch nach Auswegen aus der Krise gesucht. Das war nur mittelfristig angelegt. Wir müssen jedoch nach langfristigen Lösungen suchen. Ich glaube, dass wir von der Finanzkrise über die Wirtschaftskrise in eine Sozialkrise hineinrutschen.

HB: Was meinen Sie damit?

Schwab: Ich rechne damit, dass wir in den nächsten Jahren eine höhere Arbeitslosigkeit haben werden, als viele sich das vorstellen können. Durch die massiven Staatshilfen ist jedoch der Aktionsradius der Regierungen im Sozial- und Gesundheitsbereich reduziert. Das kann dazu führen, dass viele Probleme auf die nächste Generation abgeschoben werden.

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