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11.12.2011

11:53 Uhr

Klimagipfel

Schlaflos in Durban

Der Klimagipfel in Südafrika ist wie eine Achterbahn. Mal fliegen die Marathonverhandlungen fast aus der Kurve, dann gibt es überraschende Loopings und zum Schluss eine Schussfahrt ins Ziel.

Dieser Gipfel macht vor allem eines - müde. AFP

Dieser Gipfel macht vor allem eines - müde.

DurbanAls Maite Nkoana-Mashabane um 5.30 Uhr das Podium verlässt, kann sie sich kaum noch auf den Beinen halten. Sie stolpert fast über ihr rotes Kleid, fängt sich und lächelt. Sie wirkt unendlich müde. Vier Stunden zuvor war Südafrikas Außenministerin ihr Pessimismus deutlich anzumerken, dass der Kraftakt noch gut ausgehen werde. Der ganze UN-Klimaprozess stand auf dem Spiel. „Hier in Durban können wir gemeinsam Geschichte schreiben. Es ist Ihre Entscheidung, welche Art von Geschichte Sie schreiben wollen“, rief sie ins Plenum.

Es sind drei Frauen, die den längsten UN-Klimagipfel aller Zeiten prägen - und schließlich den Weg bereiten für einen Weltklimavertrag, der nun bis 2015 ausgearbeitet und bis 2020 in Kraft treten soll.

Wenn er sich als eine Mogelpackung mit zu unverbindlichen Verpflichtungen herausstellen sollte, werden sich viele an den Auftritt von Jayanthi Natarajan am Sonntagmorgen im Abschlussplenum erinnern. Als Indiens Umweltministerin vom Leder zieht, verfinstern sich die Mienen bei der europäischen Delegation. „Indien wird sich hier nicht für ein Scheitern an den Pranger stellen lassen“, wettert sie.

Kommentar: Durban-Gipfel - im Ergebnis gescheitert

Kommentar

Durban-Gipfel - im Ergebnis gescheitert

Das Selbstlob der Gipfel-Politiker wird die Welt nicht retten. In Durban wurden entscheidende Fragen nicht beantwortet. Damit machen sich solche Veranstaltungen selbst überflüssig.

„Was ist das Problem, eine Option mehr aufzunehmen?“, fragt Natarajan mit Blick auf die umstrittene Formulierung „rechtliche Vereinbarung“. Die EU will nur den Begriff „rechtliches Instrument“ akzeptieren, da dieser bindender sei und so wirklich helfen könne, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Indien aber will weiter wachsen und keine zu starken Hemmnisse durch Beschränkungen beim Kohlendioxidausstoß.

Die dritte Frau im Bund, EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard, kämpft vehement für etwas, was zuvor niemand von Durban erwartet hatte. „Die EU hat viele Jahre Geduld bewiesen“, sagt Hedegaard. Sichtbar blass ist sie nach einem 24-stündigen Verhandlungsmarathon. Wenige Stunden zuvor twitterte sie aus einer Runde mit 50 Ministern: „Der Zeitdruck ist inzwischen auch physisch im Raum zu spüren. Nervtötend.“ Die Dänin bekennt, dass sie diese Sitzungen hasst.

Das Durban-Paket

KYOTO-PROTOKOLL

Ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls soll erst bei der nächsten Klimakonferenz in Katar 2012 ausgearbeitet werden. Die Vereinbarung über die Reduktion von Treibhausgasen könnte dann ab 2013 greifen. Die Delegierten ließen jedoch offen, ob die nächste Verpflichtungsperiode bis 2017 oder bis 2020 andauern soll. Im nächsten Jahr müssen die Reduktionsziele der einzelnen Länder in das Abkommen geschrieben werden. Die EU und andere Staaten, die sich zum Kyoto-Prozess bekennen, stoßen jedoch nur rund 15 Prozent der globalen Treibhausgase aus.

KLIMASCHUTZ-MANDAT

Bis spätestens 2015 soll ein Abkommen vereinbart werden, das auch die Klimaziele von Nicht-Kyoto-Staaten erfasst und ab 2020 in Kraft tritt. Dazu zählen die USA, China und Indien. Ob es einmal mit dem Kyoto-Prozess zusammengefasst wird, ist offen. Über die rechtliche Verbindlichkeit wurde in Durban bis zuletzt gestritten. Die Kompromissformel, eine „Vereinbarung mit Rechtskraft“ (outcome with legal force), gilt Klimaschützern als zu schwach. Zudem gebe es den Ausdruck in der internationalen Rechtsprechung gar nicht.

FINANZEN

Der Grüne Klimafonds soll dazu beitragen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar (74 Mrd Euro) für Entwicklungsländer bereitzustellen, damit sie sich an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Zudem werden klimafreundliche Projekte unterstützt. Die Einrichtung des Fonds wurde bereits in Cancún beschlossen. In Durban vereinbarten die Delegierten ein Arbeitsprogramm für 2012, um den Fonds funktionsfähig zu machen, etwa um Personal einzustellen. Um den Sitz bewarben sich unter anderem Deutschland und Mexiko. Der Vorschlag, auch Abgaben auf Schiffs- und Flugverkehr für das Aufbringen der 100 Milliarden Dollar zu nutzen, wurde aus dem Papier gestrichen.

WALDSCHUTZ

Die Texte zum Waldschutz wurden nicht wesentlich vorangetrieben. Im Finanzfonds ist dafür kein Geld vorgesehen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Geld für die Urwälder von Kraftwerken und Industrie kommt, die dann ihren eigenen Treibhausgasausstoß nicht mehr so stark reduzieren müssten. Da der Wald viel Kohlendioxid aufnimmt, könnte das die Verschmutzungsrechte noch billiger machen

Kommentare (1)

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Peer-Bilderbeger

11.12.2011, 13:34 Uhr

Tja, soviel Lügen kann jeden auf Dauer müde machen.

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