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01.12.2014

17:01 Uhr

Klimakonferenz in Lima

McKinsey für Arme

VonDana Heide

Peru, Mexiko, Brasilien: Schwellenländer halten in der Entwicklungshilfe wie bei Projekten zum Klimaschutz nicht mehr nur die Hand auf. Sie helfen selbst ärmeren Staaten. Unterstützung kommt auch aus Deutschland.

Die chilenische Hauptstadt Santiago im Smog: Viele Länder in Lateinamerika haben noch Potenzial, ihre klimaschädlichen Gase zu reduzieren. Reuters

Die chilenische Hauptstadt Santiago im Smog: Viele Länder in Lateinamerika haben noch Potenzial, ihre klimaschädlichen Gase zu reduzieren.

Mexiko-StadtIn Mexiko liegen die Gegensätze oft nur wenige Kilometer auseinander. Mexiko City, die Hauptstadt des Schwellenlandes, ist so ein Beispiel. Im Zentrum der Stadt reihen sich hippe Bars und Restaurants aneinander, die Altstadt ist dank Millionenzuschüssen von Multimilliardär Carlos Slim, der in Mexiko City aufgewachsen ist, umfassend saniert worden. Wer jedoch ein bisschen weiter an den Stadtrand fährt, findet ein anderes Bild: Kilometerweite, illegal gebaute Siedlungen, Armut, Drogenkriminalität.

So gespalten wie das Land ist, ist auch seine Rolle in der Entwicklungspolitik: Auf der einen Seite hat Mexiko noch einige Probleme, bei denen es internationale Hilfe bekommt. Auf der anderen Seite hilft es aber auch immer öfter selbst – unterstützt von einem Industrieland.

Das Klimaschutz-Glossar

AAU, Assigned Amount Unit

Jedem Industrieland steht nach dem Kyoto-Protokoll eine festgelegte Menge an CO2-Zertifikaten zu, die es zur Emission einer bestimmten Menge an Treibhausgasen berechtigen, die AAU. Übersteigen die tatsächlichen Emissionen diese Grenze, müssen zusätzliche Zertifikate von Industriestaaten zugekauft werden, die ihr Budget nicht ausgeschöpft haben. Strittig ist derzeit, ob die Emissionsrechte auch nach Auslaufen der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls ihre Gültigkeit behalten. Dies würde die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen verringern.

Annex-I-Länder

Der Annex I der Klimarahmenkonvention von 1992 listet alle Länder auf, die die Selbstverpflichtung zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2000 auf das Niveau von 1990 übernommen haben. Der Begriff Annex-I-Länder wird oft synonym mit Industrieländer benutzt.

Annex-B-Länder

In Annex B des Kyoto-Protokolls sind diejenigen Staaten aufgelistet, die im Rahmen des Kyoto-Protokolls konkrete Minderungsverpflichtungen in der ersten Verpflichtungsperiode (2008-2012) übernommen haben.

CDM, Clean Development Mechanism

Der im Kyoto-Protokoll festgelegte Mechanismus ermöglicht es Industrie- und Entwicklungsländern, gemeinsam Klimaschutz-Projekte in den Entwicklungsländern zu betreiben. Industrieländer finanzieren die Projekte und können im Gegenzug die eingesparten Emissionen entweder zusätzlich emittieren oder sie sich gutschreiben lassen.

COP, Conference of the Parties

Das höchste Gremium der Klimarahmenkonvention von 1992, das einmal jährlich tagt. Nach dem Inkrafttreten der Klimarahmenkonvention 1994 fand die erste Vertragsstaatenkonferenz (COP 1) 1995 in Berlin statt. Die 18. Vertragsstaatenkonferenz findet vom 26. November bis 7. Dezember in Doha statt.

IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change

Zwischenstaatliches Expertengremium für Klimafragen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, das 1988 eingerichtet wurde. Wird auch als Weltklimarat bezeichnet.

JI, Joint Implementation

Das Instrument der Joint Implementation ist ebenfalls Teil des Kyoto-Protokolls. Es ermöglicht den sogenannten Annex-B-Ländern, gemeinsam Klimaschutz-Projekte zu betreiben. Dabei wird das Projekt zwar in einem Land durchgeführt, aber von einem anderen finanziert. Die eingesparten Emissionen darf dieses zweite Land zusätzlich emittieren oder sich als Emissionsguthaben gutschreiben lassen. Dem ersten Land wird eine entsprechende Menge an Emissionsrechten abgezogen.

Kyoto-Protokoll

Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 von der 3. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) angenommen. In dem Protokoll verpflichten sich die Industriestaaten, ihre gemeinsamen Emissionen der wichtigsten Treibhausgase im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Dabei haben die Länder unterschiedliche Emissionsreduktionsverpflichtungen akzeptiert.

LULUCF, Land Use, Land-Use Change and Forestry

Maßnahmen im Bereich der Forstwirtschaft und Landnutzung im Kyoto-Protokoll. Die Emissionsbilanz kann demnach verbessert werden, indem entweder Projekte zur Aufforstung unterstützt werden oder die Abholzung eingedämmt wird. Die Kyoto-Staaten haben sich verpflichtet, diese Punkte in ihre Klimabestrebungen einzubeziehen.

MRV, Measurable, Reportable, and Verifiable

Messbarkeit und Kontrolle von Klimaschutzmaßnahmen eines Staates.

REDD, Reducing Emissions from Deforestation and Degradation

Anreizsystem für Entwicklungsländer zur Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und der Schädigung von Wäldern. REDD ist damit eine Art Gegenstück zu LULUCF.

UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change

Die Klimarahmenkonvention wurde auf dem Weltgipfel für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro angenommen und seither von 192 Staaten ratifiziert. Sie trat 1994 in Kraft. Die Klimarahmenkonvention ist der erste internationale Vertrag, der den Klimawandel als ernstes Problem bezeichnet und die Staatengemeinschaft zum Handeln verpflichtet.

Damit ist Mexiko nicht allein. Auch Peru, Südafrika, Chile und Indonesien sind an diesen sogenannten Dreieckskooperationen beteiligt, um nur einige Beispiele zu nennen. Seitens Deutschland berät bei diesen Projekten oft die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), ein McKinsey für ärmere Staaten sozusagen.

„Ich denke, diese Dreieckskooperationen werden zunehmen“, sagt GIZ-Chefin Tanja Gönner. Mexiko und Deutschland gelten als Pioniere auf diesem Gebiet. „Die Zusammenarbeit zwischen Mexiko und Deutschland ist ein exzellentes Beispiel für eine Zusammenarbeit, wie sie sein sollte“, schwärmt Gönner.

Es hilft anderen Schwellenländern zwar nicht mit Geldspritzen, aber mit Personal, und setzt dabei auf die Unterstützung von Industrienationen wie Deutschland. „Wir werden mit den Projekten mehr Erfolg haben, wenn wir mit anderen Ländern zusammenarbeiten“, sagt Juan Manuel Valle, Direktor AMEXCID, der Mexikanischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit, bei einer von der GIZ organisierten Journalistenreise.

Derzeit unterhalten Deutschland und Mexiko insgesamt sieben Dreieckskooperationen. Eines davon ist ein Projekt zum Schutz der Artenvielfalt in dem mittelamerikanischen Land. Mithilfe von Experten, die von der GIZ entsandt wurden, hat die örtliche Kommission für Artenvielfalt CONABIO erstaunliches auf die Beine gestellt.

Aus einem schier undurchdringbaren Dickicht an Satellitenaufnahmen von Waldgebieten hat die Agentur brauchbares Material gemacht.

Kommentare (3)

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Herr Helmut Paulsen

01.12.2014, 17:12 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Konstantin Lewe

01.12.2014, 17:32 Uhr

Mh vllt. sollte DE mal in MX fragen wie man schneller
einen Airport in Betrieb nimmt :-)

http://www.youtube.com/watch?v=5NOoKNYinsg

Herr Helmut Paulsen

01.12.2014, 20:23 Uhr

LESENSWERT !

"Die Verstrickungen von Politikern und Journalisten in Elite-Netzwerken"

Das sind die eigentlichen Macht-Zirkel, ausserhalb jeder demokratischen Kontrolle. Welt-Geld-Elite.

http://www.neopresse.com/politik/die-verstrickungen-von-politikern-und-journalisten-elite-netzwerken/

Journalisten in Atlantik-Brücke vereinigt ferngesteuert:

http://homment.com/atlantikbruecke

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