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29.01.2010

15:27 Uhr

Klimakonferenz in Mexiko

Von Kopenhagen nach Cancún

VonDieter Fockenbrock

Mexikos Präsident Calderón will den Klimaschutz voranbringen und richtet die Kopenhagenfolgekonferenz in Cancún aus. Sein Ziel: „Ein robustes Abkommen".

Felipe Calderon: Robustes Abkommen angepeilt. Reuters

Felipe Calderon: Robustes Abkommen angepeilt.

Die Lösung der festgefahren Klimaverhandlungen liegt möglicherweise in differenzierten Vorgaben für einzelne Länder und Branchen. Solche Kompromisse statt pauschaler Ziele mit festgelegten Quoten zur Minderung des CO2-Ausstosses in festgelegten Zeiträumen befürworteten Politiker und Experten auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Mexikos Ministerpräsident Felipe Calderón nannte die "wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Staaten legitime Interessen." Calderón richtet die Kopenhagenfolgekonferenz im mexikanischen Cancún aus. Sie soll nach seinen Angaben Ende des Jahres stattfinden und ein "robustes Abkommen" bringen.

Das "Zauberwort" für Mexiko könnte vielleicht "wesentliche Übereinstimung" lauten, lauten orakelte Timothy Wirth, Präsident der United Nations Foundation. Im Dezember war die Klimakonferenz in Kopenhagen, an der 120 Staaten nach Einschätzung vieler Beobachter weitgehend erfolglos geendet. Nur eine kleine Gruppe von Industriestaaten und Schwellenländern konnte sich unter anderem auf ein 100 Mrd.-Dollarprogramm einigen. Entwicklungsländer waren die teilweise ehrgeizigen Klimaschutzziele der Industriestaaten zu hoch.

In Davos kritisierte Shyam Saran, Klimaschutzbeauftragter der indischen Regierung, das einseitige Vorgehen. "Die Erwartungen an Kopenhagen haben sich auch deshalb nicht erfüllt weil Klimaschutz inzwischen ein Spielball der politischen und wirtschaftlichen Interessen ist." Es fehle an echtem Willen zur Zusammenarbeit - vor allem zwischen den entwickelten Staaten und den unterentwickelten Ländern. Das Vorpreschen einzelner Staatengruppen findet aber auch Befürworter, die darin eine Chance sehen, den Klimaschutz voranzubringen.

Die Frage , ob Kopenhagen etwas gebracht hat oder ob die Erwartungen einfach nur zu hoch waren, spaltet Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler. Für Carlos Ghosn etwa, Chef des Automobilkonzerns Renault-Nissen, war das "Ergebnis das beste was wir erwarten konnten." Die Industrie brauche jetzt aber klare Zielvorgaben, forderte der Manager. Ghosn spricht sich zudem für einen "integrierten Ansatz aus, damit sich keine entziehen kann." Gemeint ist damit, mit CO2-Reduktionsvorgaben nicht nur einzelne Industrien zu belasten.

Caio Koch-Weser, ehemals Staatssekretär in Berlin, jetzt für die Deutsche Bank tätig, glaubt, dass einzelne Großprojekte der Wirtschaft den Klimaschutz voranbringen könnten. Für solche Megaprojekte - er nannte unter anderen den Elektroantrieb für Autos - könnten die Regierungen den politischen Rahmen setzen und auch die Finanzierung absichern. Die von mehreren deutschen Konzernen projektierte Solarfabrik (Desertec) in Nordafrika wäre sicher auch sei ein Plan.

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