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15.12.2011

16:51 Uhr

Klimaschonende Energie

Oettinger macht sich für Zwischenziel stark

Die EU strebt die emissionsfreie Energieversorgung bis 2050 an. Nun fordert EU-Energiekommissar Günther Oettinger ein verbindliches Zwischenziel. Bis 2030 soll der Anteil an erneuerbaren Energien 30 Prozent betragen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Reuters

EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

BrüsselDie EU-Staaten müssen den Anteil an erneuerbaren Energien nach Auffassung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger bis 2030 auf 30 Prozent heraufschrauben. Dies könne ein Wert sein, auf den sich die Mitgliedstaaten in zwei Jahren als verbindliches Ziel einigen könnten, sagte Oettinger am Donnerstag in Brüssel. Er gab damit den Startschuss für eine Debatte der EU-Staaten und des Europäischen Parlaments darüber, wie das Fernziel einer emissionsfreien Energieversorgung bis 2050 zu erreichen sei. Nach Oettingers Vorstellung soll die Diskussion in verbindliche Beschlüsse 2013 oder 2014 über ein Zwischenziel für 2030 münden. „Ein realistischer Zwischenwert soll erarbeitet werden“, erklärte er.

Als Zwischenziel für den Anteil erneuerbarer Energien hält Oettinger in der EU 30 Prozent bis 2030 für realistisch, bisher festgelegt sind 20 Prozent bis 2020. Dabei müsste der Strom zur Hälfte aus Wasserkraft, Biomasse, Geothermie, Wind oder Sonne gewonnen werden. Deutschland hat hier bereits ein ehrgeizigeres Ziel von 35 Prozent bis 2020.

Die EU hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2050 den Ausstoß des Klimagiftes Kohlendioxid (CO2) um 80 bis 95 Prozent zu senken. Gesetzlich vorgeschrieben ist bisher aber erst das Reduktionsziel um 20 Prozent gegenüber 1990 bis 2020. Ein Vorstoß von EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard, ein höheres Ziel festzulegen, war am Widerstand der Mitgliedstaaten im Frühjahr gescheitert. Um das Fernziel zu erreichen, muss die Energieproduktion in knapp 40 Jahren völlig ohne CO2-Emissionen auskommen. Oettinger strebt für den Energiesektor nun ebenfalls verbindliche Vorgaben an und stellt den Mitgliedstaaten deshalb mehrere Szenarien zur Diskussion. Grundsätzlich lautet das Ergebnis der Analyse: „Die Dekarbonisierung des Energiesystems ist technisch und wirtschaftlich machbar.“

Entscheidend sind nach dem Bericht der Kommission vier Hebel: Energieeinsparungen, Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung, Atomkraft und die CCS-Technologie zur Abscheidung und Lagerung von CO2. Die letzteren beiden Punkte sind in Deutschland ein heikles Thema. So ist der Atomausstieg bis 2022 beschlossene Sache. Auch die Technologie zum Abbau der CO2-Emissionen bei Kohle- und Gaskraftwerken ist höchst umstritten. Die EU-Kommission erklärte, ein Ausbau der Kernkraft auf einen Anteil von 18 Prozent nach 14 Prozent 2005 sei bis 2050 aber notwendig, wenn die CCS-Technologie nicht voll eingesetzt werden könne. Das hatte Oettinger vor Veröffentlichung des Berichts die Kritik eingebracht, den Ausbau der Kernkraft in den Mitgliedstaaten zu befürworten, was er zurückwies.

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, wird die Umstellung auf emissionsfreie Energieerzeugung nicht mit höheren Investitionskosten verbunden sein als wenn der jetzige Energiemix beibehalten wird. Auf die Verbraucher kommen jedoch steigende Strompreise bis 2030 zu - egal, ob die Energiequellen umgestellt werden oder nicht.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Ich

19.12.2011, 09:10 Uhr

Öttinger macht Politik aus Sicht der EU und (Gott sei dank) nicht aus Sicht von Deutschland. Daher ist sein festhalten an der Kernkraft richtig.
Offensichtlich ist Deutschland nicht in der Lage, andere Meinungen und Standpunkte von seinen EU-Partnern zu akzeptieren. Ich bin mal gespannt wie Deutschland Polen drangsalieren wird damit dieses nicht in die Kernkraft einsteigt ....

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