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31.01.2007

17:06 Uhr

Klimaschutz

EU-Umweltkommissar verbannt seinen Mercedes

Nachdem die Bundesregierung die EU-Pläne zur Reduzierung von Autoabgasen zurückgewiesen hat, greift Umweltkommissar Stavros Dimas jetzt zu unkonventionellen Mitteln. Angeblich aus Ärger über den hohen Spritverbrauch seines Mercedes will er auf einen Dienstwagen japanischer Herstellung umsteigen.

Steigt für Klimaschutz von Mercedes auf Japaner um: EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Foto: dpa

Steigt für Klimaschutz von Mercedes auf Japaner um: EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Foto: dpa

HB BRÜSSEL. Derzeit wird Dimas, der für niedrige Abgas-Normen in der EU kämpft, in einem Mercedes chauffiert. Bei der anstehenden Erneuerung des Wagenparks werde der Grieche aus Gründen des es auf „ein kleineres und umweltfreundlicheres Auto“ wechseln, berichtete die Nachrichtenagentur dpa.

Dimas will den Angaben zufolge künftig im umweltfreundlichsten Auto der entsprechenden Fahrzeugklasse fahren. Zur Auswahl stünden ein Toyota Prius oder ein Lexus mit Hybridantrieb aus dem gleichen japanischen Konzern. Wahrscheinlich fällt die Wahl auf den Lexus: Der Hersteller gibt für den Wagen mit 340 PS einen Kohlendioxid-Ausstoß von 186 Gramm pro Kilometer an. Eine ähnlich stark motorisierte S- Klasse von DaimlerChrysler stößt hingegen rund 270 Gramm des Treibhausgases pro Kilometer aus.

Der Kommissar habe die nötigen „administrativen Schritte schon unternommen“, hieß es. Das neue Auto werde in nächster Zukunft beschafft. Die 27 EU-Kommissare fahren fast durchweg schwere Dienstwagen von Audi, BMW und Daimler-Chrysler. Ob Dimas' Kollegen dem Vorbild des Umweltkommissars folgen werden, ist bislang offen.

Der Wechsel auf den japanischen Wagen mit kombiniertem Benzin- und Stromantrieb fiele mitten in eine heftige Debatte über künftige Abgas-Grenzwerte für die Autoindustrie. Dimas will durchsetzen, dass die Autohersteller ihre Selbstverpflichtung einhalten und den durchschnittlichen Kohlendioxid-Ausstoß neuer Fahrzeuge bis 2012 auf 120 Gramm pro Kilometer senken. Dies stößt vor allem bei deutschen Herstellern zunehmend auf Widerstand.

Die Chefs der fünf großen deutschen Automobilhersteller hatten sich in einem Schreiben an die EU-Kommission gegen die Pläne von Dimas gewandt. Wenn Brüssel diesen Grenzwert festschreibe, könnten in der Branche zehntausende Stellen verloren gehen, warnten die Konzernchefs. Dieser Kritik schlossen sich auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Kanzlerin Angela Merkel an. Autobauer wie Mercedes und BMW produzieren zum Großteil Limousinen mit hohem Spritverbrauch.

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