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11.11.2013

09:12 Uhr

Klimawandel als Tabuthema

Australien erklärt der Wissenschaft den Krieg

VonUrs Wälterlin

Die klimawandelskeptische konservative Regierung Australiens führt Krieg gegen die Wissenschaft. Seit dem Regierungswechsel rollen die Köpfe von Beamten und Experten. Von der Uno-Klimakonferenz meldet sich das Land ab.

Eine Forscherin erläutert an einer Computersimulation das Szenario der globalen Erwärmung. dpa

Eine Forscherin erläutert an einer Computersimulation das Szenario der globalen Erwärmung.

Die Uno-Klimakonferenz, die am Montag in Warschau beginnt, wird ohne einen Regierungsvertreter aus Australien stattfinden. Das gab Premierminister Tony Abbott bekannt. Die neue Regierung werde nicht einmal einen Staatsekretär zu den Gesprächen in Polen schicken.  

Wie Umweltminister Greg Hunt meinte, wolle er sich auf die Abschaffung der Klimasteuer konzentrieren, statt in Warschau über Maßnahmen zur Reduktion von Treibhaus-Emissionen zu debattieren. Diese Haltung reflektiert die dramatische Wende, die Australien seit der Wahl der konservativen Regierung im September in Umweltfragen erlebt. Maßnahmen gegen den Klimawandel sind zum Tabuthema geworden. Wissenschaftler, die auf die Gefahr der globalen Erwärmung hinweisen, fürchten um ihre Stelle.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Schon während des Wahlkampfes hatte Tony Abbott klar gemacht, er werde die von der vorherigen Laborregierung eingeführte Klimasteuer abschaffen. Auch eine minimale Abgabe auf die historisch hohen Gewinne der Bergbauunternehmen soll ersatzlos gestrichen werden. Damit spiegeln Abbott und die liberal-konservative Regierung ihre generell klimaskeptische Haltung wider. Der Premierminister hatte schon als Oppositionsführer gemeint, Klimawandelwissenschaften seien „Mist“.

Kaum Premierminister setzte er seine skeptische Position um. Nur ein paar Stunden im Amt schaffte Abbott die Klimakommission ab. Dieses Gremium hatte die Aufgabe, Regierung und Bevölkerung unparteiisch über die Bedrohung zu informieren, die Klimawandel darstellt. Im Oktober, während der verheerenden Brände in den Blue Mountains westlich von Sydney, stellte Abbott jegliche Verbindung zwischen Klimawandel und extremen Feuersbrünsten in Abrede. Damit widersprach er den Aussagen und Erkenntnissen der Vereinten Nationen sowie einer Vielzahl von Wissenschaftlern.

Kommentare (62)

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vandale

11.11.2013, 09:44 Uhr

Man kann dem Australischen Premier für sein mutiges Handeln nur die Daumen drücken.

Er legt sich mit einem grossen, parasitären Apparat an in dem die wenigsten Naturwissenschaftler sind.

Australien legt sich im übrigen nicht mit der Wissenschaft an. Der Weltklimarat IPCC ist ein sehr politisches Gremium. Alle Berichte werden von Politikern gelesen und korrigiert bevor diese veröffentlicht werden. Wissenschaftler sind in diesem Gremium eine kleine Minderheit.

Autralien ist aktuell der Staat der sich am offensten gegen die Oekoweltuntergangskatastrophe "Klimawandel" stellt. Die offiziellen Stellungnahmen anderer Staaten sind etwas vorsichtiger...In Kanada hat man gemeint...dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für einen Klimawandel gibt. In Russland hat die Akademie der Wissenschaften es für unwahrscheinlich erachtet dass es einen CO2 induziertn Klimwandel gibt..In Indien hat man gemeint..dass der IPCC auch eine politische Agenda hat...u.v.m.

Vandale

DanielBerger

11.11.2013, 09:47 Uhr

Offenbar kann der Mensch ohne religioese Absicherung nicht leben In das Vakuum, welches die weithehende Religions-Freiheit der westlichen Gesellschaften hinterlassen hat, ejakuliert eine neue Religion.Die Worthwahl zeigt doch schon, dass es sich bei der Lehre vom anthropogenen Klimawandel um ein pseudoreligiöses Glaubenssystem handelt..Klimasünder, Klimaleugner, (Emmissions-) Ablasshandel, es gibt Hetzer, Häretiker. Und tatsächlich, wie bei jeder Religion gibt es natürlich auch eine Kollekte, bei uns die EEG- Umlage, in anderen Ländern Klimasteuern etc., die uns vor dem sicheren Klimatod bewahren soll. Bis wir armen Klimasünder dermal einst unser letztes CO2 ausgehaucht haben.

A.Boeing

11.11.2013, 09:48 Uhr

Na, wenigstens ein Land, das sich von der Klimamafia-Diktat befreit. Nur die Deutschen werden stur bis zum bitteren Ende "für das Klima kämpfen", um den Preis der Deindustrialisierung, Verarmung und Resourcenverschwendung. Und das, obwohl deutscher Anteil an Emissionen nur 2% beträgt, und selbst wenn Deutschland es mit Billionen von Euros um 50% reduziert, bringt es der Welt rein gar nichts.

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