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07.05.2015

14:32 Uhr

Klimawandel

Bundesregierung will G7 an Klimaschutz beteiligen

Die Bundesregierung will die G7-Länder beim Klimaschutz zur Kasse bitten – und geht mit gutem Beispiel voran. Deutschland kündigt eine Klimarisiko-Versicherung mit einer Versicherungssumme von 150 Millionen Euro an.

Die sieben größten Industrieländer sollen nach Vorstellung der Bundesregierung zum Klimaschutz beitragen. AFP

Die G7

Die sieben größten Industrieländer sollen nach Vorstellung der Bundesregierung zum Klimaschutz beitragen.

BerlinIndustrienationen dürfen die Entwicklungsländer mit den Folgen des Klimawandels nicht alleine lassen – dafür will Gastgeber Deutschland beim G7-Gipfel in Bayern werben. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, kündigte die Bundesregierung am Donnerstag deutsche Finanzhilfen für Klimarisiko-Versicherungen von 150 Millionen Euro bis 2016 an. „Die Entwicklungsländer tragen am wenigsten bei zum Klimawandel, aber sie haben die größten Lasten zu tragen“, sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bei einer Vorbereitungskonferenz für den G7-Gipfel. Das Treffen der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten westlichen Industrienationen soll am 7. und 8. Juni auf Schloss Elmau stattfinden.

Subventionierte Klimarisiko-Versicherungen sind ein neues Werkzeug, mit dem Bauern und andere Betroffene nach Überschwemmungen oder Dürre-Perioden schnell und preiswert unterstützt werden sollen, anstatt später große UN-Hilfsprogramme aufzulegen. Ein Beispiel, das die Gipfelteilnehmer von dieser Idee überzeugen soll, ist eine afrikanische Versicherungsgesellschaft, die im Falle einer Dürre Notfallprogramme finanziert. Wer besser vorsorgt, zum Beispiel durch klimaresistentes Saatgut, zahlt niedrigere Prämien.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Die African Risk Capacity war 2014 mit jeweils 50 Millionen US-Dollar Startkapital aus Deutschland und Großbritannien gegründet worden und hat bisher vier Kunden: Mauretanien, Kenia, Niger und Senegal. Die Versicherungsgesellschaft hatte nach der Dürre in der Sahelzone Ende 2014 rund 26 Millionen US-Dollar an Mauretanien, Niger und Senegal ausgezahlt. Damit konnten neues Saatgut, Nahrung und Futter für das Vieh beschafft werden. Die Bundesregierung sähe ähnliche Versicherungsprodukte gerne auch in anderen Regionen. „Das ist ein interessanter Ansatz, der gut funktionieren kann, wenn sichergestellt wird, dass die Hilfe auch bei denjenigen ankommt, die sie am dringendsten brauchen“, sagte Michael Kühn von der Welthungerhilfe.

Von

dpa

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