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16.08.2016

19:27 Uhr

Klimawandel und Elektromobilität

Norwegen will Diesel und Benziner verbieten

Norwegen greift zu einem drastischen Plan: Um die Klimaziele zu erreichen, soll ab 2025 kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Die Mehrheit im Parlament für das politische Ziel scheint sicher.

Auf Norwegens Straßen sollen bald nur noch abgasfreie Autos fahren. Imago

Straßenbrücke in Norwegen

Auf Norwegens Straßen sollen bald nur noch abgasfreie Autos fahren.

OsloNorwegen verfolgt im Kampf gegen den Klimawandel ehrgeizige Ziele: Wenn es nach den Plänen der Regierungsparteien geht, sollen ab 2025 alle neuen Fahrzeuge nur noch emissionsfrei fahren. Damit soll der Ausstoß von klimaschädlichen Abgasen verringert werden. Das ist ein wichtiger Punkt im Nationalen Transportplan, der derzeit im Land heftig diskutiert wird.

Der Plan wurde unter anderem von der norwegischen Straßenbehörde, der Bahn und den Flughafenbetreibern mit erarbeitet. „Nach 2025 sollen neue private Autos, Busse und leichte Nutzfahrzeuge Null-Emissions-Fahrzeuge sein“, heißt es darin - auch die Regierungsparteien in Oslo geben dies als Ziel aus. Ob es am Ende etwa auch zu Zulassungsverboten oder steuerlichen Mehrbelastungen für Diesel- und Benzinautos kommen soll, werde noch debattiert, hieß es am Dienstag aus der Zentrale der Partei Høyre.

Zum Übergangszeitraum bis 2025 hält der nationale Plan fest: „Bis Null-Emissions-Fahrzeuge Benzin- und Dieselfahrzeuge ersetzen, sollten aufladbare Hybride zum größtmöglichen Grad nur mit Biotreibstoff betrieben werden.“

Der Transportsektor ist für ein Drittel des C02-Ausstoßes in Norwegen verantwortlich. Auch andere Verkehrsträger sollen umgekrempelt werden: Nach 2030 sollen alle neuen Schiffe und Fähren abgasfrei sein, im Flug- und im Schwerlastverkehr soll mehr Biotreibstoff eingesetzt werden.

Das Land mit etwas mehr als fünf Millionen Einwohnern ist in Sachen E-Mobilität bereits führend. In keinem anderen Staat in Europa werden gemessen an der Bevölkerung so viele Elektroautos verkauft. 15 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen fahren mit Strom. Und es sollen noch viel mehr werden. Norwegen - dank großer Öl- und Gasvorkommen reich geworden - gewinnt nahezu 100 Prozent seines Stroms aus umweltfreundlichen Quellen: Wasser und Wind.

Die Anschaffung von Elektroautos wird bereits seit Jahren massiv gefördert, mit Steuererleichterungen und Abgabenfreiheit. Das hat den Verkauf der Stromer mächtig angekurbelt. Doch dem Staat sind damit geschätzt 2,3 Milliarden Kronen (243 Mio Euro) Steuern durch die Lappen gegangen, weshalb die Regierung nun in der Zwickmühle ist. Soll sie den Wandel weiter finanziell unterstützen - oder sind die Teslas, VWs und Nissans inzwischen auch ohne Zuschüsse attraktiv?

Das Hauptproblem der strombetriebenen Fahrzeuge ist die Batterie. Mit einem Nissan Leaf für rund 200 000 norwegische Kronen (21 000 Euro) kommt man ungefähr 200 Kilometer weit, der Tesla Model S für rund 900 000 Kronen muss nach 500 Kilometern an die Steckdose. Und die sind nicht immer so leicht zu finden. Louise Brunborg-Næss hat damit böse Erfahrungen gemacht. Die 38-Jährige hat sich vor ein paar Monaten ein gebrauchtes E-Auto gekauft und wäre fast damit stehen geblieben.

„Ich war völlig verzweifelt“, erzählt die dreifache Mutter. Mit Glück erreichte sie doch noch eine andere Ladestation. Doch seitdem hat sie „rekkevideangst“ - Reichweitenangst. Ihr Elektroauto nimmt sie nun fast nur zum Einkaufen und wenn die Söhne zum Fußballtraining gebracht werden müssen. Längere Fahrten unternimmt die Familie im Zweitwagen, einem Diesel.

Kommentare (44)

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Account gelöscht!

16.08.2016, 11:41 Uhr

So ein Schwachsinn wird zum Glück nie in der Autonation Deutschland passieren, wo es 100.000e von Jobs in der Automobilindustrie gibt und freie Menschen gerne mit über 300 km/h über die BABs donnern.

Wenn ich Norweger wäre, und der Fall würde tatsächlich Realität werden, würde ich sofort auswandern.

Herr John Harris

16.08.2016, 11:44 Uhr

.... aber weiterhin mit Heizöl zu Hause die Bude warm halten. Kann mir jemand erklären, warum wir erst Fahrzeuge und dann Haushalte elektrifizieren sollen? 5 Liter Diesel entsprechen grob den 500 kg einer 20 kWh Batterie. Dann eben mit Erdgas fahren, Elektro ist und bleibt ein Hype.

Rainer von Horn

16.08.2016, 11:48 Uhr

Norwegen ist mit dem Export von Öl und Gas reich geworden, verfügt über einen multimilliardenschweren Staatsfonds und kann sich aus diesem Grunde locker solche klimatechnischen PR-Aktionen leisten. Das Land wird aber dadurch nicht glaubwürdiger. Glaubwürdig würde es in meinen Augen erst dann, wenn es die Exploration de vorgenannten Bodenschätze verbieten würde - und nicht die Vehikel, die weltweit damit betrieben werden.

Ähnlich unglaubwürdig ist in meinen Augen die deutsche Bundesregeierung, die die Chance zur Stillegung der Kohletagebaue von Vattenfall ungenutz verstreichen liess und damit eine echte Chance auf Klimaschutz, während man gleichzeitig nicht müde wird, dem eigenen Bürger nur je de erdenliche Klimaschutz-Last ausferlegt . Das die Lagerstätten am Ende von einer tcheschichen Firma weiter ausgebeutet werden, das halte ich für einen Skandal.

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