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22.02.2016

17:20 Uhr

Klimawandel

Versicherungen sollen gegen Rekord-Zyklone schützen

VonSilke Kersting

Der Zyklon Winston hat schwere Schäden auf den Fidschi-Inseln angerichtet. Experten rechnen mit einer Zunahme der Wetterextreme – vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Neue Versicherungen sollen schützen.

In Suva (Fidschi) zerstörte der Zyklon Winston nicht nur zahlreiche Marktstände. Viele Einwohner haben ihre Häuser verloren. dpa

Zerstörte Insel

In Suva (Fidschi) zerstörte der Zyklon Winston nicht nur zahlreiche Marktstände. Viele Einwohner haben ihre Häuser verloren.

BerlinDie Kräfte, die Häuser, Palmen und Strommasten auf den Hauptinseln der Fidschis am Wochenende umrissen und Menschen töteten, müssen gewaltig gewesen sein. Windgeschwindigkeiten um 300 Stundenkilometer, noch kräftigere Böen: Der Zyklon Winston gilt als der stärkste dokumentierte Wirbelsturm auf der Südhalbkugel und ist der erste Sturm der höchsten Kategorie fünf, der jemals die Fidschi-Inseln traf. Hilfsorganisationen befürchten, dass die Existenzgrundlage hunderter Menschen vernichtet wurde.

Das allein wäre schon schlimm genug – doch die Aussichten sind noch schlimmer. Umweltexperten rechnen aufgrund des Klimawandels vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern mit einer zunehmenden Zahl von Wetterextremen. Wer diese Entwicklung mit allergrößter Akribie beobachtet, ist der Rückversicherer Munich Re. Schließlich zwingt der Klimawandel den Konzern dazu, immer mehr Geld auszuzahlen. Seit den 1980er Jahren, so zeigen dessen Statistiken, ist die Zahl der Naturkatastrophen bereits um den Faktor drei gestiegen.

Bilanz 2013: Naturkatastrophen richten Millionenschäden an

Weniger Schäden...

Die durch Naturkatastrophen, Unglücke und Unfälle verursachten Kosten sind 2013 nach Angaben des Rückversicherers Swiss Re wieder gesunken. Der wirtschaftliche Gesamtschaden lag nach einer vorläufigen Studie bei 130 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als 2012, dem drittteuersten Schadensjahr in der Geschichte. Versichert waren allerdings nur 44 Milliarden Dollar.

... aber mehr Tote

Die Zahl der Todesopfer durch Katastrophen stieg 2013 allerdings deutlich: Die Katastrophen forderten insgesamt etwa 25.000 Menschenleben, im Vorjahr waren es rund 14.000. Vor allem der Taifun Haiyan auf den Philippinen kostete viele Menschenleben.

Überflutungen in Europa...

Mehrere Überflutungen verursachten hohe Schäden. Die Überschwemmungen in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas im Juni etwa schlugen mit 18 Milliarden Dollar zu Buche, wovon die Versicherungsbranche 4 Milliarden Dollar trug. Nach Einschätzung der Swiss Re handelt es sich um die teuerste Katastrophe des Jahres 2013.

... und im Rest der Welt

Auch in der kanadischen Provinz Alberta traten Wasser über die Ufer und verursachten 2 Milliarden Dollar Versicherungsschäden – Platz 3 in der Swiss-Re-Statistik. Auch in Australien, Indien, China, Indonesien, im südlichen Afrika und in Argentinien kam es 2013 zu schweren Regenfällen und Überflutungen.

Hagel und Stürme in Europa

Diverse Stürme richteten in Europa schwere Schäden an. So fegte der Hagelsturm Andreas im Juli über Deutschland und Frankreich hinweg, die versicherten Schäden beziffert die Swiss Re auf 3,8 Milliarden Dollar – die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Sturmtief Christian richtete in Zentral- und Nordeuropa Versicherungsschäden von mehr als 2,7 Milliarden Dollar an (1,4 Milliarden Dollar Versicherungsschaden). Auch der Anfang Dezember tobende Orkan Xaver war teuer: mehr als 1,4 Milliarde Dollar versicherte Schäden.

Milde Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison in den USA fiel 2013 vergleichsweise mild aus, dafür kann es im Frühling und Herbst zu schweren Gewittern und Tornados. Die Schäden summieren sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Industrienationen wollen nun den in diesen Ländern oft gering ausgeprägten Versicherungsschutz gegen extreme Wetterereignisse ausbauen. Darüber hatten sowohl die sieben führenden Industrienationen (G7) auf ihrem Gipfeltreffen im vergangenen Jahr als auch die internationale Klimadiplomatie in Paris im Dezember beraten. Schätzungen zufolge sind in Entwicklungs- und Schwellenländern bisher nur etwa 100 Millionen arme Menschen gegen Klimarisiken versichert. Eine G7-Initiative zur Klimarisikoversicherung hat das Ziel, bis 2020 weitere 400 Millionen gegen solche Risiken abzusichern.

Der Vorteil liegt auf der Hand: keine mühsame Suche nach Geldgebern nach einer Katastrophe, sondern die Auszahlung von Geld nach vorher fest definierten Kriterien.

Ansätze für Klimarisiko-Versicherungen gibt es bereits, etwa die African Risk Capacity (ARC), die mit deutsch-britischer Hilfe afrikanische Länder gegen Dürreschäden versichert. Mit dem Geld kann später neues Saatgut, Nahrung und Futter für das Vieh beschafft werden. Auch in der Karibik können sich über das Programm Climate Risk Adaptation and Insurance in the Carribean (CCRIF) einkommensschwache Bevölkerungsschichten gegen wetterbedingte Katastrophen versichern. Es soll etwa Kleinbauern davor schützen, durch Hurrikane oder Überschwemmungen ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Erste Versicherungspolicen wurden 2013 übergeben.

Bilanzcheck Munich Re: Der Riese hat Wachstumsprobleme

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Die Munich Re – der weltgrößte Rückversicherer – hat harte Zeiten vor sich. Schuld daran ist nicht nur der niedrige Zinssatz. Doch der Konzern ist vorbereitet. Ein detaillierter Blick in die Bilanz.

Für den Pazifik gibt es die Pacific Catastrophe Risk Assessment & Finance Initiative (PCRAFI). Das Programm wird von verschiedenen Geldgebern finanziert und von der Weltbank umgesetzt. Die Munich Re etwa ist über New Re in Zürich als einer von fünf Versicherern an der Rückdeckung des Projekts beteiligt. Gedeckt werden Risiken aus Naturgefahren in einigen südpazifischen Inselstaaten, etwa für die Cook-Islands, die Marshall Islands, Tonga und Samoa.

Bislang ist die Versicherungsdichte auf Fidschi „leider noch eher gering“, sagt Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung von Munich Re, dem Handelsblatt. Andere Staaten im Südpazifik haben aber bereits von der Versicherungslösung profitiert. Tonga beispielsweise erhielt 2014 nach dem Durchzug des tropischen Wirbelsturms Ian 1,3 Millionen US-Dollar. Die Auszahlung ist häufig nicht an tatsächliche Schadenssummen gekoppelt, sondern an die Stärke der jeweiligen Naturkatastrophe. Der Vorteil: Das Geld fließt schneller.

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