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15.12.2013

11:34 Uhr

Klitschko-Forderung

„Deutschland soll sich in der Ukraine einschalten“

Deutschland hat viel Einfluss in der Ukraine. Oppositionsführer Klitschko fordert deshalb, dass sich Regierung in Berlin in den Streit zwischen politischer Führung und Opposition einschaltet. Neue Proteste stehen bevor.

Oppositionsführer und Boxweltmeister Vitali Klitschko wünscht sich in der Ukraine mehr direkte Einflussnahme aus Berlin. Reuters

Oppositionsführer und Boxweltmeister Vitali Klitschko wünscht sich in der Ukraine mehr direkte Einflussnahme aus Berlin.

KiewIm Konflikt mit der ukrainischen Regierung über den Kurs des Landes setzt Oppositionsführer Vitali Klitschko auf deutsche Diplomatie. „Deutschlands Wort hat hier großes Gewicht“, sagte der Boxweltmeister in einem Interview des „Spiegel“. „Ich wäre froh, wenn sich die Bundesregierung als Vermittlerin einschalten würde.“

Schon der Besuch von Außenminister Guido Westerwelle sei sehr wichtig gewesen. Auch der Kontakt zu Kanzlerin Angela Merkel sei ermutigend. Russland hatte Westerwelle scharf kritisiert, der sich in Kiew unter anderem mit Demonstranten in Kiew getroffen hatte, die eine Annäherung des Landes an die EU statt nach Moskau fordern.

Vitali Klitschko – Boxer, Ehemann und Politiker

Kindheit

Vitali Klitschko ist der ältere Bruder von Wladimir Klitschko. Der Vater, Wladimir Rodionowitsch Klitschko, war Offizier in der sowjetischen Armee, die Mutter, Nadeschda Uljanowna Klitschko, Pädagogin. Bis zum 13. Lebensjahr hatte Vladimir Klitschko mit Boxen kaum etwas zu tun gehabt. Erst als der Vater auf einen sowjetischen Militärstützpunkt in Hradčany, Tschechoslowakei, versetzt wurde, begann er erste Erfahrungen mit dem Boxsport zu machen.

Studium

Klitschko schloss an der Pädagogischen Universität „Hryhorij Skoworoda“ in Perejaslaw-Chmelnyzkyj (Ukraine) ein Sportstudium auf Lehramt mit Auszeichnung ab. 2000 folgte die Promotion in Sportwissenschaften. Das Thema seiner Dissertation: „Sportbegabung und Talentförderung“. Zu der Zeit war er schon seit vier Jahren Amateurboxsportler.

Kickboxen

Was viele wahrscheinlich nicht wissen: Vitali Klitschko begann seine Boxkarriere im Kickboxen. 1991 wurde er als Armeesportler Kickbox-Weltmeister in Paris. Es folgten fünf weiter Weltmeistertitel. Während seiner Karriere im Kickboxen erlitt er zudem die bisher einzig K.O.-Niederlage seiner gesamten Sportlerlaufbahn. Im bulgarischen Warna ging er 1992 gegen den Briten Pele Reid in der zweiten Runde nach einem Tritt ans Kinn zu Boden.

Amateurboxen

Zeitgleich zum Kickboxen bestritt Vitali Klitschko außerdem einige Amateurboxkämpfe. 1996 wollte er bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta für die Ukraine im Boxen antreten. Allerdings wurde ihm bei einer Dopingprobe die Einnahme des damals bei Sportlern beliebte Steroids Nandrolon nachgewiesen. Es folgte eine einjährige Sperre. Für Vitali wurde sein Bruder Wladimir nachnominiert, der bei den Spielen 1996 die Goldmedaille gewann.

Profiboxen

Nach den Olympischen Spielen führt der Weg der beiden Boxer Vitali und Wladimir nach Deutschland. Sie beginnen ihre Profikarriere. Gerade einmal drei Jahre, 1999, später wurde Vitali zum ersten Mal Weltmeister der WBO im Schwergewicht. Besonders in Erinnerung bleiben wird der Kampf gegen Lennox Lewis, den der ältere Klitschko nach einer umstrittenen Entscheidung des Ringarztes verloren hatte. Der Arzt ließ den Kampf aufgrund einer Platzwunde im Augenbereich Klitschkos abbrechen. Zu diesem Zeitpunkt lag Vitali auf allen Punktzettel der Punktrichter klar vorne.

Auszeit

Nach 2004 folgte eine Zwangspause. Mehrere Verletzungen – unter anderem ein Meniskusriss im rechten Knie, ein Kreuzbandriss und ein Bandscheibenvorfall – zwangen Vitali zu diesem Schritt. Erst vier Jahre später kehrte er in den Ring zurück. Während der Zeit begann sein erste politischen Engagement.

Bürgermeisterwahlen

Während der Zwangspause engagierte sich Vitali zunehmen für die Orange Revolution in der Ukraine. 2006 trat er zum ersten Mal bei der Wahl zum Bürgermeister Kiews an und erhielt 29 Prozent der Stimmen. Bei den vorzeitigen Wahlen 2008 trat er mit dem nach ihm benannten Wahlbündnis „Blok Witalij Klytschko“ ein weiteres Mal an und kam hinter Amtsinhaber Tschernowezkyj und Olexandr Turtschynow auf den dritten Platz. Zwei Jahre später wurde Klitschko zum Vorsitzenden der neu gegründeten Partei Ukrainische demokratische Allianz für Reformen (Ukrajinskij demokratitschnij aljans sa reformy) UDAR gewählt.

Parlamentswahlen

2012 trat Klitschko für die ukrainischen Parlamentswahlen als Spitzenkandidat an. Erklärtes Ziel war es, mindestens 15 Prozent der Stimmen zu bekommen. Am Ende reichte es nur für 13,9 Prozent. Dennoch wurde die Klitschko-Partei drittstärkste Fraktion im Parlament.

Privates

Seit 18 Jahren ist Vitali Klitschko mit seiner Frau Natalia verheiratet. Sie haben drei Kinder.

Klitschko warnte zudem vor einer Eskalation der wochenlangen Proteste gegen Präsident Viktor Janukowitsch von Seiten der Sicherheitskräfte. Sollte es zu einem Polizeieinsatz kommen, würde das „schlimme Folgen“ für das Land und für den Präsidenten haben. Für Sonntag hat die Opposition um Klitschko zu einer Großkundgebung aufgerufen.

Nach einem Gespräch von Anführern der Protestbewegung mit der Regierung am Freitag kritisierte Klitschko, Janukowitsch sei der Opposition kaum entgegengekommen. Dem „Spiegel“ sagte er: „Ich fürchte, dass ein Runder Tisch nur dazu dienen soll, uns mit leerem Gerede hinzuhalten.“

Kommentare (20)

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Ratlos

15.12.2013, 13:22 Uhr

Was für ein Demokratieverständnis. Wahlergebnisse interessieren nur, wenn sie EU-konform sind. Die Ukrainer, die nicht zur EU wollen, werden dann einfach zwangsintegriert? Der Klitschko soll einfach die Legislaturperiode abwarten - eben wie in einer Demokratie - warum geht das nicht???

Ratlos

15.12.2013, 13:24 Uhr

ganz meine Meinung....so kann es nicht weitergehen. Sie, die EU, die USA machen es immer nur noch viel schlimmer....die Ukraine wird so nie zur Ruhe kommen!!

Pequod

15.12.2013, 14:12 Uhr

'Deutschland soll sich in der Ukraine einschalten'?
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Die werden sich bedanken, wenn man sich an die Rolle
Deutschlands in dem Großen Vaterländischen Krieg in
den 'Jahren des Heils' erinnert. Wurde das inzwischen etwa vergessen?

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