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13.09.2014

04:25 Uhr

Koalition gegen Extremisten

Mein Freund, der Ayatollah

Barack Obama schmiedet eine Front gegen die IS. Sie werden staunen, wer dabei  Freund und wer Feind ist - und was Frankreich dazu sagt.

US-Außenminister John Kerry: Die USA will den Iran nicht als Koalitionspartner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. ap

US-Außenminister John Kerry: Die USA will den Iran nicht als Koalitionspartner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

AnkaraIm Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat gibt es Unstimmigkeiten darüber, welche Länder an einer weltweiten Koalition gegen die Extremisten beteiligt werden sollen. Während Frankreich den Iran zu einer internationalen Konferenz einladen will, schließen die USA eine Beteiligung des Landes aus.

US-Außenminister John Kerry sagte während eines Besuches in der Türkei am Freitag erneut, es sei nicht angemessen, den Iran an Gesprächen über ein solches Bündnis zu beteiligen. Das Land, mit dem der Westen und vor allem die Vereinigten Staaten seit langem Kontroversen etwa um das iranische Atomprogramm austragen, habe die syrische Regierung von Machthaber Baschar al-Assad unterstützt, damit sie an der Macht bleibe. Dies habe dem IS erst zu einem Aufkommen verhelfen können.

Frankreich hatte zuvor erklärt, den Iran zu einer Konferenz über das internationale Vorgehen gegen die Extremisten einzuladen. In den Augen Frankreichs macht der Einfluss Teherans auf die Sunniten im Irak die dortige Regierung zu einem logischen Ansprechpartner. Die einzige Hürde für eine Teilnahme der schiitischen Regionalmacht an dem Treffen am Montag in Paris sei die Zustimmung der Partner, sagte ein mit der Planung der Konferenz beauftragter Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AP.

„Niemand hat mich angerufen und gefragt“, sagte Kerry am Freitag zu den französischen Plänen. Mehrere Gründe sprächen gegen eine Einbindung des Irans. So warf Kerry dem Land unter anderem vor, „ein staatlicher Sponsor des Terrors“ in einigen Gebieten der Welt zu sein.

Islamischer Staat: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

Dem Iran selbst ist an einem Vorgehen gegen den sunnitischen IS gelegen. Der iranische Botschafter im Irak, Hassan Danaee, brachte am Freitag seine Hoffnung auf eine Teilnahme an der Pariser Konferenz zum Ausdruck. Sein Land habe großes Interesse an Stabilität in dem Nachbarland.

Die USA drängen dagegen die Türkei, ihren Widerstand gegen ein Mitwirken an der globalen Strategie aufzugeben. Die Extremisten halten 49 Geiseln aus der Türkei in ihrer Hand, darunter Angestellte des türkischen Konsulats in Mossul. Kerry forderte seinen türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu am Freitag auf, die Grenzen stärker zu überwachen. Die Türkei, die sowohl an Syrien als auch an den Irak grenzt, hat sich bisher nicht öffentlich hinter das Vorgehen gegen den IS gestellt.

Staats- und Regierungschefs weltweit fordern ein möglichst schnelles Vorgehen gegen die Terrormiliz, bevor sie weitere Regionen in Syrien und im Irak in ihre Gewalt bringt. Konkrete Schritte der internationalen Allianz sind jedoch unklar.

Nach Angaben Kerrys haben 40 Länder bislang verschiedene Möglichkeiten ihrer Unterstützung zugesagt. Manche wollen humanitäre Hilfe für verfolgte Minderheiten zur Verfügung stellen, andere auch militärisch aktiv werden. Frankreichs Präsident François Hollande hatte bei einem Treffen mit dem neuen irakischen Regierungschef Haidar al-Abadi am Freitag in Bagdad Unterstützung durch französische Luftangriffe im Irak zugesichert.

Frankreich liegt mit den USA nicht nur über den Umgang mit dem Iran über Kreuz, sondern auch in der Frage nach einer Ausweitung der Angriffe auf Syrien. Paris befürchtet, dass Luftschläge gegen die Extremisten in Syrien Assads Macht im Land stärken könnten.

Von

ap

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