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13.10.2014

06:27 Uhr

Kobane weiter umkämpft

Kurden stoppen Vormarsch der IS-Terroristen

Kobane ist hart umkämpft. Doch offenbar haben die kurdischen Kämpfer das Vorrücken der Terrormiliz Islamischer Staat gestoppt. Aber die IS-Extremisten kontrollierten mehr als ein Drittel der Stadt.

Stadt in Schutt und Asche

Amateurvideo zeigt Schäden in Kobane

Stadt in Schutt und Asche: Amateurvideo zeigt Schäden in Kobane

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MürsitpinarDie Kurden in der syrischen Stadt Kobane haben den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat nach Angaben von Aktivisten erst einmal gestoppt. Seit Freitag seien die Terroristen nicht weiter vorwärts gerückt, teilte das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte am Sonntag mit. Ein kurdischer Aktivist sagte, es sei am Sonntag abgesehen von vereinzelten Schusswechseln relativ ruhig in dem Ort. Die USA und ihre Verbündeten flogen mehrere Bombenangriffe.

Die IS-Kämpfer hätten am Samstag im Süden der Stadt eine Offensive gestartet, seien aber zurückgeschlagen worden, sagte der kurdische Aktivist Farhad Schami am Telefon. Viele Angreifer seien gefallen oder bei Luftangriffen getötet worden. Kurdischen Kämpfern sei es gelungen, das Grenzdorf Tel Schair westlich von Kobane zurückzuerobern.

Das Beobachtungszentrum berichtete, 36 Dschihadisten seien getötet worden. Der Vorsitzende des Beobachtungszentrums, Rami Abdurrahman, sagte, der IS habe vor Kobane offenbar nicht mehr genügend Kämpfer und warte auf Verstärkungen. Unter anderem schicke er Mitglieder seiner Religionspolizei an die Front. Die IS-Extremisten kontrollierten mittlerweile aber mehr als ein Drittel der Stadt.

Islamischer Staat: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

Seit Beginn der Kämpfe um Kobane sind dort nach Angaben des Beobachtungszentrums etwa 550 Menschen getötet worden – zirka 300 IS-Angehörige, 225 kurdische Kämpfer und 20 Zivilisten. Die Verluste aufseiten des IS könnten aber deutlich höher sein. Mehr als 200 000 Menschen wurden zur Flucht in die Türkei gezwungen.

Das US-Zentralkommando gab bekannt, Flugzeuge des USA, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate hätten am Wochenende vier Luftangriffe geflogen und dabei eine IS-Stellung und einen Sammelpunkt zerstört.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut zogen Hunderte Kurden vor die Uno-Vertretung. Sie riefen Sprechchöre und forderten Hilfe für die kurdischen Kämpfer in Kobane. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, es stünden Tausende Leben auf dem Spiel. „Ich rufe nochmals alle Beteiligten auf, ihre Bemühungen zu verstärken, um ein Massaker zu verhindern und die Zivilisten in Kobane zu schützen“, sagte er.

Am Freitag hatte der IS versucht, einen Grenzübergang zu besetzen und Kobane so vom Nachschub abzuschneiden. Für den IS ist Kobane wichtig, weil die Stadt das Bindeglied ist zwischen seinen Stellungen in der syrischen Provinz Aleppo und seiner Hochburg Rakka. Durch eine Eroberung der Stadt würde zudem der kurdische Widerstand ausgeschaltet und die Terrormiliz erhielte die Kontrolle über ein ausgedehntes Stück der syrisch-türkischen Grenze. Die Kurden in Kobane wehren sich zwar energisch und entschlossen, doch sind sie gegen die schweren Waffen der Extremisten deutlich im Nachteil.

Unterdessen hat das US-Militär inen Ansturm von IS-Kämpfern auf den Flughafen von Bagdad kürzlich mit dem Einsatz von Apache-Kampfhubschraubern verhindert. Die Extremisten seien nur 24 Kilometer entfernt gewesen und hätten die irakischen Truppen zu überrennen gedroht, sagte der amerikanische Generalstabschef Martin Dempsey am Sonntag in der ABC-Sendung „This Week.“

Mit Blick auf den Kampf gegen die Terrormiliz in Syrien brachte er eine mögliche Flugverbotszone über dem Bürgerkriegsland ins Spiel. In der Zukunft könnten es die Umstände erfordern, dass eine solche Maßnahme Teil der Militärkampagne sein werde.

Kommentare (2)

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Herr Teito Klein

13.10.2014, 10:25 Uhr

Kobane ist noch kurdisch
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Die Terrormiliz IS kontrolliert zwar 40% von Kobane, konnte aber am Sonntag nicht weiter vorrücken.
Um die Schlacht für sich zu entscheiden, habe der IS Kämpfer aus den Provinzen Rakka und Aleppo abgezogen und nach Kobane beordert.

Mittlerweile sind viele Zivilisten aus Kobane in die Türkei geflohen. Dort leben sie in Zelten und von der Unterstützung durch Hilfsorganisationen. Von der Trkei erhalten sie keinerlei Unterstützung.

elly müller

13.10.2014, 10:37 Uhr

Da sehen wir täglich wie die türkischen Panzer an der Grenze zu Syrien stehen und zuschauen wie dort ein Massaker abgehalten wird!

Gibt es noch einen besseren Beweis dafür, was für ein falsches Spiel die Türkei spielt!

Wie kommen die dazu den Kurden zu verbieten nach Kobane zu gehen und dort mit ihren Kameraden gegen die IS zu kämpfen?

Das alleine sagt alles aus! Die Türkei war und ist immer noch Unterstützer der IS! Warum wohl wird der kleine Posten von Türken, die in Syrien ein Denkmal bewachen, nicht angegriffen?????????

Auch, dass die Menschen die geflohen sind nicht unterstützt werden ist schon mehrfach in Berichten zu hören gewesen!

Wo bleibt die Unterstützung aus Deutschland für die Flüchtlinge vor Ort?

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