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12.10.2016

13:13 Uhr

König Bhumibol

Der kranke Halbgott bestimmt Thailands Schicksal

VonMathias Peer

Trügerische Stabilität in Thailand: Das Volk bangt um den kranken König. Die Gerüchte haben schon jetzt einen Börsencrash in Bangkok ausgelöst. Der Tod des Monarchen könnte die Militärdiktatur in neue Unruhen stürzen.

Das Volk bangt um den kranken Morachen. AP

Beeten für den König

Das Volk bangt um den kranken Morachen.

BangkokSie sind gekommen, um zu beten: Mehr als 100 Thailänder haben sich am Mittwoch vor dem Siriraj-Krankenhaus in Bangkok versammelt, in dem ihr schwer kranker König Bhumibol Adulyadej behandelt wird. Sie zünden Räucherstäbchen an und halten Portraitfotos des 88-jährigen Monarchen in die Luft. Der Gesundheitszustand des längstdienenden Staatsoberhaupts der Welt ist nach jüngsten Angaben aus dem Palast instabil. Das Land fürchtet um seinen Anführer, der in der Bevölkerung wie ein Halbgott verehrt wird.

Bhumibol gilt in dem politisch tief gespaltenen Land als eine der wenigen einenden Kräfte. Die Sorge um seine Gesundheit geht mit der Sorge um Thailands Stabilität einher.

Die Nachrichten aus dem Königshaus haben Thailands Finanzmärkte in einen Schockzustand versetzt. Nach der jüngsten Gesundheitsmitteilung aus dem Palast gab Thailands Leitindex SET am Montag um fast drei Prozent nach. Am Mittwoch stürzte die Börse dann zeitweise um bis zu 6,9 Prozent ab.

Thailand und die Rolle des Militärs

Das Militär kontrolliert die Regierung

Seit Jahrzehnten spielt das Militär in Thailand eine besonders einflussreiche Rolle. Erschienen der Militärführung Parlament und politische Parteien als zu schwach oder zu korrupt oder galten die Einheit des Landes und die Monarchie als gefährdet, schritten die Militärs ein. Zuletzt putschte im Mai 2014 Armeechef Prayut Chan-o-cha nach monatelangen Straßenprotesten gegen die gewählte Regierung des politisch tief gespaltenen Landes.

(Quelle: dpa)

Die Konfliktlinien

Auf der einen Seite stehen die Anhänger des schon 2006 gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra. Mit populären Maßnahmen wie Kleinkrediten und bezahlbarer Krankenversicherung machte er die ärmere Stadt- und Landbevölkerung zu treuen Anhängern. Kritiker warfen ihm aber Korruption und Vetternwirtschaft vor. Auf der anderen Seite organisierte die kleine Elite, die die Politik bis dahin bestimmt hatte, Straßenproteste. Das Militär stürzte Thaksin, danach wechselten sich Pro- und Anti-Thaksin-Regierungen ab, jeweils verbunden mit blutigen Protesten des anderen Lagers.

Die jüngste Protestwelle

Zweieinhalb Jahre nach dem Amtsantritt von Thaksins Schwester Yingluck begann Ende 2013 eine neue Protestwelle. Gegner blockierten Straßen und stürmten Regierungseinrichtungen. Sie warfen ihr Korruption vor. Am 22. Mai 2014 schritt das Militär ein.

Neue Verfassung

Vor wenigen Tagen stimmte die Bevölkerung einer neuen Verfassung zu, die laut Militärregierung den Weg zu Wahlen 2017 ebnen soll. Aus Sicht von Kritikern zementiert die Verfassung aber ihre Macht des Militärs.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Chef der regierenden Militärjunta, Prayuth Chan-ocha, eine Dienstreise abgebrochen hatte, um nach Bangkok zurückzukehren. Er empfing dort am Flughafen den aus Deutschland angereisten Maha Vajiralongkorn. Der Kronprinz verbringt regelmäßig viel Zeit in München und Umgebung.

Die thailändische Landeswährung Baht gab angesichts der Turbulenzen am Mittwoch im Vergleich zum US-Dollar um 1,1 Prozent nach. Ausländische Investoren zogen nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg allein am Montag und Dienstag mehr als 400 Millionen Dollar von thailändischen Staatsanleihen ab.

„Die Nachrichten über den Gesundheitszustand des Königs bringen einen neuen Unsicherheitsfaktor für Thailands politische Lage und belasten deshalb die Stimmung der Investoren“, sagt Krystal Tan, Analystin des Beratungshauses Capital Economics im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Es gibt offensichtlich die Befürchtung, dass die Thronfolge zu neuer Unruhe im Land führen könnte.“

Kommentare (3)

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Herr Andreas Kertscher

12.10.2016, 13:58 Uhr

Das Problem, über das niemand wirklich sprechen mag/darf, ist Folgendes: Das Militärregime arbeitet für die reiche "Elite" mit der Prinzessin Sirindhorn zusammen, die aber nicht Königin werden kann. Sie wollen das Rad der Zeit zurückdrehen. Der Prinz hingegen ist progressiv und auf Seiten der gestürzten Premiers. Wenn er König wird, bekommt das Militär Schwierigkeiten. Deshalb wird der König so lange wie möglich am Leben erhalten.

Account gelöscht!

12.10.2016, 14:20 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

12.10.2016, 16:49 Uhr

@ Annetchen alte Sahneschnitte

"Ach so. Und ich hatte immer gedacht, Ihre Kommentare wären ernst gemeint..."

Wenn Sie seit Monaten alle meine Kommentare gelesen haben....glauben Sie im Ernst das wäre alles Ernst gemeint????
Dann müßte ich so einen an der Waffel haben....ich bitte Sie...wir sind doch im HBO und nicht auf spiegel-online.

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