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25.08.2016

03:40 Uhr

Kolumbien

Einigung mit Rebellen nährt Hoffnung auf Frieden

Nach über 220.000 Toten sehnt Kolumbien den Frieden herbei. Das Paket für einen Friedensvertrag mit den Farc-Rebellen steht, im Oktober soll das Volk darüber abstimmen. Die Wirtschaft dürfte vom Ende des Konflikts profitieren.

Der Verhandlungsführer der kolumbianischen Rebellenarmee Farc, Ivan Marquez (l.) und der Verhandlungsführer der kolumbianischen Regierung, Humberto de la Calle (r.), schütteln sich nach dem erfolgreichen Ende der Friedensverhandlungen die Hand. Reuters

Frieden für Kolumbien

Der Verhandlungsführer der kolumbianischen Rebellenarmee Farc, Ivan Marquez (l.) und der Verhandlungsführer der kolumbianischen Regierung, Humberto de la Calle (r.), schütteln sich nach dem erfolgreichen Ende der Friedensverhandlungen die Hand.

Bogotá/HavannaIn Kolumbien beginnt eine neue Ära. Nach über 50 Jahren des internen Konflikts, Zehntausenden Toten und Millionen Vertriebenen schließen die Regierung und die linken Farc-Rebellen Frieden. Seit 2012 war in der kubanischen Hauptstadt Havanna an einem Friedenspaket gearbeitet worden. Der Vertrag solle Ende September unterzeichnet werden, teilte die Regierung am Mittwoch mit.

Diskutiert wurde zuletzt vor allem noch die Finanzierung des Friedensprozesses und die Sicherung von 17 Friedenszonen im Land, in denen frühere Farc-Kämpfer legal leben können. Bereits vereinbart ist eine Sonderjustiz mit Haftstrafen von maximal acht Jahren. Rund 2000 inhaftierte Kämpfer können beim Abschluss eines Vertrags auf ihre Entlassung hoffen. Derzeit soll die Farc noch 8000 Kämpfer haben.

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„Es geht nicht nur um das Schweigen der Gewehre, es geht um neue Chancen“, sagte der Verhandlungsführer der Regierungsdelegation, Humberto de la Calle, am Mittwoch beim Abschluss der Friedensgespräche. „Es öffnen sich Wege, um die Gewalt hinter uns zu lassen und in gegenseitigem Respekt etwas Neues aufzubauen.“

Damit ist der älteste Konflikt Lateinamerikas offiziell Geschichte. Allerdings müssen die Kolumbianer den Friedensvertrag noch in einer Volksabstimmung billigen. Umfragen deuten aber darauf hin, dass das Referendum alles andere als ein Selbstläufer werden wird. Zu sehr haben die vielen Bombenattentate, Entführungen und Morde der Rebellen das Land gespalten. Und eine weitere Unbekannte: Wird es in den demilitarisierten Zonen friedlich bleiben - oder könnten rechte Paramilitärs alte Rechnungen begleichen?

„Eine zentrale Gefahr für den Frieden geht von paramilitärischen Gruppen aus. Es wird keinen dauerhaften Frieden in Kolumbien geben, wenn der Staat nicht gezielt gegen die Paramilitärs und ihre Unterstützerkreise vorgeht“, sagt der Leiter von Caritas international, Oliver Müller. Nach der offiziellen Demobilisierung der Gruppen Mitte der 2000er Jahre schlossen sich viele Kämpfer kriminellen Banden an, die in Drogenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt sind.

„Die Regierung wird den Friedensvertrag nur mit einem Akteur des Konflikts schließen“, gibt die Journalistin Ginna Morelo von der Tageszeitung „El Tiempo“ zu bedenken. „Es gibt weitere Akteure, die nicht die Waffen niedergelegt haben, die nicht am Verhandlungstisch sitzen.“

Die kleinere ELN-Guerilla kämpft beispielsweise noch immer gegen den Staat. Immer wieder verüben die Rebellen Anschläge auf die Infrastruktur und entführen Polizisten und Politiker. Die Regierung hat die Freilassung aller Geiseln zur Voraussetzung für formelle Friedensgespräche gemacht.

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Nach mehr als 50 Jahren der Gewalt ist in Kolumbien Frieden in greifbarer Nähe. Die Farc-Guerilla will dem bewaffneten Kampf abschwören. Ein Waffenstillstand gilt als Voraussetzung für einen endgültigen Friedensvertrag.

Aber schon durch die Verhandlungen in Havanna und die Ende Juni vereinbarte Waffenruhe ist der Konflikt in seine bisher ruhigste Phase seit Gründung der Farc im Jahre 1964 getreten. Laut einer Analyse des Instituts CERAC gab es seit fast 50 Tagen keine Kämpfe mehr zwischen Farc und Militär. In den vergangenen 13 Monaten gab es nur vier Tote bei Kampfhandlungen der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, abgekürzt als Farc).

Im internen Konflikt Kolumbiens starben seit den 1960er Jahren über 220.000 Menschen; rund fünf Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen.

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