Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.09.2016

14:27 Uhr

Kolumbien

Endlich Frieden, endlich Wachstum

VonKlaus Ehringfeld

Kolumbien wird plötzlich zum Hoffnungsträger Lateinamerikas. Am Montag soll der Friedensvertrag mit den FARC-Rebellen unterzeichnet werden. Präsident Santos verspricht sich Wachstum – und wirbt um deutsche Investitionen.

Schriftsteller, Künstler und Sportler rufen dazu auf, mit „Si“ zu stimmen, wenn das Volk am 2. Oktober das ausgehandelte Abkommen zum Frieden mit den FARC-Rebellen absegnen soll. dpa

Bogotá sagt „Ja“

Schriftsteller, Künstler und Sportler rufen dazu auf, mit „Si“ zu stimmen, wenn das Volk am 2. Oktober das ausgehandelte Abkommen zum Frieden mit den FARC-Rebellen absegnen soll.

Bogotá/Mexiko-StadtIn diesen Tagen, in denen der Frieden vor der Tür steht, kennt Kolumbien kaum ein anderes Thema. „Si“ o „No“ – Ja oder Nein, Frieden mit den FARC-Rebellen oder die Fortsetzung des Krieges, der das südamerikanische Land schon seit einem halben Jahrhundert ausbluten lässt?

Die Menschen diskutieren auf der Straße und bei der Arbeit. Im Fernsehen laufen Spots, die für das Abkommen werben. Schriftsteller, Künstler und Sportler rufen dazu auf, mit „Si“ zu stimmen, wenn das Volk am 2. Oktober in einem Plebiszit das ausgehandelte Abkommen absegnen soll. Nur Ex-Präsident Álvaro Uribe erweist sich als Spielverderber. Der Rechtsaußen ist der Kopf der „No“-Bewegung. Er hält die FARC für Terroristen und Drogenhändler. Und denen mache man keine Zugeständnisse.

Vor einem Monat hat sich die größte und älteste Linksguerilla Lateinamerikas mit der Regierung in Bogotá auf ein umfassendes Abkommen geeinigt, das tatsächlich mal das Adjektiv „historisch“ verdient: Ende der Kämpfe, Ende des Drogenhandels durch die Rebellen, Eingliederung der FARC in die Politik, Übergangsjustiz und symbolische Strafen für die Täter. Eine große Infrastrukturoffensive soll die rückständigen Gebiete entwickeln.

Kolumbien

Francisco Santos: „Eine Entschuldigen kann nicht allgemein sein."

Kolumbien: Francisco Santos: „Eine Entschuldigen kann nicht allgemein sein."

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kolumbien ist in dem derzeit so gebeutelten Lateinamerika plötzlich die Hoffnungsgeschichte. In Mexiko dominieren Krisen und Kartelle, Brasilien ächzt unter den Nachwehen des Präsidentensturzes, Venezuela kollabiert, und auch Argentinien kommt nicht auf die Füße.

Nun schreibt das Land die schönen Geschichten, das über 52 Jahre für Bürgerkrieg, Mord, Vertreibung und Rückständigkeit bekannt war. Am Montag soll das Übereinkommen feierlich in Cartagena unterzeichnet werden. Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon und US-Außenminister John Kerry haben sich angesagt.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hat die Friedensverhandlungen gegen zahlreiche Widerstände betrieben. Dabei hat sich der Politiker vom Falken zur Taube gewandelt. Unter Präsident Uribe (2002 bis 2010) war Santos ab 2006 Verteidigungsminister und für das harte militärische Vorgehen gegen die FARC verantwortlich. In den Jahren wurden die Rebellen erheblich geschwächt. Als Santos 2010 selbst Präsident wurde, setzte er dann aber auf Worte statt Waffen.

Bereits mehrfach hatten Regierung und FARC in der Vergangenheit versucht, den Bürgerkrieg zu beenden. Aber alle Prozesse scheiterten. Die jetzt erfolgreichen Friedensgespräche hatten in der Hauptstadt Havanna am 18. Oktober 2012 begonnen und sollten eigentlich nur einige Monate dauern. Vor dem Hintergrund der immensen Probleme, die es zu lösen galt, war dies unrealistisch.

Zwei Generationen von Kolumbianern kennen nichts anderes als Krieg, Zerstörung, Mord und Entführung. 220.000 Tote und mehr als sechs Millionen Binnenvertriebene hat das südamerikanische Land zu verkraften. Wirtschaft und Infrastruktur des drittbevölkerungsreichsten Staates Lateinamerikas wurden durch den Krieg zurückgeworfen. Jahrzehnte machten Investoren und Unternehmen einen großen Bogen um Kolumbien.

Mit dem Beginn der Friedensverhandlungen allerdings änderte sich das. Kolumbien gehört heute zu den aufstrebenden Staaten der Region. So sieht Santos durch den Frieden mit den FARC dann auch große Chancen für die Wirtschaft seines Landes. „Unsere Prognosen innerhalb der Regierung, die sich mit denen von Universitäten und Thinktanks decken, gehen von einem bis zwei Prozentpunkten Wachstum extra pro Jahr aus, die nur der Friedensschluss dauerhaft bringt“, sagte der Präsident dem „Handelsblatt“. „Das heißt, die kolumbianische Wirtschaft kann in den kommenden Jahren zwischen fünf und sieben Prozent durchschnittlich zulegen“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×