Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2017

10:45 Uhr

Kolumbien

Massiver Steinkohleexport geplant

Dass nach Russland die meiste Kohle aus Kolumbien nach Deutschland geschifft wird, ist kaum bekannt. El Cerrejón, der größte Tagebau Lateinamerikas, war schon mehrfach Thema im Bundestag. Denn er ist heftig umstritten.

Kolumbien plant den Ausbau seines Steinkohleexports - zu Lasten der Klimabilanz der Energiewende. Cerrejon, der größte Kohletagebau Lateinamerikas, exportiert pro Jahr über 32 Millionen Tonnen Steinkohle. dpa

Kolumbien befeuert Energiewende

Kolumbien plant den Ausbau seines Steinkohleexports - zu Lasten der Klimabilanz der Energiewende. Cerrejon, der größte Kohletagebau Lateinamerikas, exportiert pro Jahr über 32 Millionen Tonnen Steinkohle.

AlbaniaDieser Zug nimmt einfach kein Ende. Wie ein unendlich langer schwarzer Wurm rattert er durch die Dörfer hier im äußersten Nordzipfel Kolumbiens, das Ziel ist der Karibikhafen Puerto Bolívar. 150 Waggons, jeweils randvoll mit 113 Tonnen Steinkohle. Ein Teil der Brennstoff-Fracht ist bestimmt für Kohlekraftwerke in Deutschland.

Linke und Grüne fordern nach dem Atomausstieg bis 2022 auch einen raschen Kohleausstieg. Doch Grundlastfähige Kraftwerke, die anders als Sonne und Wind 24 Stunden verlässlich Strom liefern, braucht man vorerst weiterhin. Auch wenn es Umweltschützer gern bestreiten, ohne Kohleimporte als „Brücke“ ist der Umbau der Energieversorgung bisher kaum zu schaffen. Es ist das Paradoxe, das CO2-Ersparnisse durch Solar- und Windenergie an anderer Stelle weiter ausgestoßen werden.

Dass nach Russland die meiste Kohle aus Kolumbien rangeschifft wird, ist kaum bekannt. Es ist eine dieser Globalisierungsgeschichten - die Zechen im Ruhrgebiet zu, stattdessen Import aus der Karibik. Schon mehrfach waren die Auswirkungen auf die Menschen durch den größten Kohletagebau Lateinamerikas, Cerrejón, sozusagen die Schattenseiten der Energiewende, Thema im Deutschen Bundestag. Wer hier unterwegs ist, sieht zwei Welten: die Cerrejón-Welt und die Welt drumherum.

Zunächst wird der Ort Cuestecitas passiert, was dort auffällt: An der Straße halten Autos, Männer füllen mit Trichtern aus Venezuela geschmuggeltes Benzin ein, es kostet nur die Hälfte im Vergleich zur Tankstelle. In dem Ort Albania ist der Haupteingang, Cerrejón gehört einem Konsortium aus Anglo American, BHP Billiton und Glencore.

Präsident Roberto Junguito weiß um die Vorbehalte, die es in Deutschland gegen Cerrejón gibt. Er holt erst einmal einen Pokal für vorbildliches ökologisches Verhalten hervor. In der Umgebung gibt es viele Kinder mit Asthma und anderen Krankheiten, Kohlestaub geht in den Dörfern herunter, verschmutzt auch die Trinkwasserstellen. Um die Staubbelastung zu mindern, setzt Cerrejón Unmengen an Wasser im Tagebau ein. „93 Prozent sind Industriegewässer“, betont Junguito.

Mehrere Millionen Liter Trinkwasser seien den umliegenden Gemeinden zuletzt während einer Dürrephase von dem Unternehmen in Tanks zur Verfügung gestellt worden. Ein Mitarbeiter zeigt später zudem eine rund 3600 Hektar große wiederaufgeforstete Fläche, es kommt fast Dschungelgefühl auf, Grillen zirpen. „Wir haben hier 458 Tierarten, auch Affen, Schlangen und drei Jaguare“, sagt der Chef des Programms für Biodiversität, Luis Francisco Madriñan. „Hier jagt sie keiner.“

Der Tagebau umfasst eine Fläche von 69 000 Hektar - fast so groß wie Berlin - derzeit wird auf 13 800 Hektar Kohle gefördert. Es gibt eine enorme Staubentwicklung, daher ist Atemschutz Pflicht. Von einem Aussichtspunkt schaut man auf eine surreale Mondlandschaft, durch die unentwegt riesige Lastwagen fahren. Um eine Tonne Kohle zu fördern, müssen sieben Tonne Erde bewegt werden. 2016 wurden 32,4 Millionen Tonnen gefördert. Präsentiert wird vorbildlicher Arbeitsschutz, gelbe Helme, Stiefel, Schutzbrillen. 12 600 Menschen arbeiten für Cerrejón.

In der von großer Armut gekennzeichneten Region La Guajira ist es der wichtigste Arbeitgeber. Und mittendrin im Tagebau gibt es das Dorf Mushaisa, ein indigener Begriff für „Erde der Kohle“. Parkanlagen, Schwimmbad, Schule, Restaurant - Tausende Arbeiter wohnen hier.

Die ganze Kohle geht in den Export. Kolumbien selbst setzt vor allem auf Wasserkraft. Die Regierung sieht den Kohlehandel als Schmierstoff für mehr Wachstum. Cerrejón hat einen Anteil am Weltkohlemarkt von vier Prozent. Mindestens sieben Züge bringen die Kohle jeden Tag auf einer 150 Kilometer langen Strecke zum Puerto Bolívar. Auf riesigen Frachtschiffen wird die Kohle dann zu den Hauptmärkten in Europa (39 Prozent des Exports) und dem Mittleren Osten (37 Prozent) gebracht.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

17.03.2017, 11:26 Uhr

Ich hätte mir im Artikel mehr Fakten zur Kohlenqualität, zum Kohleabbau, Abbaumethode, gesicherte Reserven, Kosten/to...gewünscht. Interesssant wären auch Informationen zu den Kohlevorkommen Kolumbiens und die Ausweitungspläne, neue Minen?, gewesen. Diese Mühe hat der Autor gescheut und anstelle dessen ökologische Glaubenssätze und eine ökologische Schlussformel eingefügt.

Grundsätzlich hat man in Deutschland 2011 in einem ökoreligiösem Delirium die Hälfte der umweltfreundlichen Kernkraftwerke stillgelegt, der Rest folgt. Dadurch stieg der Anteil der Kohleverstromung. Der Strom aus umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen ist als Zufallsstrom weitgehend wertlos. Eine erhebliche Anzahl Kraftwerke wird warm/heiss (befeuert) in Bereitschaft gehalten. Insofern ist die Brennstoffkostenersparnis durch den Einsatz solcher Stromerzeuger begrenzt.

Sachlich gesehen gibt es - im Gegensatz zur ökologischen Schlussformel des Berichts - keinen Grund warum Kohle nicht auch in 20 Jahren nach dem Auslaufen der Konzession für El Correjon genutzt wird. Aufgrund des weltweiten Wirtschafts- und Energieverbrauchswachstums gehe ich davon aus, dass der Kohleverbrauch der Welt zunehmen wird.

Der "Klimawandel" ist die aktuelle ökoreligiöse Weltuntergangskatastrophe mit der die Anhänger der Religion ihre seltsam destruktiven Ziele - Rückkehr ins Mittelalter - rechtfertigen. Die Theorie ist erbärmlich, erbärmlicher als die Theorie vom "Waldsterben", wird jedoche in einigen Ländern der Erde mit grossem Medien- und politischem Druck verbreitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×