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15.09.2011

13:00 Uhr

Kommentar

Arabischer Frühling, türkischer Winter

VonJosef Joffe

Der türkische Ministerpräsident Erdogan nutzt das Machtvakuum nach dem arabischen Frühling und arbeitet an einer Wiederbelebung osmanischer Großpolitik. Selbst Landsleute sprechen da von Größenwahn.

Der türkische Premier-Minister Recep Tayyip Erdogan. dpa

Der türkische Premier-Minister Recep Tayyip Erdogan.

Wenn die Katze müde wird, recken sich die Mäuse. Obamas Amerika zieht sich langsam aus Mittelost zurück; die Sechste Flotte, die das Mittelmeer mit bis zu 40 Schiffen zu patrouillieren pflegte, besteht im neuen Normalzustand aus genau einem Schiff, einer Kommandozentrale (im Libyen-Krieg wurde sie verstärkt). Die muskelstrotzende Maus, die sich nun als Katze geriert, ist Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei.

Stellen wir uns vor, die Sechste Flotte würde in alter Stärke im östlichen Mittelmeer kreuzen. Hätte das Nato-Mitglied Türkei einem anderen Verbündeten der USA - Israel - mit Krieg gedroht? Mit einer Flottille, welche die israelische Blockade des Gaza-Streifens durchbrechen werde? Das wäre eine Herausforderung gewesen, die selbst das Säbelrasseln eines Wilhelm Zwo übertrumpft hätte. Aber Obama schweigt und beschwichtigt.

Freundlicherweise ist Erdogans Realitätssinn schärfer als seine Rhetorik. Denn er weiß dreierlei: Die Vereinten Nationen haben die Blockade gerade für rechtens erklärt. "Unangemessen" war bloß der Gewalteinsatz der Israelis auf der Mavi Marmara 2010, der neun Türken das Leben kostete. Folglich wäre der Blockade-Bruch eine illegale Kriegshandlung. Drittens würde die israelische Luftwaffe, größer als die deutsche, die türkischen Schiffe vor der eigenen Küste mühelos versenken.

Aber es geht hier nicht um Badewannen-Strategie. Es geht um einen Erdogan, der seinen Landsleuten in Deutschland 2008 zurief, Assimilierung sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Und um einen Mann, der seinen unbändigen Machtwillen mit einem Hang zur Provokation und einem feinen Instinkt für Gelegenheiten verknüpft. Die Amerikaner sind erschöpft, die Europäer mit ihrer eigenen Wirtschaftskrise beschäftigt. Arabische Regime stürzen oder wackeln, und Israel gerät gerade deswegen in Bedrängnis. Denn der ehemalige ägyptische Präsident Hosni Mubarak, der Garant eines dreißigjährigen Friedens, kämpft um sein Leben, und das Militärregime sieht zu, wie ein islamistisch inspirierter Mob die israelische Botschaft in Kairo stürmt.

Die Türkei, früher ein Pfeiler der Nato und ein strategischer Partner Israels, ist heute weder noch. Mal konterkariert Erdogan Sanktionen gegen Iran, mal schmiedet er eine Achse mit dem Damaszener Diktator. Und plötzlich der abrupte Schwenk: weg von Assad, hin zum Regimewechsel in Syrien. Einst rief sein Außenminister eine Politik der "null Probleme" aus, neuerdings versucht Ankara, die Nachbarn Bulgarien und Zypern einzuschüchtern und Stützpunkte im Nordirak einzurichten.

Kommentare (10)

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GermanyMA

15.09.2011, 13:48 Uhr

:-)))
witzige Satire, musste wirklich kurz lachen als ich diesen Bericht gelesen habe.

Welche Qualifikation hat Herr Joffe eigentlich? Kommt dieser aus der 4-Buchstaben Zeitung oder angeheder Journalist. Bei letzterem würde ich sogar respekt zollen! Immerhin macht er auf sich aufmerksam.

So, jetzt hat er die Türkei bzw. Herrn Erdogan wieder als den Bösen Mann des Bosporus oder Orient dargestellt und damit seine Aufgabe erfüllt.

Allein die Bildauswahl zeigt wie sehr er dieses unterstreichen möchte!

:-)

lustig!

Jetzt kann er sich auf die Schulter klopfen und sich vielleicht sogar ein paar Euros in die Tasche stecken. Aber wirklich Ahnung von der Politik in der Türkei oder im Nahen Osten, hat er nicht wirklich.

Erdogan und Islamist, :-)) lustig!

Juergen

15.09.2011, 14:26 Uhr

Das derzeit starke Wirtschaftswachstum in der Türkei geht auf enorme Zunahme von Krediten zurück und einher mit einem riesigen Außenhandelsdefizit. Aus den Erfahrungen der letzten 10 Jahre ist ein solches Wachstum meist von mittlerer Dauer und es folgt der Kater.

Ich denke, alle, die die derzeitige türkische Wirtschaftsentwicklung bejubeln, sollten auf deren Basis genauer hinschauen.

Herakles

15.09.2011, 14:48 Uhr

Selten so einen schlecht recherchierten Artikel gelesen. Der UNO Bericht hat keinerlei rechtliche Relevanz, er ist ein unabhäniger Bericht. Die Seeblockade wurde nicht durch die UNO rechtlich legitimiert, es wurde in einem unabhängigen Bericht darauf hingewiesen. Wenn ich nun die weiteren Unwahrheiten dieses Artikels aufgreifen würde, würde das achso gebeutelte Europa noch weiter an BIP verlieren deshalb belasse ich es dabei...

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