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03.05.2011

07:17 Uhr

Kommentar

Bin Ladens Tod ist ein guter Tag für die Demokratie

VonTorsten Riecke

Der Tod Bin Ladens bedeutet nicht das Ende der terroristischen Bedrohung. Der Westen muss nun umso mehr die dortigen Demokratiebewegungen ohne zu zögern unterstützen.

Gerechtigkeit braucht einen langen Atem. Das war der erste Gedanke, der mir nach dem Tod von Osama Bin Laden durch den Kopf ging. Als Leiter des New Yorker Handelsblatt-Büros stand ich am 11. September 2001 fassungslos vor den brennenden Zwillingstürmen - ohne zu wissen, dass dies das Werk eines Fanatikers in den Bergen Afghanistans war. Heute, fast zehn Jahr später, empfinde ich zwar keine Freude über den Tod des meistgesuchten Terroristen. Wohl aber Genugtuung darüber, dass der Massenmord an 3.000 Unschuldigen nicht ungesühnt bleibt.

Junge Amerikaner haben den Tod Bin Ladens mit Jubel auf den Straßen New Yorks und Washingtons gefeiert. Für europäische Augen mögen solche Triumphausbrüche befremdlich wirken. Doch es waren auch Feuerwehrleute, Hinterbliebene und Zeitzeugen, die spontan auf die Straße gingen. Für sie und für Amerika insgesamt ist das Ende Bin Ladens Voraussetzung dafür, ihren Seelenfrieden wiederzufinden.

US-Fernsehsender haben die Reaktionen mit dem Jubel über den Tod Hitlers verglichen. Ein solcher Vergleich führt jedoch schon deshalb in die Irre, weil Hitlers Selbstmord das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte. Der Tod Bin Ladens hingegen bedeutet nicht das Ende der terroristischen Bedrohung.

Sein Ableben hat viel mehr symbolische als praktische Bedeutung. Auch für uns persönlich. Die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen werden jetzt nicht lockerer, das mulmige Gefühl in den U-Bahn-Schächten der westlichen Großstädte wird nicht geringer. Die Unbeschwertheit der späten 90er-Jahre, die ohnehin nur ein historischer Glücksfall des Westens war, sie wird nicht wiederkommen.

Dennoch könnte das Ende von Bin Laden den Weg in eine bessere Zukunft weisen. Dass sein Tod zu einer Zeit kommt, da die Jugend in vielen arabischen Ländern gegen ihre Despoten aufbegehrt, ist wie ein Wink der Geschichte. Es ist eben nicht der Gottesstaat der Mullahs, dem die Araber nacheifern, sondern die freiheitliche Demokratie. Von hier droht El Kaida eine viel größere Gefahr als von den Spezialeinheiten der Navy-Seals.

US-Präsident Obama hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Bin Laden kein Führer der Moslems, sondern ein Massenmörder seiner Glaubensbrüder war. Umso wichtiger ist es, dass der Westen sich von den anderen Mördern in der arabischen Welt distanziert und die dortigen Demokratiebewegungen ohne zu zögern unterstützt.

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