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12.09.2011

07:44 Uhr

Kommentar

Der EZB fehlt ein Gralshüter

VonOliver Stock

Jörg Asmussen soll Jürgen Stark als Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank beerben. Damit kommt ein weiterer Pragmatiker dorthin, wo jetzt Dogmatiker gefragt sind. Ein Plädoyer für Stabilität.

Jürgen Stark, Noch-Chefvolkswirt der EZB. AFP

Jürgen Stark, Noch-Chefvolkswirt der EZB.

Düsseldorf„Aus persönlichen Gründen ... “ ist Jürgen Stark aus seinem Direktorenamt in der Europäischen Zentralbank zurückgetreten. Aus persönlichen Gründen hatte sich zuvor Axel Weber aus dem gleichen Gremium verabschiedet. Und aus persönlichen Gründen hat damals auch Horst Köhler sein Bundespräsidentenamt niedergelegt.

Die drei Genannten haben alle keinen persönlichen Schicksalsschlag hinnehmen müssen, der sie über ihr Amt und ihr Leben nachdenken ließ. Allen dreien ist vielmehr etwas widerfahren, das sie daran zweifeln ließ, ihrer Aufgabe, so wie sie sie verstanden haben, länger gerecht zu werden.

Der eine, Horst Köhler, musste ein Gesetz unterschreiben, das zum ersten Mal Deutsche dazu verpflichtete, für Schulden aufzukommen, die andere Europäer gemacht haben. Er unterschrieb, weil ihm jedes Veto als Verrat an der europäischen Sache ausgelegt worden wäre. Dieses eine Mal schluckte er seinen Ärgern noch hinunter. Doch beim nächsten Anlass, als er sich in der Afghanistandebatte falsch verstanden fühlte, trat er zurück.

Der zweite, der damalige Bundesbankpräsident und designierte Nachfolger Jean Claude Trichets an der Spitze der Europäischen Zentralbank, Axel Weber, hatte aus seiner Kritik am Staatsanleihenkauf der Zentralbank nie ein Hehl gemacht. Als er sah, dass der Kauf dahin führte, wovor er gewarnt hatte, nämlich in eine desolate Verschuldung und zur Instabilität der Währung, nahm er seinen Hut.

Der dritte, Jürgen Stark, erlebte vergangene Woche sein Waterloo: Erst das Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts, das alle Ausgaben der Deutschen für Europa unter den Vorbehalt der Zustimmung des Parlaments stellte. Gleichzeitig aber musste er feststellen, dass die EZB munter Staatsanleihen von Schuldnerländern mit dem Geld der Deutschen kauft, ohne dass irgendein Parlamentarier etwas dazu zu sagen hat. Der Eimer hat zwei Löcher, musste sich Stark sagen.

Am Donnerstag dann nahm Stark an einer EZB-Ratssitzung teil, bei der sein Präsident in Aussicht stellte, dass wegen der desolaten Konjunkturlage in EU-Europa die Zinsen nicht wie angekündigt steigen, sondern eher sinken werden. Das war zuviel für den deutschen Geldpolitiker und er verließ die Bühne.

Kommentare (39)

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Angsthase

12.09.2011, 08:08 Uhr

Endlich offene Worte vom HB.
Vielen Dank

mono

12.09.2011, 08:09 Uhr

Die Legislative ist völlig ausser Rand und Band geraten. Mit Erpressungsmechanismen
wie," Bist Du nicht für mich, bist Du gegen mich" wird versucht alle potentiellen Kontrollmechanismen und kritischen Funktionsträger zu eliminieren. Erinnert irgendwie an George Bush´s Politik.
Unsere demokratische Kultur wird gerade von Ihren Vertretern mit Füssen getreten.

Schlaumeier

12.09.2011, 08:09 Uhr

Asmussen ist doch der "Murkser" der bisher für Schäuble und Merkel den ganzen Euro-Rettungsmüll ausgearbeitet hat. Ganz, ganz tolle Aussichten für die Zukunft. Vielleicht mal schreiben, liebes Handelsblatt. Das sind Fakten.

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