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24.09.2011

14:57 Uhr

Kommentar

Der Grußaugust für den Westen tritt ab

VonFlorian Willershausen

Russlands vermeintlich liberaler Präsident Medwedjew hat seinem Vorgänger Wladimir Putin sein Amt angeboten – und sich so als dessen Marionette geoutet. Die Modernisierung ist damit endgültig gescheitert.

Putin soll wieder Präsident werden

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MoskauAm Samstag um 13.28 Uhr Ortszeit steht endlich fest, was die Russen lange Zeit erwartet hatten: Wladimir Putin, derzeit im Amt des Regierungschefs geparkt, wird sein Land ab nächstem Frühjahr für wenigstens sechs weitere Jahre als Präsident regieren. Keine fünf Minuten ist die Nachricht raus, da erreicht mich die erste SMS: „Scheiße, ich muss auswandern“, schreibt meine russische Bekannte. Ein Freund wird am Nachmittag ähnliche Worte wählen, um mit spontanem Unmut auf die Personalie Putin zu reagieren.

Meine russischen Freunde sind um die 30 und halbwegs repräsentativ für die junge Moskauer Elite: Weltoffen, gut ausgebildet, in Fremdsprachen versiert und westlich orientiert. Sie teilten lange die Illusion, dass Russland auf dem Weg zur Modernisierung sei und Kremlchef Dmitrij Medwedjew das Land wirklich öffnen, die Wirtschaft privatisieren und liberalisieren will. Am Samstag wurden die letzten wackeren Optimisten dieser Illusion beraubt.

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Putins Kandidatur an sich ist nicht die Überraschung. Seit Monaten tritt der 58-Jährige auf, als stecke er im Wahlkampf. Dass ihn ausgerechnet Amtsinhaber Medwedjew als Nachfolger vorschlägt, ist eine Bankrotterklärung für den vermeintlich liberalen Präsidenten und zieht dessen Modernisierungspolitik in Zweifel.

Lange Zeit schien es, als ob Medwedjew und Putin unterschiedliche politische Prioritäten setzten: Putin will Politik und Wirtschaft von oben herab steuern, das Land auf Knopfdruck regieren und nichts dem Zufall überlassen. Medwedjew forderte dagegen mehr Wettbewerb, Dezentralisierung und Entstaatlichung. Die spielerische Rochade hinter den Kremlmauern zeigt, dass Personen sogar im höchsten Amt des Staates austauschbar sind und Medwedjews Modernisierungsrhetorik bloß taktisches Gerede war.

Kommentare (43)

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Account gelöscht!

24.09.2011, 15:29 Uhr

Herr Medwedjew war nur der Grußaugust für die Medien.
Schon vor dessen Wahl zum Präsidenten, und auch während seiner Präsidentschaft wussten sowohl die Medien, wie die Politiker dieser Welt und alle Interessierten, dass Putin das Sagen hatte und die Präsidentschaft von Medwedjew ein abgekartetes Spiel war.

Daher finde ich das Wort "Grußaugust" in der Überschrift doch sehr polemisch.

Putin.kommt.wieder

24.09.2011, 16:09 Uhr

Ich denke auch, Herr Medwedjew war der für einige Jahre der Platzhalter für Putins Präsidentenposten, damit es nicht so auffällt, dass Putin 10 oder 20 Jahre ununterbrochen die Macht hat in Russland.

Aber es ist auch nicht von Nachteil für den Westen gewesen. Das Gas über die Ostseepipeline wird uns noch von hohem Nutzen sein, wenn es Probleme mit den Transitländern geben sollte.

Da ja China viel kommunistischer ist als Russland und die orthodoxen Russen uns Europäern viel näher sind, habe ich lieber 1000 Wodka-trinkende Russland-Deutsche in der Nachbarschaft als 100 schächtende Muslime mit Schleiern und Raketen-Moscheen.


Account gelöscht!

24.09.2011, 16:27 Uhr

Kann ja nicht jedes Land so tolle Politiker haben wie wir oder? Ich finde es lächerlich sich über andere Länder und deren Gepflogenheiten u echauffieren und so zu tun als hätte der Westen die perfekten Regierungsformen und Mechanismen. Die Deutsche Elite dachte und denkt noch immer man muss ganz vorne mit dabei sein. Das galt früher zB mit den Kolonien und gilt für das heutige Paradigma Umwelt, Menschenrechte und Demokratie für alle.

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