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02.06.2011

14:17 Uhr

Norbert Häring ist EZB-Experte des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Norbert Häring ist EZB-Experte des Handelsblatts.

Die Jury des Internationalen Karlspreises verleiht ihre Auszeichnung zum zweiten Mal an eine Währung. Im Jahr 2002, als die Euroscheine und -münzen eingeführt wurden, tat sie es ausdrücklich. Neun Jahre später, als die Währungsunion und damit die gemeinsame Währung in akuter Gefahr sind zu scheitern, bekommt der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, stellvertretend für die EZB und die von ihr verantwortete Währung den Preis. Doch wer eigentlich gemeint ist, wird dadurch deutlich, dass der erste Absatz der Begründung sich allein um den Euro dreht, eingeleitet mit der dramatischen Warnung: "Der Euro ist in Gefahr".

Schien es 2002 noch offensichtlich, dass der Euro den Preis verdiente, der für "die Förderung des Vereinten Europas in politischer, wirtschaftlicher und geistig-kultureller Beziehung" verliehen wird, so ist das im Jahr 2011 nicht mehr offensichtlich. Die Vorfreude auf die gemeinsame Währung ist dem Streit um die Verantwortung für ihr mögliches Scheitern gewichen. In den Augen vieler Südeuropäer ist der hässliche Deutsche wieder auferstanden. Wir haben das Geld und sagen denen, die es nicht haben, wo es lang zu gehen hat. Genau das glaubten sie mit der Währungsunion überwunden zu haben, als die bis dahin geldpolitisch Europa regierende Bundesbank die Macht an die gemeinsam regierte Europäische Zentralbank abgab. Zähneknirschend machen die Südländer, was von ihnen verlangt wird, aber die europäische Einigung und Verständigung wird in diesen schwierigen Monaten nicht vertieft. Im Gegenteil. Alte Ressentiments und Vorurteile leben auf und werden gepflegt.

Da wirkt es ein bisschen wie das Pfeifen im Walde, wenn das Preiskommitee betont, dass die "die EZB, allen voran ihr Präsident Jean-Claude Trichet, den weit über 300 Millionen Bürgerinnen und Bürgern der Eurozone bewiesen hat, dass sie auf ihre Währung vertrauen können." Leider ist das Vertrauen in eine niedrige Inflationsrate nicht das, was die Bürger in vielen europäischen Ländern derzeit in Sachen Währung vor allem umtreibt, bei allen Erfolgen, welche die EZB auf diesem Gebiet vorweisen kann.

Der Zwist, den die europäische Schuldenkrise in Europa ausgelöst hat, spielt sich auch innerhalb der EZB und zwischen der EZB und den Regierungen ab. Während der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber, als Vertreter der deutschen Linie, partout verhindern wollte, dass die EZB sich auf das schlüpfrige Feld der Staatsfinanzierung begibt, setzte Trichet letztlich durch, dass die EZB Staatsanleihen aufkaufte, um zu versuchen, die Krise zu entschärfen. Dabei verlor die EZB ihre Unschuld, gelungen ist das Vorhaben letztlich nicht. Derzeit sind Trichet und seine EZB vor allem damit beschäftigt, jede Diskussion über eine Umstrukturierung der griechischen Staatsschuld im Keim zu ersticken.

Dabei schreckt die Notenbank nicht einmal davor zurück anzudrohen, dass die EZB neue, umstrukturierte Schuldtitel der Griechen nicht mehr als Sicherheit akzeptieren würde. Was wie eine Technikalie klingt, wäre eine totaler Affront gegenüber Griechenland und den Regierungen, die eine Umstrukturierung einfädeln müssten. Denn dann müssten alle griechischen Banken mit einem Schlag dicht gemacht werden. Diese Drohung ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was Trichet mit dem Ankauf von Staatsanleihen angefangen hat. Eine gerade Linie sieht anders aus, aber vielleicht führt auch kein gerader Weg durch die gegenwärtige Misere der Währungsunion. Trichets Vorgänger Wim Duisenberg, der den Preis für den Euro 2002 entgegen nehmen durfte, hatte es leichter.

Kommentare (7)

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Satire_Pur

02.06.2011, 17:25 Uhr

Satire pur, der nächste Vernebelungpreis. Aus französischer Sicht sicher ein großer Coup.

Ein Portugiese hält die Laudatio und Trichet lobt in seiner Ansprache Griechenland als Lande Homers, Sokrates und Aristoteles, bezeichnet den Euro als Krönung des europäsichen Gedankens.

Wenig Verständnis hegt Trichet hingegen für die unverständliche Eigenschaft der Deutschen, sich kollektiven Angstgefühle hinzugeben. Der meinte wohl die breite Masse hierzulande...

Ausgerechnet EZB-Präsident Trichet, der mit seinem Ramschanleihen-Aufkaufprogramm im Dienste französischer Banken das Euro-Ponzi-System noch zusätzlich aufbläst, erhält auch noch den Karlspreis.

Siehe ----> http://is.gd/...

Das steht der gestrigen Preisverleihung der Quandtstiftung an die BILD-Zeitung um außerordentliche Verdienste in der Griechenland-Berichterstattung um nichts nach, als Hetzpresse & Zwangsarbeiter-Milliardäre sich gegenseitig beweihräucherten...

Deutschland will es eben nicht anders ;-)

Account gelöscht!

02.06.2011, 17:39 Uhr

Der "EURO" ist Vorwand, um vor allem zu Lasten Deutschlands und mit einer unfaßbaren Kumpanei von Deutschlands politischer Kaste eine Transferunion einzurichten, in der deutsche volkswirtschaftliche Wertschöpfung abgesaugt und dann an zahllose ausländische Nutznießer weiterverteilt wird.

Insofern geht der Karlspreis nicht erneut an den EURO, sondern er geht an einen der Haupttäter dieses Systems.

Rainer_J

02.06.2011, 18:46 Uhr

Mit der Einführung des "Euro" begann die verschwenderische Haushaltsführung und maßlose Verschuldung der PIGS-Staaten! Der Euro ist damit definitiv schuld! Da reicht auch nicht der Hinweis, dass es nicht soweit hätte kommen müssen, wenn sich alle an die Regeln gehalten hätten. Tja, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...wenn Katzen so groß wären wie Pferde dann könnte man Bäume hochreiten und wenn die korrupten PIGS-Schmarotzer nicht so wären wie sie sind, dann könnte der Euro ein Erfolg sein. Es ist aber nicht so wie man es gerne hätte!

Der Beweis ist ein korruptes EUdSSR-Moloch in Brüssel, der illegale Rettungsschirm und schmarotzende PIGS-Staaten!

Und der Karlspreis verhöhnt den deutschen Steuerzahler!

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