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02.12.2011

07:44 Uhr

Kommentar

Die Krise kann die Welt neu zusammenschweißen

VonTorsten Riecke

Die Euro-Krise überschattet alles - und erneut reiben sich Staaten aneinander. Nehmen wir jedoch unsere wirtschaftlichen Interessen ernst, gibt es zur internationalen Zusammenarbeit keine Alternative.

Handelsblatt-Korrespondent Torsten Riecke. Pablo Castagnola

Handelsblatt-Korrespondent Torsten Riecke.

Was zusammengewachsen ist, lässt sich nicht mehr so leicht trennen. Das ist die Botschaft der letzten Tage, auch wenn vieles auf den ersten Blick dagegenspricht. Etwa, dass die Fliehkräfte der Euro-Krise die europäische Staatengemeinschaft auseinandertreiben. Oder, dass auch die Atlantikbrücke nach den gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Washington und Brüssel kaum noch begehbar erscheint. Hat also die Krise die Globalisierung und Völkerverständigung zum Stillstand gebracht? Heißt es demnächst wieder "Jeder gegen jeden", so wie nach der Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren? Beim Handel, beim Geld, beim Umweltschutz - und dann auch im Zusammenleben?

Vom Realpolitiker Bismarck stammt die Erkenntnis, dass Nationen keine Freunde, sondern nur Interessen haben. Das gilt in Krisenzeiten noch mehr als sonst. Das ist aber keine Gefahr für die internationale Kooperation, sondern diese Krise bietet - wie jede vor ihr - auch die Chance, gemeinsame Interessen zu erkennen und enger zusammenzurücken. In Europa und weltweit.

Dass derzeit nicht nur Flieh-, sondern auch starke Anziehungskräfte am Werk sind, zeigt die gemeinsame Aktion der sechs großen Notenbanken diese Woche. Von Washington über Frankfurt bis nach Tokio reicht die Erkenntnis, dass sich das Weltfinanzsystem nur gemeinsam stabilisieren lässt. Auch der Impuls "Merkozys", die Schuldenkrise durch mehr Europa zu überwinden, gibt Anlass zur Hoffnung, dass unser Bewusstsein der wirtschaftlichen Wirklichkeit Rechnung trägt.

China ist als Supermacht von morgen ebenfalls Teil dieser Schicksalsgemeinschaft. Die geldpolitische Lockerung der chinesischen Notenbank zeigt, dass sich das wiederauferstehende Reich der Mitte nicht von der Krise des Westens abkoppeln kann. Als einer der größten Gewinner der Globalisierung hat China ein ureigenstes Interesse daran, dass Europa nicht in eine Depression fällt.

Das gilt noch mehr für Amerika, die andere Supermacht, die Europa scheinbar mehr und mehr den Rücken zukehrt und sich nach Asien wendet. Dass aus Washington ungebetene und oft auch ungehaltene Ratschläge in Berlin eintreffen, sollte uns nicht weiter stören. Ist es doch ein Zeichen dafür, wie stark die USA auf das Wohlergehen Europas angewiesen sind. Man kann es auch zugespitzt sagen: Angela Merkel entscheidet nicht nur über das Schicksal des Euros, sondern auch über die Wiederwahl Obamas.

Dass die Welt zusammenwächst, ist jedoch noch keine Gewähr dafür, dass die Staaten mit- und nicht gegeneinander arbeiten. Einen Rückfall in den Nationalismus hat es auch nach der Krise von 1929 gegeben. Um eine ähnliche Katastrophe zu verhindern, müssen wir uns nicht wie Freunde um den Hals fallen. Es reicht schon, im Sinne Bismarcks nach unseren Interessen zu handeln.

Der Autor ist internationaler Korrespondent in Berlin. Sie erreichen ihn unter: riecke@handelsblatt.com

Kommentare (9)

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krise

02.12.2011, 08:16 Uhr

Sind das Durchhalteparolen oder trift auf einmal doch die Verschwörungstheorie einer geplanten Krise zu?

Norbert

02.12.2011, 08:34 Uhr

Die Krise ist generiert....
So dumm können sich "Politiker" gar nicht anstellen um sie NICHT zu lösen.

alfman1961

02.12.2011, 08:43 Uhr

die systemhörige journaille trommelt wieder:
jeder, der gegen die undemokratischen tendenzen der eu-bürokraten und die entmachtung der parlamente auftritt, ist also ein "nationaler".
hören sie den unterton, der da mitschwingt?
nicht mehr lange und gegenpositionen werden mit der nazi-keule verboten und eliminiert.
schämen sie sich, herr redakteur!

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