Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2011

18:35 Uhr

Kommentar

EU will zurück auf die Schiene

VonThomas Ludwig

Alle Welt redet über den Elektroantrieb für Autos. Dabei fährt die Bahn schon seit Ewigkeiten umweltfreundlich mit Strom. Deshalb will die EU-Kommission die Schienen verstärkt bevölkern. Ein Kommentar von Thomas Ludwig.

Mit dem Elektroantrieb für Autos soll die Welt der Mobilität noch besser, noch ressourcenschonender, noch klimafreundlicher werden. Das ist beglückend. Dabei ist, mit Verlaub, der E-Antrieb doch ein alter Hut. Seit Jahr und Tag fährt die Bahn mit Strom. So umweltfreundlich wie sonst kein Lastwagen oder PKW. Das hat nun auch die EU-Kommission erkannt.

In ihrem Verkehrskonzept für die nächsten Jahrzehnte setzt sie entsprechend darauf, sowohl mehr Güter als auch mehr Menschen auf die Schiene zu bringen. Das macht Sinn – auch wenn das die Autobranche ungern hört. Denn selbst, wenn die Bahn mehr Bedeutung erlangt, heißt das nicht, dass die Beförderung von Gütern auf der Straße rückläufig sein wird. Verkehrsexperten gehen vom Gegenteil aus. Die Belastung auf den Straßen wird weiter wachsen. Und damit die externen Folgekosten zum Beispiel für Dauerstau und Umweltverschmutzung. Dafür aber hat die Allgemeinheit schon viel zu lange gerade stehen müssen.

So ist es nur folgerichtig, dass künftig sämtliche Mobilitätskosten verursachergerecht allen Verkehrsmitteln zugeordnet werden sollen. Weil er weniger versteckte Kosten als der Flug- oder Straßenverkehr produziert, wird das den Schienenverkehr wettbewerbsfähiger und attraktiver machen. Sein Potenzial als Alternative für Gütertransporte ist noch nicht ausgeschöpft.

Unabdingbar dazu ist es aber, die Einnahmen aus der Nutzerfinanzierung zweckgebunden in die Infrastruktur zurückzuleiten. Denn ohne den massiven Ausbau der Schieneninfrastruktur und die verbesserte Verknüpfung der Verkehrsträger und Knotenpunkte, bleiben die Brüssler Pläne Makulatur. Dieser Ausbau wiederum wird hunderte Milliarden Euro kosten.

So ist es auch Zeit, dass sich Staaten von lieb gewonnenen Subventionen trennen, wie es die Kommission anregt. Eine Verschärfung der Firmenwagenbesteuerung und die Abschaffung der Steuerbefreiung für Flugbenzin sind überfällig. Höhere Steuersätze beim Dieselkraftstoff sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch zweifelhaft. Denn gerade Dieselmotoren erreichen inzwischen immer bessere Werte bei der Effektivität und der Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Und letzteres ist eines der wichtigsten Ziele, denen sich die EU verschrieben hat.

Sicher ist: Wer Klima und Umwelt entlasten will, wird akzeptieren müssen, dass die Kosten für Transport steigen werden. Das Weißbuch der Kommission setzt ein wichtiges Signal: Wer morgen noch mobil sein will, muss sich bereits heute bewegen.

 

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Thomas-Melber-Stuttgart

28.03.2011, 20:48 Uhr

Was geht das die EU an, gilt nicht der Grundsatz der "Subsidiarität"?

a3416151

29.03.2011, 07:56 Uhr

Genau, wenn man über die Ländergrenzen plant, macht jeder auf seiner Seite sein eigenes Süppchen (so wie bei der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main mit den Bahnhöfen Montabaur und Limburg Süd). Das ergibt natürlich sinn...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×