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17.11.2011

19:14 Uhr

Kommentar

Frankreich droht der Absturz

VonThomas Hanke

Die französische Konjunktur ist ins Trudeln geraten, die Risikoaufschläge steigen. Deutschlands wichtigster Partner muss sparen, um den Absturz zu vermeiden.

Thomas Hanke, Handelsblatt-Ressortleiter Meinung & Analyse. Pablo Castagnola

Thomas Hanke, Handelsblatt-Ressortleiter Meinung & Analyse.

Was bis vor kurzem ein bedrückendes, aber unwahrscheinliches Szenario für Frankreich war, rückt der Wirklichkeit jeden Tag näher: Die Regierung wird immer stärker gezwungen, der Krise hinterherzusparen. Es wachsen die Zweifel an den Fähigkeiten, die Schulden zu stabilisieren. Gestern stiegen die Risikoprämien auf einen neuen Höchstwert. Frankreich spielt nach dem Urteil der Anleger nicht mehr in derselben Liga wie Deutschland. Ebenfalls gestern orakelte ein Bericht des Brüsseler Lisbon Council, das Land verdiene sein Triple-A-Rating nicht mehr.

Eine Spirale aus steigenden Finanzierungskosten und Verlust des Anlegervertrauens droht das Kernland der Währungsunion in die Risikozone zu treiben, in der es schlimmstenfalls vom Garanten zum Kunden des Rettungsschirms würde. Dessen Leinen würden dann reißen.

Noch lässt sich der Absturz vermeiden. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass die politischen Eliten in Rekordzeit einen Lernprozess durchmachen und die einfache Formel begreifen: erst das Land, dann die Partei. Zuerst gemeinsam die Grundlagen für Wachstum und solide Finanzen legen, dann die Schlacht um parteipolitische Profilierung aufnehmen. Da Frankreich sich gerade auf die heiße Phase des Präsidentschaftswahlkampfs vorbereitet, wäre es naiv, schon jetzt auf einen parteiübergreifenden Konsens zu hoffen. Erst muss der Schmerz noch größer werden.

Die am Dienstag veröffentlichten Zahlen des französischen Statistikamts Insee zeigen, dass die Wirtschaft des Landes im zweiten Quartal bereits leicht geschrumpft ist, im dritten wieder gewachsen und in den kommenden Monaten stagnieren oder zurückfallen wird. Der Aufbau der Beschäftigung ist praktisch zum Stillstand gekommen. In das neue Jahr geht die Konjunktur mit angezogener Bremse, was auch heißt: Es wird noch schwieriger, das Verhältnis von Neuverschuldung zu Wirtschaftsleistung zu verringern. Zwar ist die Schuldentragfähigkeit gegeben. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit der Anleihen von sieben Jahren dauert es eine ganze Weile, bis höhere Zinsen sich als Belastung bemerkbar machen.

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